Résiste - Aufstand der Praktikanten

Résiste - Aufstand der Praktikanten

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Praktikanten, aufgepasst!

Früher sollten Praktika einmal dazu dienen, Erfahrungen in einem künftigen Berufsfeld zu sammeln. Hatte man in einer Firma einmal ein Praktikum gemacht, standen die Chancen gut, als Festangestellter übernommen zu werden. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Längst werden Praktikanten als billige, austauschbare Arbeitskräfte eingesetzt, die in so mancher Agentur bis tief in die Nacht und an Wochenenden schuften können. Oft ist auch noch das fünfte Praktikum nach dem Studium aussichtslos.
Eine ganze Generation junger, ehrgeiziger Menschen leidet seit dem Crash der New Economy unter dem Dilemma: Die Generation Praktikum. Es ist Zeit für einen Aufstand! Nachwuchsregisseur Jonas Grosch hat sich dieses Thema zu Herzen genommen und seinen ersten Langspielfilm darüber gedreht. Résiste! – Aufstand der Praktikanten ist eine leichte, köstliche Komödie, die den neoliberalen Arbeitgebern endlich mal ordentlich an die Kragen geht.

Till (Hannes Wegener) hat die Nase voll: Seit Jahren ist er Praktikant und wiederholt nicht in eine Festanstellung übernommen wurden. Düstere Zukunftsaussichten sind das. Doch statt die Flinte ins Korn zu werfen, kommt Till auf eine brillante Idee: Zusammen mit seinen Freunden Tamara (Fanny Staffa) und Toto (Steffen C. Jürgen) gründet er eine Praktikantenberaterfirma. Dort können ausgebeutete Praktikanten vorsprechen und gegen ein Honorar wird ihnen geholfen. Wie das gehen soll? Tja, jeder Chef hat so seine Schwächen. Und wer sich bei Champagner und Sex nicht nur erwischen, sondern auch noch heimlich fotografieren lässt, der ist leicht erpressbar. Tills Startup-Unternehmen ist ein Erfolgsmodell und bekanntlich geht so was nicht lange gut.

Da taucht zunächst die permanent in rot gekleidete und auch idealistisch links orientierte Sydelia (Katharina Wackernagel) auf. Extra aus Frankreich angereist, will sie ihren Jugendfreund Till unterstützen. Ihre Ziele sind um einiges höher gesteckt. Sie will einen Aufstand der Praktikanten organisieren, besser noch einen bundesweiten Generalstreik. Mit französisch revolutionärem Geist und viel Elan versucht sie Till auf ihre Seite zu kriegen. Doch Till geht es um Umsatz, nicht um Umsturz. Von Demonstrationen und Revolutionen hat er längst die Nase voll. Seine halbe Kindheit hat er damit auf der Straße verbracht, was er seinen Eltern bis heute noch übel nimmt. Doch als die Wirtschaft mit Hilfe des Moguls Magnum (Devid Striesow) versucht, Tills Firma zu übernehmen, hilft nur noch der Gegenschlag: ein Praktikanten-Generalstreik, der ganz Deutschland lahm legt. Operationen, Filmproduktionen und Fernsehsendungen müssen ausfallen, weil die wichtigsten Mitarbeiter fehlen, die Praktikanten.

Es geht hier eigentlich um ein bitteres Thema. Auch wenn man sich im Film am Ende mit der Bundeskanzlerin auf praktikantenfreundlichere Bedingungen einigt, wird das in der Realität noch lange Zukunftsmusik bleiben. Jonas Grosch, der Bruder von Katharina Wackernagel, schafft es gekonnt, sich dem Thema mit Heiterkeit und Augenzwinkern zu nähern, aber gleichzeitig auch seine Figuren ernst zu nehmen. Man kann nicht zuletzt lachen, weil man die Situation des Praktikanten-Daseins entweder selbst oder von Bekannten oder Verwandten kennt.

Es geht um ein Thema, das viele junge Leute beschäftigt und interessiert und dennoch ändert sich nichts am Status quo. Aufstand? Widerstand? Das ist Utopie. Dennoch regt der Film wunderbar zum Nachdenken über die ganze Misere an. Vielleicht tut sich was. Die Zeit der Praktika wünscht man sich nach dem Film jedenfalls nicht zurück.

Résiste - Aufstand der Praktikanten

Früher sollten Praktika einmal dazu dienen, Erfahrungen in einem künftigen Berufsfeld zu sammeln. Hatte man in einer Firma einmal ein Praktikum gemacht, standen die Chancen gut, als Festangestellter übernommen zu werden. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Längst werden Praktikanten als billige, austauschbare Arbeitskräfte eingesetzt, die in so mancher Agentur bis tief in die Nacht und an Wochenenden schuften können. Oft ist auch noch das fünfte Praktikum nach dem Studium aussichtslos.
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