Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht

Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Dieses Spielfilmdebüt des britischen Filmemachers und Schauspielers Peter Howitt wäre eine kleine, nette und schlichte Tragikomödie, wäre da nicht die ungewöhnliche Erzählweise, die ein ganzes Gelände an Eventualitäten, Varianten und Zufällen erschließt. Der ein wenig unglücklich gewählte deutsche Titel Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht transportiert im Gegensatz zum englischen Sliding Doors kaum die pfiffige Vielschichtigkeit, die hier am Werke ist und dem Zuschauer eine variable Geschichte präsentiert, deren unterschiedliche Ebenen sich am Ende schließlich zunehmend miteinander verweben.
Als die hübsche, dynamische Expertin für Öffentlichkeitsarbeit Helen Quilley (Gwyneth Paltrow) sich an diesem Morgen ein wenig verspätet auf den Weg zur Arbeit macht, nachdem sie am Wochenende ihren Geburtstag gefeiert hat, ahnt sie nicht, dass sie ihren Job bereits los ist. Offensichtlich bei ihren Arbeitskollegen wenig beliebt haben diese Helens „Ausborgen“ von ein paar Flaschen Wodka aus den Beständen der Firma als Diebstahl deklariert, so dass die eloquente junge Frau ihren Arbeitsplatz fristlos räumen muss. Im Aufzug abwärts hat sie eine kurze Begegnung mit dem freundlichen, humorvollen James (John Hannah), dem sie später in der U-Bahn erneut über den Weg läuft. Doch dieser Rückweg nach Hause, wo sich ihr Lebensgefährte Gerry (John Lynch), der angeblich einen Roman schreibt, gerade wieder einmal mit seiner ehemaligen Freundin Lydia (Jeanne Tripplehorn) verlustiert, spaltet die Handlungsstränge bereits in unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten auf: In der einen Variante wird Helen Opfer eines versuchten Raubes und trifft erst zu Hause ein, als Gerrys Geliebte bereits fort ist, während sie ihren Freund in der anderen Version der Geschichte in flagranti bei den sexuellen Kampfhandlungen erwischt. Im weiteren Verlauf der Dramaturgie werden diese beiden Erzählstränge mit ihren Konsequenzen verfolgt, wobei das Schicksal der Protagonisten immer wieder durch anscheinend zufällige Wendungen seinen turbulenten Verlauf nimmt …

Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht, der für das Beste Drehbuch mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet wurde, lebt von seiner geschickten Konstruktion der spekulativen philosophischen Frage nach dem Einfluss minimaler, banaler Ereignisse auf den Lebensweg seiner Figuren, dem großen „Was wäre wenn?“. Gestalten sich die Dialoge zwischen Helen und ihrem charmanten Verehrer James so anregend wie mitunter zynisch, erstarrt die Zeichnung des feigen Charakters Gerry allzu sehr in einen bestimmten Männertypus karikierenden Klischees, die nach anfänglichem Witz rasch in verschrobenen, gefälligen Slapstick umschlagen, der von oftmals unnötigen, umständlichen Verbalitäten begleitet wird. Bedauerlich ist im Zusammenhang mit den sprachlichen Ausprägungen, dass die DVD den Film lediglich in der deutschen Synchronfassung präsentiert, so dass der des Englischen kundige Zuschauer hier keine Gelegenheit findet, die teilweise rasanten Unterhaltungen im Original zu verfolgen. Insgesamt jedoch stellt diese Komödie in ihrer formalen wie inhaltlichen Dimension ein gelungenes Experiment im Spiel mit den Möglichkeiten und ihren Chancen wie Gefahren dar, das über seine komische Grundstimmung hinaus durchaus ernsthafte Töne anschlägt und ebensolche Nachdenklichkeiten anstößt.

Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht

Dieses Spielfilmdebüt des britischen Filmemachers und Schauspielers Peter Howitt wäre eine kleine, nette und schlichte Tragikomödie, wäre da nicht die ungewöhnliche Erzählweise, die ein ganzes Gelände an Eventualitäten, Varianten und Zufällen erschließt.
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