Seitenwechsel

Seitenwechsel

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Eine Frauenrolle für Wotan Wilke Möhring

Es handelt sich um ein Fußballspiel und jemand spricht von der Teilzeit statt der Halbzeit? Da kann es sich nur um eine Frau handeln, und zwar eine, die bei jeder Gelegenheit betont, dass sie Fußball hasst. Nun ist Teresa (Mina Tander) aber mit dem Fußballtrainer Alex (Wotan Wilke Möhring) liiert und erwacht nach 16 Jahren Ehe plötzlich in seinem Körper. Der Schock ist groß und ein doppelter, denn auch er blickt morgens im Spiegel statt in das eigene in ihr Gesicht.
Was die beiden Streithähne, die vor diesem Körpertausch kurz vor der Trennung standen, selbst kaum wahrhaben wollen, versuchen sie dem sozialen Umfeld nach ein, zwei Versuchen lieber nicht zu vermitteln. Nun muss also Teresa in Alex' Körper die Mannschaft des 1. FC Union Berlin auf das Spiel vorbereiten, das über den Verbleib in der Liga entscheidet. Und Alex in Teresas Körper macht sich auf den Weg in ihre psychotherapeutische Praxis, um sich die Probleme der Klienten anzuhören, die er sowieso alle für "Bekloppte" hält.

Was kompliziert klingt, bereitet zunächst auch Kopfzerbrechen: Wer ist jetzt wer, innerlich, aber nicht äußerlich? So melden sich bereits leise Zweifel am weiteren Kurs dieser von Vivian Naefe inszenierten Bodyswitch-Komödie. Das Drehbuch von Andrea Sixt und Naefes Tochter Katharina Eyssen macht nämlich anfangs vor allem einen konventionellen Eindruck. Zwei Menschen mit Ehe-Ermüdungserscheinungen müssen mit ein wenig magischer Hilfe buchstäblich in den Schuhen des anderen gehen. Vielleicht gibt es dann für die Liebe noch eine Chance? Und eine Annäherung von Teresa und ihrer pubertierenden Tochter Julia (Ruby O. Fee), die zurzeit mehr ihren nachgiebigen Vater schätzt?

Aber es dauert nicht lange, bis diese Geschichte ganz überraschenderweise doch funktioniert. Sie reizt immer wieder spontan zum Auflachen und verblüfft mit sehr treffend beobachteten Details. Diese liegen vor allem in der nonverbalen Kommunikation. Soll noch einer sagen, die genderspezifischen Verhaltensweisen seien allein durch entsprechendes Problembewusstsein in den Griff zu kriegen. Ihre Gesten, Handbewegungen, die Kopfhaltung im Dialog haben Frauen und Männer meistens gerade nicht perfekt unter Kontrolle, auch nicht die Art, wie sie im Gespräch auf emotionale Reize reagieren.

Über das Gelingen von Seitenwechsel entscheiden hier vor allem die beiden Hauptdarsteller, die ihre Aufgabe mit Bravour meistern. Bis zum Schluss ist es eine Schau, wie Wotan Wilke Möhring sich als Teresa im Männerkörper beim Sprechen ans Halstuch fasst, es sich in eleganter Position auf dem Bett gemütlich macht und aus dem Weinglas nippt, wie er als sie vor Freude hüpft oder beim Sex das ungewohnte Körperteil kommentiert.

Mina Tander überzeugt ebenfalls, aber nicht so sehr, weil sie übertrieben breitbeinig in roten Stöckelschuhen herumlaufen muss. Sondern weil sie Alex' knappe Ansagen so gut persifliert. Die Nebenfiguren hingegen sind nicht alle gleich gut gelungen. Teresas beste Freundin Rebecca (Friederike Kempter) kann als inspirierte, eingeweihte Ratgeberin punkten. Frederick Lau spielt mit Lust an der grotesken Überspitzung einen Klienten Teresas, der leider, damit kein Zweifel an seiner Sonderbarkeit aufkommt, Kleidung in den unwahrscheinlichsten Karo-Streifen-Kombinationen trägt. Wäre ja wohl auch zu langweilig gewesen, einfach nur diese Therapieklienten wie du und ich mit ihrem ganz gewöhnlichen Beziehungsstress auf Teresa und dann Alex loszulassen.

Seitenwechsel scheut die Klischees nicht und erfindet das Rad nicht neu, ist aber trotzdem erfrischend lustig. Der Film entlarvt mit einfachen, toll gespielten Mitteln, wie unterschiedlich sich die Geschlechter benehmen, verstehen und von der Außenwelt gesehen werden. Das kann man oder frau bedauern, hier aber sieht es einfach nur spaßig aus.

Seitenwechsel

Es handelt sich um ein Fußballspiel und jemand spricht von der Teilzeit statt der Halbzeit? Da kann es sich nur um eine Frau handeln, und zwar eine, die bei jeder Gelegenheit betont, dass sie Fußball hasst. Nun ist Teresa (Mina Tander) aber mit dem Fußballtrainer Alex (Wotan Wilke Möhring) liiert und erwacht nach 16 Jahren Ehe plötzlich in seinem Körper. Der Schock ist groß und ein doppelter, denn auch er blickt morgens im Spiegel statt in das eigene in ihr Gesicht.
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Meinungen
Heike Mag · 07.07.2017

Ihr müßt wissen, daß ich große Vorurteile bei deutschen Filmen habe, Wobei ich oft recht hatte...
Dieser Film ist anders. Die beiden Hauptschauspieler sind großartig. Ganz toll. Ich nehme den Film auf in mein kleines, aber feines Archiv:
Deutsche Filme, die man angucken kann und sollte"
Vielen Dank!

Kommentare

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