Schöner Leben

Schöner Leben

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Oh je, du Fröhliche!

Preisfrage: Woran merkt man, dass sich Weihnachten mit Riesenschritten nähert? Am ersten Schnee? An den Lebkuchen-Packungen und Schoko-Nikoläusen, die seit Ende September in den Supermärkten zu finden sind? All das ist natürlich richtig, doch für den kritischen Cineasten gibt es noch ein ganz anderes, wesentlich schlüssigeres Indiz, dass das Fest der Freude wieder ins Haus steht – das Kinoprogramm. Spätestens ab Mitte November nämlich tummeln sich Filme höchst unterschiedlicher Qualitäten auf den deutschen Leinwänden und sorgen mit ca. sechswöchigem Vorlauf dafür, dass auch ja niemand vergisst, dass noch jede Menge Geschenke zu besorgen sind. Dem Weihnachtsstress zu entrinnen – das ist selbst im Kino nur nach gründlichem Studium des Programms möglich. Und so verwundert es nur wenig, dass neben Wir sagen Du! Schatz von Marc Meyer, Meine schöne Bescherung von Vanessa Jopp nun mit Schöner Leben von Markus Herling ein weiterer deutscher Film ins Rennen um den Titel des erfolgreichsten Weihnachtsfilmes geht. Angesichts der bevorstehenden stressigen Weihnachtszeit ist solch ein „overbombing“ anscheinend unvermeidbar – richtige Freude mag da aber nicht aufkommen; schon gar nicht bei Weihnachtsmuffeln. Daran ändert auch dieser Film nichts Wesentliches.
Es ist der Weihnachtsmorgen in Berlin, grau und graupelschwer hat sich der Himmel wie ein graues Tuch über die Stadt gelegt, es ist einer dieser Tage, an denen jede Hoffnung auf Sonne, auf einen Lichtstrahl vergebens ist. Aus dem Off hören wir die Muntermacher-Stimme eines Radiomoderators, der seine Zuhörerschaft offensichtlich dazu aufgefordert hat, Weisheiten aus dem Schatzkästlein der Alltagspoesie zum Besten zu geben, und prompt werden wir mit einer wahrlich tief schürfenden Wahrheit konfrontiert: „Hier und da zeigen sich Überraschungen, die sich unter den vom Regen glatt gewaschenen Steinen finden.“ Aha… Im Folgenden trifft der Zuschauer auf fünf Personen, die schließlich alle das Schicksal – oder der Weihnachtsmann – in einer U-Bahn zusammenführt: Da ist beispielsweise Joseph (Pasquale Aleardi) – aha — , der immer noch seiner Ex-Freundin Maria (Isabella Parkinson) – ui, Anspielung verstanden? – hinterher trauert. Auch der U-Bahn-Schaffner Otto (Klaus Gehrke) ist nicht gerade heiter gestimmt, vermisst er doch seine verstorbene Frau gerade an Weihnachten besonders. Umso schlimmer, dass er ausgerechnet an diesem Tag die penetrant aufgekratzte Reinigungsmittelvertreterin Sieglinde (Karin Düwel) anvertraut bekommt, die einen Film für ihr Patenkind in Afrika drehen will. Auch die anderen Personen, von denen der Film erzählt, sind alles andere als festlich oder gar fröhlich gestimmt. Die allein erziehende Mutter Elke (Susanne Ugé) weiß beispielsweise nicht, wovon sie Geschenke für ihre Kinder bezahlen soll. Vielleicht lässt sich ja ihr Nachbar Sebastian (Andreas Guenther) mit amourösen Diensten zu einer milden Geste bewegen. Doch Sebastian hat genug eigene Probleme, die es in den Griff zu bekommen gilt. Und schließlich ist da noch der Schauspieler Alwin (Max Herbrechter), der bei einem Casting auf die Rolle seines Lebens hofft – ein Wunsch, der sich leider auf etwas andere Weise als geplant erfüllt. Und justament wird sich zeigen, dass sich in den Worten des Radiozuhörers vom Beginn des Films eine ganze Menge Wahrheit verbirgt, denn der Weihnachtstag hält für jede dieser verlorenen Seelen eine faustdicke Überraschung bereit.

Im Niemandsland zwischen einem TV-Movie der tiefsinnigen Sorte, ambitioniertem Sozialdrama und banaler Groschenheft-Besinnlichkeit bewegt sich Markus Herling mit seinem Episodenfilm Schöner Leben, der bereits 2006 in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ zu sehen war. Doch genau jene versprochene Perspektive vermisst man bei diesem Film doch schmerzlich — blutleer, konstruiert, vorhersehbar und mit plattester Symbolik ausgestattet – Joseph und Maria, hey, wie originell – dümpelt die Handlung durch den Tag, bis schließlich alles – oh welch Wunder – doch noch ein gutes Ende findet. Bei so viel Betulichkeit helfen selbst vermeintlich skurrile Einfälle wie jener eines Weihnachtsmannes, der Schnäppchenläden ausraubt, wenig, um echte weihnachtliche Vorfreude aufkommen zu lassen.

Schöner Leben

Preisfrage: Woran merkt man, dass sich Weihnachten mit Riesenschritten nähert? Am ersten Schnee? An den Lebkuchen-Packungen und Schoko-Nikoläusen, die seit Ende September in den Supermärkten zu finden sind?
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Meinungen
jomevi@aol.com · 07.07.2010

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