Shock (Classic Edition)

Shock (Classic Edition)

Eine Filmkritik von Martin Beck

"Mama, ich muss dich töten"

Der letzte Film von Mario Bava, bezeichnenderweise betitelt Shock und angesiedelt im „haunted house“-Genre. Anscheinend war der Regisseur 1977, dem Produktionsjahr, nicht mehr ganz auf der Höhe seiner Fähigkeiten, denn so richtig mag die Versprechung des Titels nicht zünden. Shock ist in erster Linie ein beinahe asketisches Kammerspiel, das mit den visuell überbordenden Höhepunkten, die die Karriere des Regisseurs gesäumt haben, nur wenig gemeinsam hat.
Die Handlung dreht sich um drei Personen: Dora (Daria Nicolodi), eine verwitwete Mutter, ihren Sohn Marco (David Colin Jr.) und ihren neuen Freund, den Piloten Bruno (John Steiner). Als sie in Doras altes Haus einziehen, geschehen schon bald unheimliche Dinge, die auf den Geist von Doras ersten Mann zurückzuführen sind. Er ergreift Besitz von dem Jungen und sorgt für etliche „haunted house“-Klassiker, wie z.B. herabfallende Kronleuchter oder per Geisterhand verrückte Möbel. Während einer Dinnerparty kommt schließlich Marco auf seine Mutter zu und sagt ihr: „Mama, ich muss dich töten“.

Auch wenn es visuell nicht allzu viel zu holen gibt, auf inhaltlicher Ebene bedient sich Mario Bava gleich mehrfach in der eigenen Vergangenheit. Shock zitiert unter anderem Der Teuflische, Red Wedding Night und Die toten Augen des Dr. Dracula, und kann nach gewaltiger Anlaufzeit auch tatsächlich packen – sofern man denn dann noch wach ist. Die gesamte erste Stunde besteht nämlich vor allem darin, dass Marco irgendetwas Böses anstellt, seine Mama daraufhin zu ihrem Piloten rennt und der die hysterischen Ausführungen nicht glauben mag. Dann passiert wieder etwas, Dora schreit erneut los und Bruno stellt sich immer noch stur – bis es halt so sehr rumpelt, dass diese durchaus zähe Situation auf die Schlussgerade einbiegen darf.

Shock besteht vor allem aus drei Personen und einem Haus, das immerhin imposante Gothik ausstrahlt und den Schauplatz für einige äußerst bizarre Momente stellt, als nämlich Marco, offensichtlich unter dem Einfluss des Toten, seiner Mutter sexuelle Avancen macht und sie schließlich sogar besteigt. Woraufhin Daria Nicolodi, die damalige Frau von Dario Argento, mal wieder in den Schreimodus wechselt, aus dem sie eigentlich den ganzen Film nicht herauskommt. Alles, was hier passiert, wird ständig mit offenem Mund kommentiert, so dass das Finale dann, in dem tatsächlich einige gelungene Schocks passieren, wie eine durchzuckende Befreiung wirkt.

„Haunted house“-Filme leben von subtilem Spannungsaufbau und eben nicht von hanebüchenen Dialogen und redundanten Situationen. Die letzten 20, 30 Minuten können zwar einiges wiedergutmachen, weil hier guter, alter Italo-Wahnsinn durchbrechen darf, mit mehreren Halsaufschlitzungen, einer Axt-in-die-Brust-Szene und einem fliegenden Messer, doch wenn zuvor der Junge per Langstrecken-Voodoo fast das Flugzeug von Bruno zum Absturz bringen darf, bekommt selbst der fieseste „jump scare“ einen possierlichen Beigeschmack.

Shock spricht vor allem Mario Bava-Fans an, die allerdings den Film schon kennen dürften, gibt es doch bereits eine ganze Reihe deutscher DVDs. Die Angaben des aktuellen Labels, Great Movies, dass es sich hier um eine remasterte und zum ersten Mal ungeschnittene Version handelt, dürfen getrost in die Geisterwelt verbannt werden.

Shock (Classic Edition)

Der letzte Film von Mario Bava, bezeichnenderweise betitelt „Shock“ und angesiedelt im „haunted house“-Genre. Anscheinend war der Regisseur 1977, dem Produktionsjahr, nicht mehr ganz auf der Höhe seiner Fähigkeiten, denn so richtig mag die Versprechung des Titels nicht zünden. „Shock“ ist in erster Linie ein beinahe asketisches Kammerspiel, das mit den visuell überbordenden Höhepunkten, die die Karriere des Regisseurs gesäumt haben, nur wenig gemeinsam hat.
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