Roseland – Der Tanzpalast

Roseland – Der Tanzpalast

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Walzer, Hustle & Peabody

Der berühmte New Yorker Ballsaal Roseland der 1970er Jahre bildet das Szenario dieser bitter-süßen Romanze von Regisseur James Ivory und Autorin Ruth Prawer Jhabvala, die das Drehbuch nach ihrem eigenen Roman verfasste. Roseland – Der Tanzpalast steht in der Tradition der langjährigen Zusammenarbeit dieses Teams, zu dem auch der indisch-britische Produzent Ismail Merchant – der einstige Lebensgefährte von James Ivory – zählte und das durch Filme wie Zimmer mit Aussicht / A Room with a View und Wiedersehen in Howards End / Howards End immense internationale Erfolge errang.
Es ist eine glamouröse Welt der Erinnerungen, Träume, Illusionen und vor allem des Tanzes, die zweimal wöchentlich den Ballsaal Roseland erstrahlen lässt, wenn die ältere Generation sich dort zusammenfindet, um in diesem Ambiente jenseits des tristen Alltags ihre Passion für Musik und Rhythmus zu zelebrieren. Hier treffen sich die versponnene May (Teresa Wright) und der nüchterne Stan (Lou Jacobi) zum Walzer, die kränkelnde, wohlhabende Pauline (Joan Copeland) mit ihrem jungen Gigolo Russel (Christopher Walken) zum Hustle und die ehrgeizige Rosa (Lilia Skala) mit ihrem ungeschickten Arthur (David Thomas) zum Peabody. In diesem Mikrokosmos der Sehnsüchte, Schwärmereien und Selbstinszenierungen scheinen sich die Sorgen und Spuren von Alter und Einsamkeit für die bezaubernde Weile der Tanzveranstaltung zurückzuziehen. Doch auch hier ereignen sich menschliche Dramen und Enttäuschungen, wie auch die junge, gerade von ihrem Mann verlassene Marilyn (Geraldine Chaplin) erfahren muss, als sie sich zunächst zögerlich auf den selbstverliebten Russel einlässt …

In drei Episoden nach den jeweiligen Tanzstilen geordnet, die dabei im Fokus stehen, begibt sich Roseland – Der Tanzpalast auf das Parkett der Nostalgie, um seine im Grunde zutiefst tristen Geschichten um Tanz und kleine Tragödien zu präsentieren. Die Dramaturgie des Films, der 1977 beim New York Film Festival uraufgeführt wurde, wirkt allerdings recht ungeschickt konstruiert, ebenso wie die Dialoge, die allzu häufig in kitschig und gezwungen anmutende Stereotype abgleiten. Berührend gestalten sich hingegen die Tanzszenen der betagten Darsteller, die wunderschöne Impressionen und Choreographien bieten, deren Charme dem Film dennoch eine sehenswerte Qualität beschert.

Als Bonus auf der DVD finden sich zwei Filme, die sich letztlich gar ansprechender als Roseland – Der Tanzpalast ausnehmen: Zum einen die Dokumentation Adventures of a Brown Man in Search of Civilization / Die Abenteuer eines braunen Mannes auf der Suche nach der Zivilisation von James Ivory über den Autoren und Kulturkritiker Nirad C. Chaudhuri von 1972 und zum anderen der Kurzfilm The Creation of Woman / Die Erschaffung der Frau von Charles F. Schwep aus dem Jahre 1960, der seinerzeit für einen Oscar sowie bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes in der Kategorie Kurzfilm für die Goldene Palme nominiert war und den ersten von rund fünfundvierzig Filmen darstellt, die Ismail Merchant zeit seines Lebens produziert hat.

Roseland – Der Tanzpalast

Der berühmte New Yorker Ballsaal Roseland der 1970er Jahre bildet das Szenario dieser bitter-süßen Romanze von Regisseur James Ivory und Autorin Ruth Prawer Jhabvala, die das Drehbuch nach ihrem eigenen Roman verfasste.
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