Regeneration

Regeneration

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Montag, 23. November 2015, ARTE, 23:35 Uhr

Längst nicht nur für Liebhaber des nostalgischen Kinos präsentiert ARTE am späten Montagabend ein ganz besonderes Kleinod der cineastischen Frühgeschichte, das vor hundert Jahren in New York entstand: Den lange verschollenen Stummfilm Regeneration von Raoul Walsh, der 1972 in Form einer Nitro-Kopie vom US-amerikanischen Filmhistoriker und -restaurierer David Shepard aufgespürt wurde und nun in einer 2014 gründlich renovierten Fassung im Fernsehen aufgeführt wird.
Früh wird der zehnjährige Owen (John McCann), der in der Lower East Side von Manhattan aufwächst, zum Waisen, und von Maggie (Maggie Weston) und Jim Conway (James A. Marcus) aus der Nachbarschaft aufgenommen. Doch dort geht es dem Jungen gar nicht gut: Jim ist derbe dem Alkohol verfallen, und es kommt ständig zu heftigen Streitereien mit Maggie, während Owen als billige Arbeitskraft ausgenutzt werden soll. Da läuft das Kind lieber davon und schlägt sich auf den Straßen durch.

Mit siebzehn hat sich Owen (Harry McCoy) mit seinem energischen Erhaltungstrieb zu einem harten Burschen gemausert und driftet allmählich ins kriminelle Milieu Manhattans ab. Als er fünfundzwanzig Jahre alt ist, betreibt Owen (Rockliffe Fellowes) bereits seine eigene Gangstergang, hält seine krummen kleinen Geschäfte am Laufen und verbringt seine Zeit gern in den einschlägigen Kneipen, in denen um die Jahrhundertwende die ersten schwarzen Musiker auftreten.

Die Wende in Owens Dasein ereignet sich, als er der Lehrerin und Sozialarbeiterin Marie Deering (Anna Q. Nilsson) begegnet, die sich in einem Settlement House zur Rehabilitierung von Kriminellen engagiert und jenseits der üblichen Ressentiments eher den Umständen als den Menschen die Schuld an lasterhaften Lebensläufen zuschreibt. Zwischen Marie und Owen bahnt sich eine zarte Romanze an; sollte es tatsächlich zu einer dauerhaften Verbindung zwischen den beiden kommen?

Der US-amerikanische Filmemacher Raoul Walsh, der mit Regeneration seinen ersten längeren Spielfilm und danach noch weit über hundert weitere Filme inszenierte, hat für diese Verfilmung der Autobiographie My Mamie Rose des tatsächlichen Gangsters Owen Kildare (1864-1911) in seinem eigenen Lebensraum in Manhattan gedreht und die Statisten für den Film auch aus seiner eigenen zwielichtigen Nachbarschaft rekrutiert.

Da springen bei den Dreharbeiten waschechte Huren der Lower East Side – in der Szene des brennenden Ausflugschiffes – offensichtlich ohne Unterwäsche in den Hudson River, was nachträglich kaschiert werden muss, um der Zensur zu genügen. Regeneration wird häufig als einer der ersten Gangster-Filme überhaupt bezeichnet, und Kuriositäten wie diese prägen seinen markanten, filmhistorisch bedeutsamen Stil, der für die Filmproduktion jener Zeiten extrem ungewöhnlich war.

Es ist die so sensible wie letztlich knallharte und authentische Darstellung des kriminellen Milieus um die rührende, doch wahre Geschichte der Umkehr durch Verständnis und Liebe, die Regeneration auszeichnet, der durch seine ausdrucksstarke Schauspieltruppe besticht. Die enorme, puristische Tragik der Geschichte lebt von den prägnanten schwarzweißen Bildern und der einfühlsamen Musik, die eigens vom Ensemble der Komischen Oper Berlin eingespielt wurde.

Regeneration

Längst nicht nur für Liebhaber des nostalgischen Kinos präsentiert ARTE am späten Montagabend ein ganz besonderes Kleinod der cineastischen Frühgeschichte, das vor hundert Jahren in New York entstand: Den lange verschollenen Stummfilm "Regeneration" von Raoul Walsh, der 1972 in Form einer Nitro-Kopie vom US-amerikanischen Filmhistoriker und -restaurierer David Shepard aufgespürt wurde und nun in einer 2014 gründlich renovierten Fassung im Fernsehen aufgeführt wird.
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