Schwein (2018)

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Ein Serienkiller mordet sich durch die iranische Filmszene und übersieht dabei einen einst verdienten Regisseur, was dem wiederum überhaupt nicht gefällt. Mit einem Berufsverbot belegt, sehnt dieser sich nach Anerkennung – und sei es durch einen Mörder.

Schwein (2018)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein Regisseur am Rande des Nervenzusammenbruchs

Ein Serienkiller geht um in Teheran. Seine Mission: Filmregisseure enthaupten und mit einem Messer das Wort „Schwein“ auf deren Stirn ritzen. Einige sind ihm bereits zum Opfer gefallen und die Filmszene der iranischen Hauptstadt befindet sich in heller Aufruhr. Hasan Kasmai (Hasan Majuni) hingegen ist beleidigt.

Denn was soll das bitte schön für ein Muster sein, wenn der Killer ausgerechnet ihn geflissentlich übersieht? Zwar ist Kasmai seit langem schon mit einem Berufsverbot belegt, aber war er nicht früher mal einer der Größten? Und ist er es durch seine Verdienste in der Vergangenheit nicht immer noch? 

Der Killer freilich ist nur eines von Kasmais vielfältigen Problemen: Seine alte Mutter (Mina Jafarzadeh) verhält sich immer merkwürdiger und erledigt mit einem antiken Gewehr einen veritablen Laternenmast, seine Frau Goli (Leili Rashidi) scheint das Interesse an ihm verloren zu haben und seine Lieblingsdarstellerin Shiva (Leila Hatami) verliert so langsam die Geduld: Weil es gerade nicht so aussieht, als würde das Berufsverbot Kasmais bald aufgehoben, trifft sie sich mit anderen Regisseuren und versucht, dies vor ihm zu verbergen. Klar, dass er es dennoch herausbekommt. 

Eine vertrackte Situation also, die dann mit der Zeit immer bizarrer wird. Denn die Tatsache, dass Kasmai von dem Killer ignoriert wird, bringt einige Menschen auf die nicht ganz abwegige Idee, dass vielleicht der frustrierte Choleriker selbst hinter den Morden stecken könnte. Ein Videoclip, in dem Kasmai des Mehrfachmordes bezichtigt wird, landet jedenfalls in den sozialen Netzwerken und geht dort viral. Irgendwann interessiert sich auch noch die Polizei für ihn. Und zu allem Überfluss hat er auch noch eine durchgeknallte Stalkerin an den Fersen. 

Im eher schweren Wettbewerb der diesjährigen Berlinale ist Mani Haghighis Film Schwein (Khook) ein seltenes Phänomen – eine pechschwarze Komödie voller verdrehten Wendungen, bizarrer Einfälle und verspielter Details, die auf den ersten Blick jegliche politische Ambition vermissen lässt. Dass Kasmai mit einem Berufsverbot belegt ist, dient eigentlich nur dazu, die Handlung voranzutreiben und den Protagonisten in eine immer verzweifeltere Situation hinein zu befördern. 

Materiell geht es dem dicklichen Exzentriker offenbar gut, nur sein Ego ist ein wenig ramponiert – und das bringt nicht gerade seine nobelsten Emotionen zum Vorschein. Neid und Missgunst prägen seinen Blick auf die Filmemacher, die arbeiten dürfen, er wähnt sich als etwas Besseres und obwohl man ihn nur einmal am Set eines Werbespots für ein Insektenvernichtungsmittel sieht, ahnt man, dass diese Einschätzung möglicherweise vor allem auf einem übergroßen Selbstbewusstsein fußen könnte.

Und so rast Kasmai durch sein verpfuschtes Leben, malträtiert Tennisschläger auf dem Platz und beim Luftgitarrespielen, gibt in einem Tagtraum eine Version von AC/DCs Hell’s Bells zum Besten und begegnet am Ende und zu seinem Glück dann doch dem religiös motivierten Killer.

Bereits 2016 hatte Haghighi mit seinem Film A Dragon Arrives den Wettbewerb überrascht und aufgelockert, sein neues Werk geht an vielen Stellen noch um einiges weiter und verdeutlicht, dass das iranische Kino viel mehr zu bieten hat als schwere Dramen voller Introspektion und philosophischer Tiefe, wie man dies beispielsweise von Abbas Kiarostami kannte. Schwein erstaunt nicht nur durch seinen ungehemmten Spieltrieb und den Willen zur Hyperbolik, sondern auch durch das Maß an Freiheit, das er sich herausnimmt, um ein Bild von Menschen zu zeichnen, deren Neurosen den unsrigen westlichen mehr ähneln, als wir es oftmals wahrhaben wollten.

Schwein (2018)

Der Filmregisseur Hasan ist auf die schwarze Liste geraten und darf seit Jahren keine Filme mehr machen. Auch sonst läuft es nicht gerade gut für ihn; sein gesamtes privates Umfeld befindet sich in Auflösung. Und dann werden in Teheran und Umgebung plötzlich Filmschaffende ermordet - nur er selbst bleibt unbehelligt und wird sogar zum Hauptverdächtigen. Bis Hasan klar wird, dass er einen Plan braucht. Denn so kann es nicht weitergehen ...

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Schwein von Mani Haghighi - Filmbild 1

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Titel
Schwein (2018)
Ein Regisseur am Rande des Nervenzusammenbruchs
Originaltitel
Khook
FSK
18 (Festival)
Genre

Daten und Fakten

Produktionsland
Filmlänge
108 Min
DVD
Blu-Ray
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TV

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