Schmutzige Kriege - Dirty Wars

Schmutzige Kriege - Dirty Wars

Eine Filmkritik von Falk Straub

Die unendliche Liste

Bei der Oscarverleihung ist Schmutzige Kriege leer ausgegangen. Zu Recht. Richard Rowleys Dokumentarfilm zeigt ungewollt, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht nur im Krieg weit auseinanderklaffen.
Es ist etwas faul im Staate Afghanistan, findet der Journalist Jeremy Scahill. Gleich zu Beginn steckt sich Schmutzige Kriege – Dirty Wars ein hohes Ziel. Scahills These: Abseits des von der Öffentlichkeit wahrgenommenen Einsatzes der US-Truppen läuft ein geheimer Krieg gegen den Terror. Diesen wolle der Film aus dem Verborgenen ans Licht zerren, erklärt Scahills Stimme aus dem Off.

Scahill ist kein Unbekannter. Bereits als 25-Jähriger hat er sich im Kosovo seine ersten Sporen als Kriegsreporter verdient. Im Irak hat er dann entscheidend dazu beigetragen, den Skandal um das private Sicherheits- und Militärunternehmen Blackwater aufzudecken. Eigentlich kein schlechter Protagonist für einen Dokumentarfilm über den Afghanistan-Einsatz. Zumal Scahill auch dort eine heiße Spur verfolgt: die Aufträge des Joint Special Operations Command (JSOC). Mitglieder dieser Sondereinsatztruppe, die direkt dem US-Präsidenten unterstellt sind, werden aufgrund ihrer Bärte und ihrer harten Methoden von den Afghanen „die amerikanischen Taliban“ genannt. Der breiten Öffentlichkeit wurde JSOC erst durch die Ermordung Osama bin Ladens bekannt. Scahills Recherchen zufolge arbeitet die Truppe eine scheinbar endlose Liste an Terrorverdächtigen ab, die sie tot oder lebendig ergreift – der Tod Unschuldiger werde dabei billigend in Kauf genommen.

Schmutzige Kriege macht vieles richtig. Der Film bezieht alleine daraus seine Berechtigung, dass er den Afghanistankrieg aus einem Blickwinkel beleuchtet, der sich dem eingebetteten Journalismus entzieht, den die US-Regierung gern sehen würde. Die Art und Weise wie der Film dies macht, stößt jedoch übel auf. Regisseur Rowley und Protagonist Scahill schaffen es nicht, auf ihre kritischen Fragen Antworten zu geben. So deutlich Schmutzige Kriege auch in seiner Anklage ist, so vage bleibt er in deren Untermauerung.

Dies allein könnte man der Dokumentation noch nicht zum Vorwurf machen, hätte Rowley daraus ein Protokoll des Scheiterns gemacht. Der Versuch, dass eigene Misslingen der zu Beginn des Films gesetzten Mission jedoch durch Scahills Ruhm vergangener Tage und einen moralinsauren Grundton zu idealisieren, rückt Schmutzige Kriege in ein unnötig schiefes Licht. Das beginnt bereits bei Kamera und Ton. Warum wird dem Zuschauer Afghanistan in extrem entsättigten Farben präsentiert, die mehr an die Ästhetik eines Hollywooddramas als an die Abbildung der Realität erinnern? Und warum greift Rowley in seiner Dokumentation ständig zu theatralischem Musikeinsatz?

Statt sachlich zu bleiben, ergeht sich Schmutzige Kriege an zu vielen Stellen in Selbstmitleid und in zynischem Weltfrust. Die eigene Kernaussage, dass der Krieg gegen den Terror zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird, die immer neue Terroristen und Terrorverdächtige gebiert und persönliche Freiheit gegen Überwachung eintauscht, bleibt letztlich zu simpel.

Schmutzige Kriege - Dirty Wars

Bei der Oscarverleihung ist „Schmutzige Kriege“ leer ausgegangen. Zu Recht. Richard Rowleys Dokumentarfilm zeigt ungewollt, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht nur im Krieg weit auseinanderklaffen.
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