Schwesterherz

Schwesterherz

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Unter Geschwistern

Schwestern, wie sie verschiedener nicht sein könnten und wie sie doch immer wieder zu finden sind, bilden die Grundkonstellation in Schwesterherz, dem zweiten Film nach Almost Heaven, in dem der Regisseur Ed Herzog und die Darstellerin Heike Makatsch zusammenarbeiten. Da ist auf der einen Seite die 33-jährige Musikproducerin Anne (Makatsch), eine getriebene, hyperaktive Karrierefrau, deren perfekte Fassade nur übertünchen soll, was in ihrem Leben alles schief läuft. Ihr Freund Philip (Marc Hosemann) hingegen lebt munter in den Tag hinein und lässt sich ziellos durchs Leben treiben, für eine gemeinsame Zukunft ist in seinem Kopf kein Platz. Auch im Job herrscht aller oberflächlichen Befriedigung des eigenen Egos zum Trotz mehr Frust als Lust – längst ist Anne klar, dass ihre Branche vor allem durch Großmäuligkeit und Niveaulosigkeiten jedweder Art geprägt ist. Ihre jüngere Schwester, die 18-jährige Marie (Anna Maria Mühe, die Tochter Ulrich Mühes und Jenny Gröllmanns), hat all diese Enttäuschungen noch nicht erlebt, sie ist jung, idealistisch, will später in Afrika leben und Brunnen bauen, um den Ärmsten der Armen zu helfen. Als Anne ihre Schwester spontan zu einem Urlaub in Benidorm, dem Betonghetto an der Costa Blanca, einlädt, stimmt die Schülerin nur allzu gerne zu, schließlich bewundert sie die toughe Karrierefrau und freut sich auf die gemeinsame Zeit mit ihr. Doch der Urlaub verläuft ganz anders, es regnet unentwegt und mit der Zeit fallen die Masken, die sich Anne mühsam aufgebaut hat. Während sie hektisch versucht, ihr Leben zu ordnen, muss Marie erkennen, dass ihre große Schwester so ganz anders ist, als sie sich das gedacht hat…

Heike Makatsch, von der kaum jemand glaubte, dass sie in der Lage sei, das Image des ewigen Girlies abzulegen, ist im Laufe der letzten Jahre als Darstellerin erstaunlich gereift, was in verschiedenen Filmen bereits zu sehen war. Dass sie nun auch als Autorin in Erscheinung tritt – gemeinsam mit der Filmjournalistin Johanna Adorján – zeigt, wie konsequent sie ihren Weg gegangen ist und wie viel Talent in der ehemaligen VIVA-Moderatorin steckt; und zwar sowohl als Darstellerin wie auch als präzise Beobachterin. Ihr zur Seite steht mit Anna Maria Mühe eine junge Schauspielerin, die gerade erst am Anfang ihres Weges steht und die doch neben Heike Makatsch mühelos bestehen kann und diese bisweilen übertrumpft – was aber auch an der Figurenkonstellation liegen dürfte, bei der Marie eindeutig den besseren Part hat als die hektische, oberflächliche und zickige Anne.

Wie dem auch sei – Schwesterherz ist ein Frauenfilm, wie man ihn selten so zu sehen bekommt: eine energische, ernste und manchmal entlarvende groteske Zustandsbeschreibung über die Lebenslügen der erfolgreichen Karrierefrauen, die den Spagat wagen zwischen den tradierten Frauenrollen und den Anforderungen, die beruflicher Erfolg und Karriere so mit sich bringen. Es geht um die Macht der Schönheitsideale, um Jugendwahn und den alltäglichen Kampf um den Job und darum, wo bei all dem der Mensch, das Individuum, die Frau bleibt.
 

Schwesterherz

Schwestern, wie sie verschiedener nicht sein könnten und wie sie doch immer wieder zu finden sind, bilden die Grundkonstellation in Schwesterherz, dem zweiten Film nach Almost Heaven, in dem der Regisseur Ed Herzog und die Darstellerin Heike Makatsch zusammenarbeiten.

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Meinungen
chris · 11.07.2008

langweiliger film bzw. handlung. hätte man besser gestalten können, kameraeinstellungen sind gut, sonst leider fehlt viel. Heike Makasch spielt gut aber nicht überragend, hatte schon bessere Rollen :-)

müller · 04.11.2007

Super Filmthema und die passende Besetzung.

Kommentare

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