R.E.D.

R.E.D.

Eine Filmkritik von Tomasz Kurianowicz

Rentner-Agenten auf der Jagd

Auch wer bei actionreichen Agenten-Filmen eher die Nase rümpft: Diesem hier sollte man eine Chance geben. Denn R.E.D. ist nicht nur ein selbstironischer CIA-Krimi, der sich mit viel Witz und Komik von altbackenen Klischees freizumachen weiß. R.E.D. ist vor allem ein Schaulauf der vielleicht berühmtesten (und ältesten) Darsteller Hollywoods: Bruce Willis, John Malkovich, Helen Mirren – sie alle tragen zum Erfolg dieses Filmes bei, so dass man zum Schluss der im Filmtitel versteckten Abkürzung R.E.D. (= retired and extremley dangerous; zu deutsch: pensioniert und extrem gefährlich) nur recht geben kann.
Bruce Willis spielt in Ideal-Besetzung den pensionierten Geheimagenten Frank Moses, der das erste Mal in seinem Leben über einen geregelten Alltag verfügt. Kein Wunder, dass Frank nicht weiß, was er mit seiner Zeit anfangen soll: Mal macht er sich ein gutes Essen, mal denkt er über die saisonbedingte Hausbeleuchtung nach, und mal (nein! nicht mal, sondern ständig) ruft er bei seiner Call-Center-Finanz-Beraterin Sarah Ross (Mary-Louise Parker) an, die ihn mit zarter Stimme und guten Tipps durch das triste Rentner-Dasein lotst. Das ändert sich natürlich grundlegend, als er in seinem schneeweiß gestrichenen Haus in einer Vorstadtsiedlung in Amerika unangenehm-brachialen Besuch von einem Killerkommando bekommt. Gut, dass der ehemalige Geheimagent seine Tricks noch immer beherrscht: Im Kampf gegen Frank sind selbst zwanzig bis an die Zähne bewaffnete, wild herumschießende und gut ausgebildete Auftragsmörder ein lächerliches Kindergartenkollektiv.

Ganz klar: Irgendjemand hat es auf Frank abgesehen. Und das heißt: Der Ex-Geheimagent, der seine besten Zeiten während des Kalten Krieges verlebt hatte, als die Grenzen zwischen Freund und Feind noch klar gezogen waren, muss sich zurück ins großkriminelle Getümmel stürzen (was er im Grunde gar nicht so schlimm findet). Auch wenn sich die politischen Verhältnisse verändert haben: seine Spürnase ist immer noch die alte. Und so weiß Frank ziemlich genau, dass ihn seine Feinde bloß an einer einzigen Stelle treffen können: an seinem Herzen, das für die Call-Center-Agentin Sarah schlägt. Die junge, attraktive und von verpatztem Date zu verpatztem Date sich hangelnde Single-Frau wird, parallel mit dem Zuschauer, in ein ereignisreiches politisches Wirrwarr hineingezogen, das man nur aus Krimi-Romanen kennt. Frank ist zugleich ihr Beschützer, zugleich aber auch jener Sturrkopf, der sie von einer unmöglichen Situation in die nächste stürzt.

Richtig Spaß macht der actionreiche Kampf gegen das Böse aber erst, wenn Franks alte Agenten-Freunde zum Mitmachen eingeladen werden. Und genau das ist der Anlass für den deutschen Regisseur Robert Schwentke, Franks Rückkehr aus dem Ruhestand als Feuerwerk der Hollywood-Größen zu feiern. Seine alten CIA-Kollegen sollen ihm helfen, die Wut jener im Politikbetrieb agierender Bösewichte, die es auf sein Leben abgesehen haben, zu durchleuchten. Dabei helfen ihm so schlitzohrige Rentiers wie Joe Matheson (gespielt von Morgan Freeman), der zwar schon im Altersheim sitzt, dafür aber immer noch so treffsicher feuern kann wie ein junger Sniper nach der Agenten-Ausbildung. Auch Victoria (verkörpert von der sagenhaft wandlungsfähigen Hellen Mirren) hat zwar schon graue Haare auf dem Kopf, verfügt aber über den scharfen Verstand einer blutjungen Spionin. Der kurioseste und gleichsam witzigste unter allen Helfershelfern ist aber Marvin Boggs (dessen Charakter sich erst durch die urkomischen und aberwitzigen Gestiken des grandiosen John Malkovich entfaltet). Marvin hat elf Jahre lang von der CIA zu Testzwecken LSD verabreicht bekommen und ist jetzt, im goldensten Zeitalter seines Lebens, etwas – nun ja – verwirrt im Kopf. Er glaubt, dass er abgehört, verfolgt, und beobachtet wird. Doch diese Skepsis ist nicht ganz unberechtigt und hilft Frank auf seiner Reise durch die Staaten und im Aufbegehren gegen großspurige politische Machenschaften, einen ruhigen Kopf zu bewahren.

R.E.D. überzeugt durch eine feine Selbstironie, die nicht nur auf den Agentenfilm als Genre bezogen ist, sondern auch auf das Phänomen des langsamen Älterwerdens im Filmbetrieb Hollywoods. Auch wir müssen uns daran gewöhnen, dass die Stars, die wir so gut kennen, grauhaarig und bucklig werden, dass sie langsam ihr attraktives Aussehen verlieren. Das heißt aber nicht – und das will uns der Film auf humoristische Weise vermitteln –, dass sie nicht mehr spielen könnten oder schlechter seien als ihre jungen Kollegen. Ganz im Gegenteil: Die Routine und die Distanz zum Erfolg lassen sie nur noch abgeklärter erscheinen.

Wann hat man schon die Gelegenheit, so große Namen bei einem so großen Spaß zu beobachten? Selten. Und deswegen wollen wir ein Auge zudrücken, wenn die Story etwas holprig ist und nicht jedes Detail einer härteren Kausalprüfung standhält. R.E.D. ist schlicht eine gelungene Actionkomödie, die mit etwas doppelbödigem Sprachwitz den Zuschauer durchgehend amüsiert. Und damit wird dieser Film dem eignen Anspruch mehr als gerecht.

R.E.D.

Auch wer bei actionreichen Agenten-Filmen eher die Nase rümpft: Diesem hier sollte man eine Chance geben. Denn "R.E.D." ist nicht nur ein selbstironischer CIA-Krimi, der sich mit viel Witz und Komik von altbackenen Klischees freizumachen weiß.
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Meinungen
manaha53 · 31.10.2010

Kein tiefgründiger Film, aber sehr gute Unterhaltung. Da muss ein guter Regisseur mit einem guten Drehbuch die richtigen Schauspieler überzeugt haben. Der Plot ist der übliche Agentenfilmhintergrund: Irgendjemand will irgendeinem Agenten an die Wäsche. Nur diesmal spielen ältere Semester mit, und die haben einiges auf dem Kasten. Klar, das mindestens der amerikanische Vizepräsident dran glauben muss, klar, dass der wahre Schurke ein anderer ist, klar, dass die Oldtimer siegen. Aber die Action-Szenen und die häufig häufig sarkastischen Details und Dialoge (gut auch die deutsche Synchronisation) machen den Film absolut sehenswert.

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