Roar... Die Löwen sind los

Roar... Die Löwen sind los

Eine Filmkritik von Martin Beck

Der Löwe brüllt heut Nacht

Was wäre, wenn bei Life of Pi ein echter Tiger in dem Boot sitzen würde? Roar hat für diese Frage nicht nur ein nervöses Lächeln übrig, sondern setzt auch noch über 130 Löwen, Tiger, Leoparden, Pumas und Jaguare drauf. In dem Film sind ausschließlich echte, wilde Tiere zu sehen, die zwar teilweise „entschärft“ wurden, doch trotzdem noch mächtig Appetit auf frische Menschenbeine hatten. Vor der Kamera ist nette Familienunterhaltung zu sehen… und hinter der Kamera gab es anscheinend wiederholt haarsträubende Unfälle.
Roar ist einer der ungewöhnlicheren amerikanischen Filme der letzten Jahrzehnte: Entstanden außerhalb der Studios, mit einer 11 Jahre umfassenden Entstehungsgeschichte (die vor allem für die Annäherung zwischen Tier und Mensch draufging) und finanziert durch Der Exorzist, bei dem Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor Noel Marshall als Produzent anwesend war. Seine damalige Frau, Tippi Hedren, hatte nach Die Vögel anscheinend immer noch Lust auf wilde Tiere und übernahm die zweite Hauptrolle. Als Kameramann war Jan De Bont anwesend, der hier sein US-Debüt absolvierte und zum Einstand mit 200 Stichen (!?) genäht werden musste.

Man möchte Noel Marshall gleichzeitig beglückwünschen und ohrfeigen, was für unfassbare Risiken er sich und seinem Team aufgebürdet hat. Wilde Tiere werden normalerweise ja mit CGI, Splitscreens, Ganzkörperkostümen oder mechanischen Nachbildungen dargestellt, aber hier gibt es keinerlei Sicherheitsnetz für die Darsteller – oder zumindest schnelle Schnitte. Roar zeigt lange Einstellungen, fast immer sind die Bilder von Menschen und Tieren bevölkert. Das an sich ist auf jeden Fall sehenswert, doch als Ganzes kann der Film nicht wirklich überzeugen. Das Geschehen bekommt keine richtige Dynamik, die Dramatik wirkt forciert und die Familienschlagseite ragt ungemütlich weit auf Disney-Terrain.

Noel Marshall war offensichtlich so begeistert von seinen Tieren, dass er meinte, alleine ihre Anwesenheit wäre genug für volle Kinos. Jenseits der Mondo-Thrills macht sich jedoch rasch Langeweile breit, bedingt zum Beispiel durch das dünne Drehbuch, das nicht nur einzelne Szenen weit über Gebühr ausspielt, sondern im Grunde genommen nur davon handelt, dass Hank (Marshall) mit einem Haufen wilder Tiere lebt und dann überraschend seine Frau und drei Kinder ankommen. Die mit viel Geschrei und Panik durchblicken lassen, dass sie das mit den wilden Tieren zuvor nicht gewusst haben.

Roar war 1981 ein gewaltiger Flop und macht eigentlich nur Sinn in Verbindung mit einem Making Of, das ganz sicher wesentlich spannender ist als der fertige Film. Große Erwartungen sind hier mit der im Oktober erscheinenden US-Blu-Ray verbunden, doch momentan muss man sich noch mit der wenig begeisternden Scheibe aus dem Hause DigiDreams begnügen – die jenseits des ganzen Unsinns, der auf dem Cover verbreitet wird, ein sehr schwaches Bild und muffigen Ton bietet. Die Extras lesen sich zunächst zahlreich, bestehen aber fast nur aus billig wirkenden Slideshows. Die bei der ersten Auflage noch anwesende Soundtrack-CD fehlt diesmal, dafür ist nun endlich der (beim letzten Mal nur auf dem Cover gelistete) englische Ton anwesend.

Roar... Die Löwen sind los

Was wäre, wenn bei „Life of Pi“ ein echter Tiger in dem Boot sitzen würde? „Roar“ hat für diese Frage nicht nur ein nervöses Lächeln übrig, sondern setzt auch noch über 130 Löwen, Tiger, Leoparden, Pumas und Jaguare drauf.
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