Rheinsberg

Rheinsberg

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein junges Paar im Liebesidyll

Diese putzige Literaturverfilmung von 1967 entstand frei nach Motiven der ersten autobiographischen Novelle von Kurt Tucholsky aus dem Jahre 1912 unter der Regie von Kurt Hoffmann. Der freche, mitunter beinahe frivole Ton von Rheinsberg – Ein Bilderbuch für Verliebte verschaffte dem aufstrebenden Journalisten Tucholsky einen frühen Durchbruch, und der Film mit dem jungen deutschen Staraufgebot Christian Wolff und vor allem Cornelia Froboess, die für ihre Darstellung der kessen Claire mit dem Ernst-Lubitsch-Preis ausgezeichnet wurde, wurde ebenfalls ein Erfolg. Kurt Hoffmann, der bereits 1963 den Tucholsky-Roman Schloß Gripsholm. Eine Sommergeschichte in Szene gesetzt hatte, erhält in Rheinsberg genau die Frische, Lebendigkeit und manchmal für damalige Zeiten erotische Brisanz der rasanten Dialoge der jungen Verliebten aus der literarischen Vorlage, was neben der liebevollen Ausstattung den Charme dieser altmodischen Liebeskomödie ausmacht.
Im Berlin des Jahres 1912 hat es ein junges, bürgerliches Liebespaar nicht gerade leicht, unbeobachtet die Mächte der Anziehung walten zu lassen, und um einmal ungestört ganz für sich zu sein und auch offen die soziale Dimension einer Existenz als Paar auszuprobieren, buchen sich der Journalist Wolf (Christian Wolff) und seine Liebste Claire (Cornelia Froboess) als Eheleute in einer kleinen Pension im Städtchen Rheinsberg ein, ein berühmt-berüchtigtes Ausflugsziel, das in dem Ruf steht, ein verschwiegener und zudem wunderschöner Ort für Verliebte zu sein. Diese Reise ist selbstverständlich ein pikantes Geheimnis, denn Claires Vater (Werner Hinz), der bei seiner lebhaften Tochter unbedingt zu frühen näheren Kontakt mit der männlichen Spezies unterbinden will, ist äußerst misstrauisch, doch die Familie wähnt ihre vermeintlich wohl behütete Claire zu Besuch bei einer Freundin.

Es werden ganz zauberhafte Tage für die beiden Turtelnden in Rheinsberg, eine unbeschwerte, paradiesische Zeit des puren Glücks, das mal in albernen Späßen und dann wieder in inniger Nähe oder tiefgründigen Gedanken daherkommt und sie der Moral ihrer Gesellschaft zum Trotz zu Geliebten macht. Es ist ungemein symphatisch, dass keine nahe liegenden Zukunftspläne oder Bedenken das Gemälde der ungetrübten Wonne im Hier und Jetzt überschatten, und auch der Schluss birgt die Botschaft, sich den besten Augenblicken im Leben und vor allem in der Liebe schlicht hinzugeben, und darin ist Rheinsberg, gnadenlos ein Film ausschließlich für Romantiker, konsequent das, was der Untertitel beschreibt: Ein Bilderbuch für Verliebte. Oder solche, die es einmal waren und sich gern auch an die Albernheiten dieses Zustands erinnern. Fehlt allerdings beim Zuschauer die gringste romantische Regung, ist dieser Film weniger zu empfehlen, da sich wahrscheinlich nach dem vierten oder fünften von Cornelia Froboess neckisch intonierten „Wölfchen“, wie sie ihren Liebsten unerträglich häufig nennt, hartnäckige Fluchttendenzen einstellen dürften.

Rheinsberg

Diese putzige Literaturverfilmung von 1967 entstand frei nach Motiven der ersten autobiographischen Novelle von Kurt Tucholsky aus dem Jahre 1912 unter der Regie von Kurt Hoffmann.
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