Renegades - Mission of Honor (2017)

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Nazis, Gold und echte Kerle – da kann eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder? Regisseur Steven Quale schickt in der Luc-Besson-Produktion „Renegades – Mission of Honor“ 5 Soldaten auf einen krawallig-komischen Tauchgang.

Renegades - Mission of Honor (2017)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Nazigold und Navy Seals

Nicht in allem, das nach Hollywood aussieht, steckt auch Hollywood drin. Luc Bessons Actionschmiede macht der Traumfabrik seit Jahrzehnten Konkurrenz. Der französische Irrwisch brachte uns Jason Statham als Fluchtwagenfahrer, Liam Neeson als Einmannarmee, Zoe Saldana als Auftragskillerin, Scarlett Johansson als Intelligenzbestie und das Duo Delevingne/ DeHaan als Raum-Zeit-Agenten. Nun darf Sullivan Stapleton als Kopf einer Gruppe Soldaten ran, um 1995 kurz nach dem Jugoslawienkrieg in der Nähe Sarajevos nach Nazigold zu tauchen.

Sullivan wer? Genau hier liegt einer der vielen Stolpersteine dieses Films. Der 1977 geborene Australier, zu dessen bekanntesten Kinoauftritten eine Nebenrolle in Gangster Squad (2013) und die Hauptrolle in 300: Rise of an Empire (2014) zählen, tat sich bislang nicht als Leading Man hervor und wird wohl auch keiner mehr werden. Optisch erinnert er an Jason Statham, den Besson und Co-Autor Richard Wenk beim Schreiben der Geschichte vielleicht in den Köpfen gehabt haben mögen. An dessen groben Charme reicht Stapleton allerdings nicht annähernd heran. Als Stabsbootsmann Matt Barnes bleibt er genau so blass wie der Rest seiner Truppe.

Am Drehbuch liegt es nicht, mehr an der Chemie zwischen den Schauspielern. Denn die ist nicht vorhanden. Und so laufen viele der Gags ins Leere. Barnes & Co. sind echte Haudegen, die Regeln großzügig ausdeuten, anstatt sie zu befolgen. Als die Entführung eines Kriegsverbrechers nach hinten losgeht, preschen sie mit einem gekaperten Panzer nach vorn. Ein paar zerstörte Fassaden und Funktürme weiter landen sie mit dem Stahlkoloss schließlich im kühlen Nass. Und weil sich die Navy Seals in diesem Element pudelwohl fühlen, schreckt sie wenig später auch nicht die irre Idee ab, aus der Kirche eines versunkenen Dorfs einen Nazischatz zu heben.

Leutnant Baker (Charlie Bewley) macht es aus Liebe zur Barbekanntschaft Lara (Sylvia Hoeks). Als Schönling der Truppe bleibt ihm nichts anderes übrig. Laras Großvater war als Kind einst Zeuge, wo die Übermenschen ihre Reichtümer unterbrachten. Der Rest, Stratege Ben (Joshua Henry), Sprengmeister Jackson (Dimitri Leonidas) und Haudrauf Duffy (Diarmaid Murtagh), denkt ans eigene Portemonnaie. Immerhin sind die Barren 300 Millionen US-Dollar wert.

Dem Soldatengott sei Dank, kämpfen in dieser Armee aber auch noch J.K. Simmons, Ewen Bremner und Mahamadou Coulibaly. Während Ersterer als Admiral Levin seine Jungs immer wieder derb in den Senkel stellt, spielen Letztere zwei durchgeknallte Piloten und haben die Lacher auf ihrer Seite. Was wohl mit mehr Budget und ähnlich guten Darstellern in den Hauptrollen möglich gewesen wäre? Andererseits hat Renegades auch ohne Topstars in der ersten Reihe schon geschätzte 66 Millionen Euro gekostet.

Das solide Skript vernachlässigt einzig Bösewicht Petrovic, den Clemens Schick in seiner gewohnten Routine als internationaler Fiesling auf die Leinwand wirft. Als wirklicher Gegenspieler taugt dieser Militär schon deshalb nicht, weil ihn Wenk und Besson nur dann aus dem Hut zaubern, wenn es einer Spannungssteigerung bedarf. Dabei ist die „Mission of Honor“, der ehrenhafte Auftrag der Soldaten, der dem Filmtitel in Deutschland hinzugefügt wurde, schon aufregend genug.

Mit dem Tauchgang kommt das wahre Highlight. Bis dahin sieht Renegades wie ein schlechtes B-Movie aus, miserabel bis mittelmäßig inszenierte Feuergefechte, Faustkämpfe, Explosionen und Anschlussfehler inklusive, wenn Barnes' Mikro am Headset von Schnitt zu Schnitt die Seite wechselt und zwischendurch ganz vom Kopf verschwindet. Unter Wasser ist dann aber auch Regisseur Steven Quale in seinem Element. Schon als 21-Jähriger arbeitete er an James Camerons Abyss – Abgrund des Todes (1989) mit, bei Titanic (1997) war er Regisseur der Second Unit. Wie einst Cameron hat nun auch Quale in echten Wassertanks gedreht. In seinen besten Momenten legt er eine Art aquatisches Rififi (1955) hin. Es sind die faszinierendsten, die schönsten Aufnahmen dieses Films.

Renegades - Mission of Honor (2017)

In dem von Luc Besson als Co-Autor verantworteten Action-Thriller „Renegades“ geht es um eine Gruppe von Navy SEALS, die einem lange gehüteten Geheimnis und einem riesigen Schatz auf die Spur kommen, der während des Krieges im früheren Jugoslawien in einem bosnischen See versenkt wurde.

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