Robert Tarantino

Robert Tarantino

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Ein Filmemacher aus Leidenschaft

Robert Tarantino ist Filmemacher aus Leidenschaft. Er dreht Filme wie „Vampire City“ oder „Blood City Massacre“ mit dem vollen Verve seines Könnens. Er ist ein wahrer Independent – Förderanträge stellt er nicht, die Kopier- und Portokosten wären höher als das Budget seiner Filme. 30, 40 Euro kosten die Tapes, mehr braucht er nicht. Seine Darsteller machen aus Spaß mit, Ausstattung wird selbst gestellt, Handlung ist eh wurscht. Robert Tarantinos Leben sind seine Filme; ohne seine Filme lebt er nicht.
Rodriguez und Quentin standen Pate für sein Pseudonym – dabei wäre sein echter Name auch durchaus passend für den Underground, in dem er sich bewegt: Wolfgang Hell. Ein kleines Bürschchen mit Pickeln, spitzer Nase, dicker Brille, scheuem Blick, schüchternem Lächeln – erst auf der Bühne oder mit der Kamera in der Hand kann er seine Introvertiertheit überwinden, dann blüht er richtig auf. Film ist für ihn auch Therapie, meint Houchang Allahyari, Regisseur dieses Dokumentarfilms über eines der Originalgenies Wiens. Er begleitet Tarantino in seinem Leben und – im zweiten Teil des Films – bei den Dreharbeiten zu Blood City Massacre, die das absolute No-Budget-Prinzip mehr als verdeutlichen. Wenn ein Darsteller abspringt, muss ein anderer halt eine Doppelrolle übernehmen. Der Killer – stilecht á la Ed Wood von einem Wrestler gespielt – soll bitte nicht zustechen, sondern würgen, denn das Kunstblut aus den Kleidern zu waschen ist so mühsam… Und wenn die Hauptdarstellerin am Ende den Hauptdarsteller nicht küssen will, dann eben nicht…

Dies nun ist ein Glücksfall für einen Dokumentarfilmer: Wenn sich sein Protagonist soweit öffnet, dass er – ohne jeden Anflug, ihn bloßzustellen – in seine intimsten Gedanken blicken darf. Denn Robert Tarantino ist verknallt in Marie-Therese Lind. Sie ist der Star seiner Filme, er engagiert sie immer wieder gerne. Und himmelt sie durch die Kamera an. Während sie wiederum sich in einen der anderen Darsteller verliebt – eine tatsächlich fast tragische Komponente… Und ein weiterer Einblick in Leben und Sein von Wolfgang, der nur in der Kunst seine Erfüllung findet, in seinen Filmen und in den Liedern, die er als Wolf Morrison schreibt und vorträgt. Das Komische daran ist eben, dass er Schund macht. Und das Beste daran: Er weiß es.

Denn Robert Tarantino ist vor allem eines: Ein Komiker. Einer, der von sich aus nie ein Publikum finden würde. Der dafür seine Filme braucht, seine Konzerte, in denen er auch Sketche aufführt, irgendwelchen Blödsinn um Schwarzeneggers Hirn – völliger Quatsch, das macht es so toll. Seine Erscheinung passt überhaupt nicht zu dem, was in seinem Kopf vor sich geht, eine Diskrepanz, die seinen Charme ausmacht – unerwartet trifft einen der Nonsens, der trockene Humor.

Und das natürlich auch in seinen Filmen, in denen nichts gelingt, und das perfekt. Die die Charmelosigkeit von Homevideos ausstrahlen, und das ganz selbstbewusst. Die er immer wieder für kleine und große Gags benutzt, die tatsächlich von einem großen Sinn für das Abgedrehte zeugen. Und die zeigen, wie er nur in seinen Filmen er selbst sein kann. Hier hab ich mein Team, sagt er, mit denen bin ich ein paar Wochen täglich zusammen. Das ist mir lieber als meine Familie, mit denen hab ich mich eh nie verstanden.

Um sich auf diese Weise einem solchen Charakter zu nähern, muss man wohl wie Allahyari Psychologie studiert haben – und diese dann über Bord werfen können, um sich mit der Kamera, nicht mit dem analytischen Blick dem Thema zu widmen. Robert Tarantino wird nicht auf die Couch gelegt, nicht seziert – er wird gezeigt, und ihm wird seine Würde gelassen. Eine Würde, die er in seine Filme legt.

Filme übrigens, die er, um dem Fass den Boden auszuschlagen, auf englisch dreht. Um ein größeres Zielpublikum als das kleine, spießige Österreich zu erreichen.

Robert Tarantino

Robert Tarantino ist Filmemacher aus Leidenschaft. Er dreht Filme wie „Vampire City“ oder „Blood City Massacre“ mit dem vollen Verve seines Könnens. Er ist ein wahrer Independent – Förderanträge stellt er nicht, die Kopier- und Portokosten wären höher als das Budget seiner Filme. 30, 40 Euro kosten die Tapes, mehr braucht er nicht.
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