Saint Amour - Drei gute Jahrgänge

Saint Amour - Drei gute Jahrgänge

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Vergiss die Krise, such die Liebe!

Bruno (Benoît Poelvoorde) hat keine Lust mehr, Bauer zu sein. Immer nur arbeiten, ohne etwas davon zu haben: keine rosige Zukunft, keine Freizeit wie die feinen Städter und noch nicht einmal eine Frau. Denn dieser Beruf erhöht nicht gerade die Chancen eines Heiratskandidaten. Und dann sitzt Bruno auch noch sein Vater Jean (Gérard Depardieu) im Nacken: Der alte Mann ist Bauer aus Leidenschaft und kann sich für den Sohn keine andere Zukunft vorstellen. Während Jean auf der Landwirtschaftsmesse in Paris mit seinem Zuchtbullen den ersten Preis gewinnen will, spricht Bruno lieber dem Alkohol zu. Da ist der nächste Absturz schon vorprogrammiert, denn Bruno hat vergessen, wie das geht, zu feiern, zu flirten, gelassen und entspannt zu sein. Als er seinem Vater auch noch weinend um den Hals fällt, beschließt dieser kurzerhand, mit dem Sohn die Halle zu verlassen und ihn auf eine kleine Degustationsreise in die verschiedenen Weinbauregionen zu begleiten.
In den Filmen des Regieduos Benoît Delépine und Gustave Kervern (Mammuth, Der Tag wird kommen) begegnen sich häufig Krisen aller Art, globale, individuelle. Und dann müssen die vom Schicksal und auch von sich selbst gebeutelten Helden ihre Lebensfreude, ihr Savoir-vivre wiederfinden. Die Filmemacher haben ein Faible für Außenseiter, Widerspenstige und Verlierer, die die Welt nicht mehr begreifen und dabei auch ein wenig als Stellvertreter für die Allgemeinheit fungieren. In Mammuth fährt ein von Gérard Depardieu gespielter Mann am Beginn des dritten Lebensabschnitts durch die Lande, um seine Arbeitsbescheinigungen für die Rente einzusammeln. Dabei wird er um einige Illusionen erleichtert. Und in Der Tag wird kommen darf Benoît Poelvoorde als obdachloser Alt-Punker mit den Sympathien des Publikums rechnen, wenn er zur Revolte gegen die öde und schläfrige Welt der Einkaufszentren bläst. Der satirisch-anarchische Tonfall dieser Komödien drückt ein Unbehagen an der modernen Gesellschaft aus, an ihrem anonymen Gesicht und ihrem Anpassungsdruck.

Auch in Saint Amour – Drei gute Jahrgänge ist von der Krise die Rede, von Existenz- und Zukunftsangst. Aber hier geht es noch deutlicher darum, ihren schädlichen Einfluss auf die Libido und das allgemeine Lebensgefühl aufzuzeigen und zu bekämpfen. Die Genussreise von Vater Jean und Sohn Bruno folgt einem versöhnlichen Kurs. Und sie zeigt Gérard Depardieu in einer sehr friedlichen Rolle als gutmütigen Witwer, der sich bemüht, einen Draht zu seinem entfremdeten Sohn aufzubauen. Es macht Spaß, Depardieu und Poelvoorde Seite an Seite spielen zu sehen. Nicht nur Bruno, auch Jean streckt unterwegs seine Fühler allmählich wieder nach dem anderen Geschlecht aus. Begleitet werden sie von ihrem jungen Taxifahrer Mike (Vincent Lacoste), der hinter seinen coolen Fassade auch einen Komplex verbirgt.

Die Reise bietet einen bunten Haufen merkwürdiger und mehr oder weniger skurriler Begegnungen. Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq hat einen augenzwinkernden Gastauftritt als verschrobener Zimmervermieter. Aber es gibt zu viele Szenen mit verschiedenen Frauenbekanntschaften, die eher unmotiviert wie kleine Sketche abgehandelt werden, bevor die Handlung dann noch einen Abstecher ins Surreale macht. Da reitet dann eine rothaarige Liebesgöttin, die sich auch Vénus (Céline Sallette) nennt und die Männer zu verwöhnen weiß, barfüßig auf einem schwarzen Ross durch Paris.

Die Geschichte plätschert über weite Strecken mit verhaltenem Humor dahin, der den richtigen Biss vermissen lässt. Der Dialogwitz trägt manchmal dick und plump auf, entschärft sich aber oft gleich wieder durch possenhafte Betulichkeit oder versickert im Ungefähren. Als Ode an die Lebensfreude, als Würdigung der geplagten Bauernschaft wirkt die Dramaturgie von Saint Amour – Drei gute Jahrgänge – übrigens verwendet der Titel den Namen eines Weinbaugebiets – eher wie eine Versuchsskizze als schlüssig durchdacht.

Saint Amour - Drei gute Jahrgänge

Bruno (Benoît Poelvoorde) hat keine Lust mehr, Bauer zu sein. Immer nur arbeiten, ohne etwas davon zu haben: keine rosige Zukunft, keine Freizeit wie die feinen Städter und noch nicht einmal eine Frau. Denn dieser Beruf erhöht nicht gerade die Chancen eines Heiratskandidaten. Und dann sitzt Bruno auch noch sein Vater Jean (Gérard Depardieu) im Nacken: Der alte Mann ist Bauer aus Leidenschaft und kann sich für den Sohn keine andere Zukunft vorstellen.
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