Schlachthof #5

Schlachthof #5

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Traumatisch

Wie gibt man zu einem so verworrenen Film wie Schlachthof #5 / Slaughterhouse-Five eine Inhaltsangabe, ohne zu viel zu verraten? Schlachthof #5 ist sozusagen der große Bruder von 12 Monkeys und dem zu unrecht untergegangenen The Jacket. Der Protagonist reist durch Zeit und Raum, erlebt dabei Abenteuer und das gewöhnliche Leben. Und er kann nichts dagegen tun, er ist hilflos gefangen in diversen Timetravels. Das alles ist für den durchschnittlichen Mainstreamgucker kaum nachvollziehbar (deshalb auch der Flop seinerzeit an der Kinokasse). Doch lässt man sich auf diesen filmgewordenen Trip ein, verfolgt man gebannt das Schicksal Billy Pilgrims, der Hauptperson von Schlachthof #5.
Wie der Roman von Kurt Vonnegut jr., auf dem der Film basiert, ist Schlachthof #5 nicht linear aufgebaut, sondern springt in der Zeit vor und zurück, ganz wie es ihm gefällt. Scheinbar willkürlich erleben wir, wie Billy Pilgrim mit kindlichem Gemüt durch den Zweiten Weltkrieg driftet und in die Kriegsgefangenschaft der Deutschen gerät. Hier findet er Feinde und Freunde, muss sich gegen die Nazis behaupten und überlebt knapp den Feuersturm über Dresden. In der nächsten Zeitebene lebt Pilgrim als angesehener Mann in der Zeit des 60er Jahre Wirtschaftswunders, hat Frau und Kinder. Doch er scheint unglücklich, gleicht sein Dasein doch eher dem eines Versandhauskatalogs, als dem wirklichen Leben. Und dann ist da noch Billy Pilgrims Leben auf dem Planeten Trafalmador. Hier findet er sich mit einem Erotiksternchen aus Zeitschriften wider und soll sich unter den Augen unsichtbarer Außerirdischer fortpflanzen.

Zugegeben, dass klingt mehr als schräg und Pilgrim bekommt nicht zu unrecht in der Psychiatrie Elektroschocks verabreicht. Aus heutiger Sicht mag der Film reichlich irritierend wirken, zeitweise unfreiwillig komisch. Was natürlich mit den nicht wirklich üppigen Produktionswerten zu tun hat. Der Rezensent nennt jetzt keine Details, die nur vom Gesamtwerk ablenken. Nur hätte zeitweise das Grauen des Krieges etwas, nunja drastischer gezeigt werden dürfen. Gerne ist Schlachthof #5 als Parabel auf die Traumata zu lesen, die man als Soldat aus dem Krieg mit in die Heimat bringt. Grotesk, voller abstruser Situationskomik und dennoch überraschend leichtfüßig, inszeniert Regiealtmeister George Roy Hill (Butch Cassidy und Sundance Kid) diese Romanverfilmung.

Koch Media hat wieder einmal eine schöne DVD abgeliefert, die in prächtigem Schuber und mit toller Bild- und Tonqualität überzeugt. Leider gibt es keine nennenswerten Extras, außer einem Booklet mit einigen interessanten Notes. Filmkenner sollten dennoch zugreifen.

Schlachthof #5

Wie gibt man zu einem so verworrenen Film wie Schlachthof #5 eine Inhaltsangabe, ohne zu viel zu verraten?
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