Robert Altman’s Last Radio Show

Robert Altman’s Last Radio Show

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Bye bye, Bobby!

Gibt es etwas Schwierigeres zu schreiben als einen Nachruf? Umso schöner, wenn es dabei nicht nur um den Rückblick auf ein erfülltes Leben eines großen Filmemachers geht, sondern auch um dessen letzten Film. Robert Altmans neuer und zugleich letzter Film – der Regisseur verstarb am 20. November letzten Jahres — ist in vielerlei Hinsicht ein typischer Altman, denn wieder einmal widmete sich Altman Geschichten mitten aus Amerika, bei denen ein großartiges Ensemble gleich in mehrfacher Hinsicht eine grandiose Abschiedsvorstellung auf die Leinwand zaubert.
Seit 1974 sendet die Radiosendung "A Prairie Home Companion" aus St.Paul in Minnesota einmal pro Woche ihr Programm und wird von mehr als 550 US-Radiostationen übernommen, so dass Woche für Woche mehrere Millionen US-Amerikaner die Mischung aus Country, Folk, Gospel, Jazz und Oper, Sketchen, skurrilen Werbespots für erfundene Sponsoren und Unternehmen hören können. Vor allem für Amerikaner im Ausland wie etwa US-Soldaten in allen Teilen der Welt ist die Show aus dem Herzen des Mittleren Westens deshalb ein Stück Heimat, so übertragen unter anderem America One und American Forces Network die Sendung. In Altmans Film – und nur dort, denn in Wirklichkeit sendet "A Prairie Home Companion" nach wie vor – steht die Radio-Legende kurz vor dem endgültigen Aus: Der Abwickler Axeman (Tommy Lee Jones) aus Texas steht bereits vor der Tür, um aus dem grandiosen Fitzgerald Theater, in dem die Show stattfindet, ein Parkhaus zu machen. Doch die Mannschaft von „A Prairie Home Companion“ ist keinesfalls gewillt, sich unterkriegen zu lassen, am Abend der letzten Show wollen die Mannen um GK (gespielt vom tatsächlichen Boss der Sendung Garrison Keillor) noch einmal so richtig Gas geben, es soll ein Abschied mit Pauken und Trompeten werden. So treten also noch einmal all die treuen Wegbegleiter der letzten Jahre auf: die unzertrennlichen Johnson Sisters (Meryl Streep und Lily Tomlin) mit ihrer Tochter (Lindsay Lohan), die Old Trailerhands Dusty (Woody Harrelson) und Lefty (John C. Reilly) mit knackigem Country-Sound und derben Witzen und all die anderen Stars und Sternchen. Natürlich nimmt der Abend der letzten Show einen etwas anderen Verlauf als erwartet, denn die eine der Johnson Sisters hat noch eine offene Rechnung mit einem Ex-Lover zu begleichen. Und dann ist da noch ein äußerst attraktiver Todesengel (Virginia Madsen), der ebenfalls Verwirrung stiftet. Es beginnt ein turbulenter Abend voller Wehmut und zotiger Späße, Gehässigkeiten und Liebeserklärungen, Nostalgie und Ägnsten vor einer ungewissen Zukunft – wie das Leben eben so spielt im Herzen Amerikas.

Robert Altman’s Last Radio Show / A Prairie Home Companion ist das großartige Vermächtnis des auf seine Weise uramerikanischen Geschichtenerzählers, der es wie kaum ein zweiter verstand, Geschichten, Schicksale und Personen miteinander zu verknüpfen und daraus lebendige, liebenswerte, brutale, zärtliche und unglaublich wahre Abbilder des Lebens zu komponieren. Robert Altman war ein begnadeter Menschenpuzzler, dessen Filme auch noch in fünfzig Jahren Gültigkeit haben werden. Und dieser Film, sein letzter, ist der würdige Abschluss des filmischen Werkes von Robert Altman: charmant, genau beobachtet, witzig, wehmütig, hoffnungsvoll und voller Musik – just like in heaven.

Robert Altman’s Last Radio Show

Gibt es etwas Schwierigeres zu schreiben als einen Nachruf? Umso schöner, wenn es dabei nicht nur um den Rückblick auf ein erfülltes Leben eines großen Filmemachers geht, sondern auch um dessen letzten Film.
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