Rush - Alles für den Sieg

Rush - Alles für den Sieg

Eine Filmkritik von Patrick Thülig

Rivalen der Rennstrecke

Die Formel-1-Weltmeisterschaft gilt als Königsklasse des Automobilsports und sorgt seit langem schon rund um den Globus für Begeisterung. Was aber bislang fehlte, war ein richtig guter und fesselnder Spielfilm über die Faszination der schnellen Autos und ihrer tollkühnen Piloten. Ron Howards Rush sorgt nun dafür, dass auch diese Lücke geschlossen wird. Das Ergebnis ist ein Film, der durchaus das Zeug dazu hat, nicht nur Formel-1-Fans in seinen Bann zu ziehen.
Bei Rush - Alles für den Sieg stehen zwei absolute Idole, die Mitte der 1970er Jahre das Geschehen in der Formel 1 beherrschten, im Mittelpunkt der Geschichte: Niki Lauda (Daniel Brühl), der introvertierte und überaus ehrgeizige Österreicher und James Hunt (Chris Hemsworth), der lebenslustige und draufgängerische Brite. Beide waren schon in der Formel 3 Konkurrenten und das ändert sich auch ein paar Jahre später nicht, als die beiden die Formel 1 erobern. 1975 gewinnt Lauda in seinem Ferrari die Weltmeisterschaft vor James Hunt, der ihn danach unbedingt besiegen will. 1976 kommt es im Kampf um die Weltmeister-Krone zur Katastrophe: Auf dem verregneten Nürburgring verunglückt Lauda während des Großes Preis von Deutschland schwer, er rast im Streckenabschnitt "Bergwerk" in die Leitplanken, sein Ferrari 312 T geht sofort in Flammen auf. 40 Sekunden lang ist der Österreicher bewusstlos in seinem brennenden Auto gefangen, bevor er geborgen wird. Er überlebt mit schwersten Verbrennungen und muss vom Krankenbett aus hilflos zusehen, wie Hunt insgesamt vier Rennen gewinnt und in der Fahrerwertung nahezu aufschließt. Doch sein Siegeswille wird dadurch nur noch weiter gesteigert.

Bei Rush sind es vor allem die beiden Hauptdarsteller, die im Fokus der Geschichte stehen und denen hier schon sprachlich einiges abverlangt wird: Daniel Brühl, der hier Englisch mit wienerischer Färbung spricht, und der Australier Chris Hemsworth, der sich einen britischen Akzent antrainiert hat, sind beide bestens aufgelegt und tragen den Film mit Bravour und Können. Wobei Hemsworth seine Rolle als gut aussehender Draufgänger leichter gefallen sein dürfte als Brühl die Figur des ungleich ambivalenteren und ehrgeizigen Lauda. Dennoch sind sowohl der Sunnyboy wie auch sein Kontrahent nicht nur im Cockpit ihres Rennwagens, sondern auch abseits der Strecke einander absolut ebenbürtig und (im Rahmen ihres unterschiedlichen Charakters) sympathisch. Brühl hat mit dieser Rolle nicht nur seinen bisherigen Karrierehöhepunkt erreicht, wenn er Glück hat, könnte er sogar im Oscar-Rennen um die beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle einiges mitzureden haben.

Von der ganz speziellen Chemie zwischen Lauda und Hunt, die sich immer als Rivalen verstanden, sich aber gerade dadurch gegenseitig motiviert haben weiterzumachen, hängt der ganze Film – und er scheitert nicht an dieser enormen Hürde. Weil dem so ist, kann man es gut verkraften, dass die beiden Frauen (dargestellt von Olivia Wilde und Alexandra Maria Lara) an der Seite der Rivalen der Rennstrecke eher unter ihren Möglichkeiten bleiben.

Das Drehbuch hat Peter Morgan (Frost/Nixon, Last King of Scotland) geschrieben, der in Wien lebt und durch ein Treffen mit Niki Lauda auf die Idee kam, über ihn und seine Geschichte einen Film zu machen. Dabei fokussiert er sich nicht auf die sportlichen Aspekte, sondern bleibt immer nah dran an den beiden Protagonisten. Manchmal wird der Film sehr pathetisch und vielleicht ein wenig zu eindimensional, alles in allem aber hat Morgan mit dieser Konzentration auf die eher privaten und psychologischen Aspekte die richtige Entscheidung getroffen.

Auch die Aufgabe von Regisseur Ron Howard war nicht gerade einfach: Er musste den in den Siebzigerjahren angesiedelten Film zugleich authentisch und modern aussehen lassen. Die Rasanz und die angespannte Atmosphäre hat er mit schnellen Schnitten, Point-Of-View-Shots und Nahaufnahmen der Rennfahrer sehr gut umgesetzt. Die Rennen sind spektakulär mitanzusehen, aber vor allem auch mitanzuhören. Der Film erschafft eine Klangkulisse, die sich hören lassen kann. Man fühlt sich stets mittendrin im Geschehen und das macht die Rennen zu keiner Sekunde langweilig. Und schließlich ist da noch der Soundtrack von Hans Zimmer, der stellenweise das bereits erwähnte pathetische Gefühl des Films zu sehr forciert, den Film aber ansonsten grandios trägt.

Eines darf man bei allen diesen Merkmalen des Films nicht vergessen: Bei Rush – Alles für den Sieg handelt es sich um großes Hollywood-Kino und dementsprechend prominent sind die Stilmittel des Mainstream-Kinos hier auch vertreten. Ebenso sollte man nicht erwarten, dass die Story überraschende Wendungen oder eine Dramaturgie abseits erprobter Pfade bereit hält.

Dennoch hat die Formal 1 nun endlich einen Film, der ihr gerecht wird – und vermutlich werden nicht nur Fans des Autorennsports viel Spaß daran haben.

Rush - Alles für den Sieg

Die Formel-1-Weltmeisterschaft gilt als Königsklasse des Automobilsports und sorgt seit langem schon rund um den Globus für Begeisterung. Was aber bislang fehlte, war ein richtig guter und fesselnder Spielfilm über die Faszination der schnellen Autos und ihrer tollkühnen Piloten. Ron Howards "Rush" sorgt nun dafür, dass auch diese Lücke geschlossen wird. Das Ergebnis ist ein Film, der durchaus das Zeug dazu hat, nicht nur Formel-1-Fans in seinen Bann zu ziehen.
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