Sadako 3D (2012)

Sadako 3D (2012)

Eine Filmkritik von Martin Beck

Von der Videokassette ins Internet

Sadako 3D hat alleine durch seinen Titel einen steilen Weg vor sich: Der Film ist der fünfte Eintrag in die überaus erfolgreiche Ring-Reihe, die besonders mit den ersten beiden Teilen das Horrorgenre der Jahre danach stark beeinflusst hat. Überall tauchten auf einmal lange schwarze Haare und bleiche Gesichter auf, bis dann irgendwann die Welle einfach totgeritten war. Und selbst Sadako, die Patin aller Brunnenkinder, wie ein diffuses Relikt aus dem VHS-Zeitalter erschien.

Was also will uns Sadako 3D nach 12 Jahren Pause noch erzählen, außer einem schiefen Kampf zwischen einem aufgewärmten „brand name“ und dem Lockruf dreidimensionaler „jump scares“? Der Film verabschiedet sich weitgehend von den Tugenden des Originals und setzt stattdessen auf jugendliche Protagonisten, jede Menge flackernde Bildschirme und natürlich viele 3D-Schocks. Ein Ring-Film für Teens. Was eigentlich kein Problem darstellt, wenn da nicht der unvermeidliche Vergleich mit der deutlich überlegenen Vergangenheit wäre.

Statt einer Reporterin forscht nun eine Lehrerin (Satomi Ishihara), statt einem VHS-Band lockt ein Internetvideo. Die Webseite eines irren Künstlers zeigt jenes Selbstmord fördernde Werk, das Sadako wiedererwecken soll und folglich für jede Menge aus Bildschirmen herausschießende Hände sorgt. Wo bei Ring noch das Ausschalten des Fernsehers genügte, bedroht nun die total vernetzte Welt. Irgendetwas flackert ja schließlich immer, und, noch schlimmer, die Kids schauen auch immer hin. Selbst wenn jedem klar ist, dass das Video zum vorzeitigen Ableben führen kann.

Es gibt in Sadako 3D ein paar reizvolle Ansätze für einen elektronischen Reboot der eigentlich analogen Antagonistin, doch wirklich weit wagt sich Regisseur Tsutomu Hanabusa damit leider nicht. Im Vordergrund stehen hier wesentlich unnoblere Ansinnen, die mit einer Neuausrichtung vorwiegend CGI-Effekte, eine unangehm junge Besetzung und omnipräsente Blaufilter meinen. Was von der Ring-Serie bleibt, ist einzig Sadako und die inhaltliche Grundlage von Koji Suzuki, der hier allerdings genauso seinen einstigen Großtaten hinterherhechelt wie es selbst Hideo Nakata nicht besser hinbekommt. Auch der Erfolg von Ring kann ein Fluch sein.

Vielleicht ist es das beste, Sadako 3D als eigenständigen Film aufzufassen, dann entfällt auch der deprimierende Blick zurück. Nur für sich genommen gibt es hier nämlich durchaus unterhaltsamen J-Horror, der jenseits der holprigen Handlung und jugendlichen Nullnasen einige spitze Schreie verursacht und in der zweiten Hälfte auch immer wieder schräge CGI-Einfälle auffährt. Wenn am Ende viele, viele Computer-Sadakos mit langen Spinnenbeinen eine verlassene Fabrik bevölkern, kann man natürlich den Ausverkauf des eigenen Genres beweinen, doch verwundert hinsehen tut man trotzdem.

Die Ring-Reihe ist mit diesem Film so weit durch, dass nun nur noch eine kolossale Neuorientierung (Ring – Das Musical?) oder ein drastisches „back to the roots“-Reboot helfen kann. Bis dahin begnügt sich Sadako 3D mit Gimmick-haftem Teeniegrusel, der zwar einigermaßen unterhalten kann, aber dabei immerzu den schalen Mantel eines oberflächlichen „cash in“ trägt. Kein Film, der vorwiegend über 3D argumentiert ist wirklich spannend, weil der Anspruch der Macher einfach viel zu tief hängt. Dass hier überhaupt ein Kinostart rausspringt, darf als befremdlich bewertet werden. Na 3D eben – schon wieder.
 

Sadako 3D (2012)

„Sadako 3D“ hat alleine durch seinen Titel einen steilen Weg vor sich: Der Film ist der fünfte Eintrag in die überaus erfolgreiche „Ring“-Reihe, die besonders mit den ersten beiden Teilen das Horrorgenre der Jahre danach stark beeinflusst hat. Überall tauchten auf einmal lange schwarze Haare und bleiche Gesichter auf, bis dann irgendwann die Welle einfach totgeritten war. Und selbst Sadako, die Patin aller Brunnenkinder, wie ein diffuses Relikt aus dem VHS-Zeitalter erschien.

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