Schildkrötenwut

Schildkrötenwut

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Mein getriebener Vater

Als Pary El-Qalqili zwölf Jahre alt war, ging ihr Vater nach Palästina zurück. Er träumte davon, seiner Familie dort ein Haus zu bauen und für die Freiheit Palästinas zu kämpfen, aber diese Wünsche wurden niemals wahr. Stattdessen wurde er ausgewiesen und kehrte nach Deutschland zurück. Seither sitzt er schweigend im Keller des Hauses der Familie. Doch seine Tochter hat Fragen an ihren Vater, die sie ihm im Verlauf des sehr persönlichen Dokumentarfilms Schildkrötenwut stellt. Auf diese Weise will sie ihm näherkommen – und stellt zugleich in ihrem Filme Begriffe wie Heimat und Verrat in Frage.
Schon ihre Kindheit war von seiner Abwesenheit geprägt. Er verschwand monatelang, um sich in Syrien auf den Kampf für sein Land ausbilden zu lassen. Er saß in Jordanien im Gefängnis und zog sich nach seiner Rückkehr immer mehr in seinen Schildkrötenpanzer – wie sie es nennt – zurück. Nur selten wagt er sich aus dieser persönlichen Schutzzone heraus, aber auf ihrer gemeinsamen Reise zu seinen Geschwistern in der Negev-Wüste, in Gaza, in Jordanien und in der Westbank nähern sich Vater und Tochter langsam an, indem er ihr Antworten gibt. Dabei wird vor allem deutlich, dass der Vater sein Leben lang auf der Suche nach einer Heimat war. Geboren in einer Beduinenfamilie verbrachte er Jahre auf der Flucht, angetrieben von dem Wunsch, einst nach Palästina zurückzukehren. Deutschland ist für ihn lediglich die einzige Möglichkeit, die er hat – aber es ist ein Land der Verräter, da es Israel unterstützt. Sie kaufen die Patronen, mit denen seine Landsleute erschossen werden. Dabei verdeutlicht die Montage der Bilder die Rast- und Heimatlosigkeit des Vaters, aber auch die schwierige Annäherung von Vater und Tochter. Die Stationen ihrer Reise und ihre Gespräche mit den Geschwistern ihres Vaters werden mit der statischen Aufnahme eines Gesprächs von Pary El-Qalqili und ihrem Vater sowie Bildern ihres Hauses in Berlin zusammengesetzt, so dass im Gesamtbild eindrucksvoll deutlich wird, dass ihr Vater und ihre Beziehung zu ihm aus vielen "Spiegelsplittern" – so nennt Pary El-Qalqili es am Ende des Films – besteht.

In der Welt ihres Vaters gibt es nur schwarz und weiß, Treue und Verrat, Freund und Feind. Aber Pary El-Qalqilis Leben ist weitaus komplexer – sie fühlte sich in Deutschland fremd, wusste aber nicht, aus welchen Gründen. Ihr Vater hat sie zurückgelassen, daraufhin zog sich ihre Mutter in sich zurück und sie blieb allein unter ihren blonden Geschwistern. Das Verhalten ihres Vaters, seine belastenden Erfahrungen, haben sich auf die gesamte Familie ausgewirkt – und tun es bis heute. Daher ist Schildkrötenwut nicht nur ein Film über die Auswirkungen des Konflikts zwischen den Israelis und Palästinensern in einem persönlichen Schicksal, sondern auch über die Beziehung von Eltern zu ihren Kindern. Oftmals spüren Kinder, dass sie eine Last tragen, die sie nicht kennen. Was ihnen helfen kann, sind die Antworten ihrer Eltern.

Schildkrötenwut

Als Pary El-Qalqili zwölf Jahre alt war, ging ihr Vater nach Palästina zurück. Er träumte davon, seiner Familie dort ein Haus zu bauen und für die Freiheit Palästinas zu kämpfen, aber diese Wünsche wurden niemals wahr. Stattdessen wurde er ausgewiesen und kehrte nach Deutschland zurück. Seither sitzt er schweigend im Keller des Hauses der Familie.
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Meinungen
briandb82 · 07.05.2012

Hallo,

habe den Film am Wochenende geschaut. Der Film erzählt die Geschichte der Regisseurin Pary El-Qalqili, die bei ihrem schweigsamen Vater nach Antworten auf ihre Fragen nach der Familiengeschichte sucht. Als Pary zwölf Jahre alt ist, verlässt ihr Vater seine in Berlin lebende Familie, um für die Freiheit Palästinas zu kämpfen. Nach einiger Zeit wird er jedoch von den Israelis ausgewiesen und kehrt zurück nach Deutschland zu Frau und Kind. Von nun an zieht er sich in sich selbst zurück wie die Schildkröte in ihren Panzer und hüllt sich in Schweigen über das Erlebte. Den Trailer koennt Ihr Euch auf Trailerlounge.de anschauen! Der Film ist sehr emppfehlenswert!

Kommentare

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