Sightseers

Sightseers

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Ein bisschen Urlaub, ein bisschen Massenmord

Man möchte meinen, Regisseur Ben Wheatley kann Menschen nicht so recht leiden und kompensiert seinen Wunsch Großteile von ihnen zu beiseitigen, indem er Filme macht. Uns soll’s egal sein, solange seine Werke so erfrischend spritzig sind wie Sightseers. Nach seinem eklektischen Genre Cross-Over Kill List, der als Film über einen Auftragsmörder beginnt und in einen übernatürlichen Horrorfilm mündet, bringt er nun eine geradlinige aber nicht minder spannend gemixte Horrorkomödie auf den Markt.
Nachdem Tina (Alice Lowe) den Hund ihrer Mutter versehentlich mit Stricknadeln aufgespießt hat, ist ihre Beziehung nicht mehr die Beste. Doch zum Glück hat sie seit drei Monaten einen neuen Freund. Chris (Steve Oram) ist zwar ein bisschen eigen, aber ganz ehrlich, Tina ist schon ein wenig beschädigte Ware – die beiden wissen also ihre Macken zu schätzen. Um der Enge des mütterlichen Haushaltes zu entkommen, fahren sie mit einem Wohnwagen durch die englische Landschaft. Chris, ein Freund ordentlicher Planung, hat schon eine ganz genaue Route bestimmt. Wie sich bald herausstellt, ist Chris Ordnung und Sauberkeit ein großes Anliegen – Verstöße gegen seine Regeln ahndet er streng. Als ein Tourist seinen Müll auf den Boden wirft, nietet ihn Chris einfach um. So zieht das Pärchen von Ort zu Ort, die Toten häufen sich und auch Tina kriegt bald mit was vor sich geht. Ihre Reaktion ist, … sagen wir mal, einzigartig.

Sightseers steht in der Tradition großartigen schwarzen Humors, den wir von den Briten ja gewöhnt sind. Dabei geht es aber nicht nur lustig morbide zu; Regisseur Wheatley ist auch ein großer Fan von David Cronenbergs Körperhorror. Es fließt viel Blut, die Morde werden ausführlich, wenn auch massiv überzeichnet dargestellt — die Brutalität ist vielleicht nicht für jeden Zuschauer zu empfehlen. Doch hier wird nicht einfach zum Spaß gemetzelt. Das Geschlachte ist eine Metapher und soll erst einmal für Aufmerksamkeit sorgen.

In dessen Windschatten versucht der Film allerdings sich Gedanken über das Beziehungsleben erwachsener Menschen zu machen. Wo andere lange Sequenzen mit vielen Dialogen einbauen, in denen das Thema ausführlich diskutiert wird, verzichtet Wheatley auf alles Gequatsche und lässt lieber ein bisschen Blut spritzen. Doch das Resultat ist das Gleiche, auch wenn es vom lauten Pomp des Horrors ein wenig übertönt wird. Sightseers handelt vor allem von einem Paar, das sich mit sich selbst und der Außenwelt zurechtfinden muss und mit ihr in Verhandlungen treten will. Dabei verfällt Wheatley nie in die sonst üblichen Erzählmuster von Paaren, die sich trennen, sich betrügen und sich eventuell wieder finden. Nein, die Einheit der beiden Liebenden ist stets gegeben, es geht viel mehr darum, wie man seine Liebe in einer aggressiven Welt so von äußeren Einflüssen abschirmen kann, dass man zu sich selbst findet. So gesehen sind Chris und Tina ein äußerst erfolgreiches Paar.

Sightseers

Man möchte meinen, Regisseur Ben Wheatley kann Menschen nicht so recht leiden und kompensiert seinen Wunsch Großteile von ihnen zu beiseitigen, indem er Filme macht. Uns soll’s egal sein, solange seine Werke so erfrischend spritzig sind wie „Sightseers“.
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Meinungen
abhijay · 07.02.2013

dieser film kriegt mit sicherheit deshalb eine eher mittelmäßige wertung ab, weil man ihn entweder liebt oder furchtbar findet. viele sind aus dem kino gegangen... ich konnte über die selbstverständlichkeit mit der hier eine völlig abstruse story erzählt wird von herzen lachen.

Ralf · 23.01.2013

... ist unbedingt empfehlenswert dazu.

Kommentare

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