Serbis - Cannes 2008

Serbis - Cannes 2008

Eine Filmkritik von Red.

Kein Chance auf die Palmen

Für jedes Filmfestival weltweit und insbesondere für das Filmfestival von Cannes ist eine hohe Medienpräsenz immens wichtig. Dieser Umstand erklärt auch, warum gerne Filme mit einem All-Star-Ensemble zum Auftakt und Abschluss gezeigt werden, garantieren sie doch den notwendigen und PR-trächtigen Rummel. Doch da nicht jeder Wettbewerbsfilm mit Hollywood-Größen glänzen kann, bedient man sich vor allem zur Mitte des Festivals hin eines anderen Kniffs aus dem PR-Handbuch: des insznierten Skandals. Man wirft der versammelten Journaille einen Film mit möglichst expliziten Sexszenen zum Fraß vor, beispielweise Batalla en el Cielo im Jahre 2005, und hofft auf ein entsprechend entrüstetes Rauschen im Blätterwald. Dieses Jahr scheint diese Rolle dem philippinischen Wettbewerbsbeitrag Serbis von Brillante Mendoza zugedacht worden zu sein, auch wenn der Kritikeraufschrei, zumindest in Europa, vielleicht nicht ganz die erhoffte Lautstärke erreicht hat.
Regisseur Brillante Mendoza gilt als der kommende Star des philippinischen Kinos und ist zudem ein extrem produktiver Filmemacher, der auch schon mal zwei Filme pro Jahr mit sehr geringen finanziellen Mitteln realisiert. Serbis, zu deutsch "Dienstleistung", spielt in einer Provinzstadt, in der die Familie Pineda ein heruntergekommenes Kino betreibt, in dem der Clan auch lebt. Während über die Leinwand Pornos flimmern, bieten Transvestiten den männlichen Kinobesuchern Dienstleistungen der noch eindeutigeren Art an. Doch dieses Setting bildet nur den Hintergrund für ein generationsübergreifendes Familiendrama.

Nana A.T. Rebhan zeigt sich auf arte.tv von Serbis enttäuscht. "So plätschert der Film dahin mit einigen alltäglichen kleinen Geschichten, bietet dem Zuschauer aber keine richtige Identifikationsfigur." Rebhan hofft, dass der Film für Mendoza nur ein "Ausrutscher" sei. Unter der Überschrift „Philippinisches Pornokino“ findet Rüdiger Suchsland bei telepolis.de, dass Serbis ein "exzellenter Film" sei, der von einer "wahnsinnigen Geräuschkulisse" beherrscht werde. Bei spiegel.de geht Lars-Olav Beier mit dem Regisseur hart ins Gericht: "Und wenn Mendoza minutenlang mit der Kamera den Körper eines nackten Mädchens abtastet, dann blickt er selbst wie ein geiler Freier auf seine eigene Figur. So schnell kann man zum Ausbeuter werden." Diese Ansicht teilt auch Kim Voynar von cinematical.com, die schreibt, dass sie zum ersten Mal bei einem Festival eine Vorführung vorzeitig verließ, weil sie Serbis so Ekel erregend fand. Howard Feinstein von Screen Daily meint ebenfalls, dass der Film für Mendoza ein gigantischer Schritt in die falsche Richtung sei und glaubt sogar, dass Mendozas Karriere nun einen Dämpfer erleiden würde.

Serbis - Cannes 2008

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