Sein Wechselgeld ist Blei (Blu-ray)

Sein Wechselgeld ist Blei (Blu-ray)

Eine Filmkritik von Martin Beck

"Komm her, du Sonnenblume du."

Ein toller Titel, ganz im Sinne klassischer Spaghettiwestern, und dann leider nur ein mittelmäßiger Film, dessen Möglichkeiten an den matten Felsen idiotischer Plotentwicklungen und inszenatorischer Unfähigkeit zerschellen. Alfonso Brescia, der hier das Sagen hatte, war ein wenig filigraner Handwerker, dessen Bekanntheit vor allem seinen ultratrashigen Star-Wars-Epigonen Krieg der Roboter oder Star Odyssey zu verdanken ist. Folglich sind Logik, Spannung und nuancenreiche Darstellungskünste relativ – immer bezogen auf eine überraschungsarme Durchschnittlichkeit, deren Saft nicht mal für haarsträubenden Trash reicht.
Was Brescia ebenfalls (zumindest hier) abgeht, ist der typische Spaghettiwestern-Stil, der nur am Ende in Gestalt bildgroßer Augenpaare aufblitzt und ansonsten einer eher gemäßigten amerikanischen Erzählform weicht. Schön brav die Figuren einführen, sie gemächlichen Schrittes ihre Konflikte und Beziehungen aufbauen lassen und dann — das wiederum eine dezidiert italienische Tugend — völlig abstruse Motivationen, unlogische Taten und charakterliche Brüche ins Spiel bringen. Eigentlich eine Steilvorlage für versierte Italo-Regisseure, so nach dem Motto „Jetzt erst recht“, doch Sein Wechselgeld ist Blei bleibt dafür einfach zu sauber, zu brav, zu unausgegoren.

Angesiedelt ist die Handlung zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs, wo Johs (Peter Lee Lawrence), ein Südstaatler, die Ermordung seines Bruders und dessen Frau beklagen muss. Der dafür verantwortliche Mann ist Nordstaatler und heißt Clifford (Luigi Vannucchi), der auch gleich noch Johs Verlobte (Beba Loncar) einkassiert und Johs selbst in ein rachegeprägtes Outlaw-Dasein zwingt. Erst Jahre später taucht er aus dem Untergrund wieder auf und setzt nun selbstverständlich alles daran, der Gerechtigkeit zum erwartungsgemäßen Sieg zu verhelfen. Selbst wenn zumindest seine Verlobte, die erstaunlich wankelmütig zwischen den beiden Herren taumelt, eher einen Luciano-Rossi-mäßigen Kopfschuss verdient hätte.

Aber nein, kein Hinterfragen, sondern einfach Ignorieren, was beim Zuschauer eine gewisse Irritation auslöst, genauso wie zum Beispiel die beständige Weigerung Cliffords, seinen Widersacher einfach mal hinterrücks abzuknallen. Gelegenheiten dazu gibt es einige, und wenn dann lieber furchtbar umständlich Fallen gelegt und „clevere“ Rachepläne geschmiedet werden, kommt man sich einfach nicht allzu gut unterhalten vor. Es ist offensichtlich, dass Alfonso Brescia keine allzu große Lust hier hatte, so dass das Zielpublikum auf eingeschworene Westernfans schrumpft – die sich dann zumindest an der pausbackigen Pennälervisage von Hauptdarsteller Peter Lee Lawrence (=Karl-Otto Hirenbach) festgrinsen und dazu einer die Stimmung deutlich hebenden Rainer-Brandt-Synchro lauschen können.

„Komm her, du Sonnenblume du. Wenn du nicht verschwindest, kannst du bald deine letzte Tasse Tee kochen.“ Pure Poesie, gerne in Kombination mit dem schönen Soundtrack von Bruno Nicolai, doch letztendlich trotzdem ein durchwachsener Kandidat für die zweite Reihe. Sein Wechselgeld ist Blei gab es vor Jahren bereits mal als Koch-Media-DVD, die eigentlich keine großartigen Verbesserungen mehr erwarten ließ – was die vorliegende Blu-Ray von MVL nun erwartungsgemäß bestätigt. Wie gut nur, dass das anfängliche Qualitätsniveau sehr hoch war, insofern kann sich auch die neue Veröffentlichung sehen lassen. Satte Farben, zwei warm klingende Tonspuren (deutsch und italienisch), uncut und immerhin so viel Einsatz, aus nicht vorhandenen Extras noch zwei Trailer und eine umfangreiche Artwork-Galerie herauszupressen.

Sein Wechselgeld ist Blei (Blu-ray)

Ein toller Titel, ganz im Sinne klassischer Spaghettiwestern, und dann leider nur ein mittelmäßiger Film, dessen Möglichkeiten an den matten Felsen idiotischer Plotentwicklungen und inszenatorischer Unfähigkeit zerschellen. Alfonso Brescia, der hier das Sagen hatte, war ein wenig filigraner Handwerker, dessen Bekanntheit vor allem seinen ultratrashigen Star-Wars-Epigonen „Krieg der Roboter“ oder „Star Odyssey“ zu verdanken ist.
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