Ritual – Gefährliche Obsession

Ritual – Gefährliche Obsession

Eine Filmkritik von Falk Straub

Die Kraft der (Psycho-)Magie

Wenn die Vergangenheit zu sehr das Hier und Jetzt bestimmt, wird es Zeit, sie zu begraben. Wie das gehen kann, zeigt die Protagonistin in Ritual – Gefährliche Obsession nach einer Vorlage von Alejandro Jodorowsky.
Lia (Désirée Giorgetti) lebt in einer Beziehung mit dem Sadisten Viktor (Ivan Franek). Unterwürfig beugt sie sich seinen Regeln, selbst als diese immer grausamere Züge annehmen. Lias Psychologe sieht den Ursprung ihres Verhaltens in einem traumatischen Erlebnis ihrer Kindheit. Doch Lia will das nicht wahrhaben, ist therapieresistent. Als sie schwanger wird und Viktor sie zu einer Abtreibung zwingt, stürzt Lia immer tiefer in die Depression. Von dunklen Träumen geplagt besucht sie ihre Tante Agata (Anna Bonasso), eine Heilerin. In deren geheimnisvoller Villa auf dem Land, wo Lia einst ihre Jugend verbrachte, taucht sie schließlich doch noch in ihre Vergangenheit ab. Mittels eines Rituals versucht Agata Lia von ihren Depressionen zu befreien.

Der Regisseur und (Comic-)Autor Alejandro Jodorowsky hat in Ritual – Gefährliche Obsession nicht nur einen kurzen Auftritt, sondern diente auch als Berater. Die Rituale, die die Heilerin Agata im Film durchführt, basieren auf seiner Methode der Psychomagie. Der italienische Untertitel des Films verweist im Gegensatz zum deutschen direkt auf diesen Zusammenhang. Der therapeutische Ansatz versucht, ein Trauma durch einen symbolischen Akt zu überwinden.

Giulia Brazzale und Luca Immesi setzen Jodorowskys Methode in ihrem Film geschickt ein und visuell um. Statt die Handlungen und Rituale explizit als Psychomagie zu benennen, lassen die Regisseure und Drehbuchautoren in der Schwebe, was die Heilerin Agata praktiziert. Für den eifersüchtigen und um Kontrolle bemühten Viktor ist Agata eine Hexe, für die Dorfbewohner eine Heilige. Gepaart mit mysteriösen Erscheinungen, einem alten Fluch rund um eine verlassene Kirche und Agatas alter Villa erzeugt Ritual eine traumwandlerische Stimmung.

Brazzale und Immesi gelingt es, den schmalen Grat zwischen Erotik, Traum und feinem Horror zu meistern, ohne die Körperlichkeit zum reinen Schauwert verkommen zu lassen und ohne ihre Hauptdarstellerin auszubeuten.

Ritual – Gefährliche Obsession

Wenn die Vergangenheit zu sehr das Hier und Jetzt bestimmt, wird es Zeit, sie zu begraben. Wie das gehen kann, zeigt die Protagonistin in „Ritual – Gefährliche Obsession“ nach einer Vorlage von Alejandro Jodorowsky.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme von

Giulia Brazzale

Luca Immesil