Rampenlicht

Rampenlicht

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Montag, 28. Dezember 2009, ARTE, 21:00 Uhr

Komik und Melancholie bewegen sich bei einer wahrhaft guten Geschichte nicht selten nah beieinander. In der legendären Verkörperung Charlie Chaplins des Tramps (The Tramp, 1915) korrespondieren diese essenziellen Elemente der Filmkunst schlicht wunderbar miteinander, und Rampenlicht von 1952 als einer der letzten Filme des britischen Komikers repräsentiert diese nur scheinbar gegensätzlichen, für seine Filme charakteristischen Ausdrucksformen noch einmal auf ganz spezielle Weise. Dieses späte Werk – von Charles Chaplin selbst als eine Art künstlerisches Testament bezeichnet – verlagert allerdings die Balance von der üblichen Dominanz der Komik deutlich auf das Territorium der Schwermut, die hier mit großartiger Tragik die Wechselhaftigkeit eines Künstlerlebens umtreibt.
War er einst auch ein berühmter Clown, kann der alternde Calvero (Charles Chaplin) mittlerweile nicht einmal mehr selbst über sich lachen. Dem Alkohol verfallen und im provisorischen Zuhause einer Pension trostlos vor sich hin lebend ist der müde Mann vom illustren Künstlerdasein vergangener Tage nunmehr Welten entfernt. Die festgefahrenen Verhältnisse bewegen sich, als die junge Tänzerin Terry Ambrose (Claire Bloom) von dem betrunkenen Clown nach einem Freitodversuch gerettet wird. Fürsorglich nimmt Calvero die liebeskranke Terry bei sich auf und kümmert sich rührend um sie, bis sie wieder als Tänzerin arbeitet – und zwar nun überaus erfolgreich. Terry organisiert einen Auftritt in ihrem neuen Stück für Calvero, dem sie ihre Dankbarkeit und Liebe offenbart, in der Absicht, sich mit ihm zu vermählen. Doch so schlicht gestalten sich die Entwicklungen nicht, denn auch wenn der Clown das Mädchen heftig liebt, wagt er es doch nicht, auf die ähnliche Qualität ihrer Empfindungen zu vertrauen…

Mit einem Oscar für die Beste Musik geehrt und unter anderem mit einem BAFTA Award für Claire Bloom als vielversprechendste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet stellt Rampenlicht mit seiner sparsamen, sanften Heiterkeit einen ebenso ernsthaften wie intimen Film Charlie Chaplins dar, in dem er an der Seite seiner sechs Kinder und einigen vertrauten Protagonisten spielt. Mit Buster Keaton trat er hier allerdings das erste Mal gemeinsam auf, was für sich betrachtet bereits eine kuriose Komponente dieser gefühlvollen Hommage an die nur allzu häufig stilisiert erscheinende Figur eines Künstlers darstellt, der hier in einer sehr humanen Dimension gezeichnet wird und durch das Verwinden eines schmerzlichen Verzichts seine Würde als Mensch und Clown zurückerobert. Das ist kein geschätzter Slapstick à la Chaplin dieses Mal, sondern ein tragisches Stück mit wunderschönen Sequenzen des Schmunzelns und einem stimmungsvollen Finale voll trauriger Versöhnlichkeit, das möglicherweise tatsächlich den Hauch von Vermächtnis verströmt.

Rampenlicht

Komik und Melancholie bewegen sich bei einer wahrhaft guten Geschichte nicht selten nah beieinander. In der legendären Verkörperung Charlie Chaplins des Tramps („The Tramp“, 1915) korrespondieren diese essenziellen Elemente der Filmkunst schlicht wunderbar miteinander, und „Rampenlicht“ von 1952 als einer der letzten Filme des britischen Komikers repräsentiert diese nur scheinbar gegensätzlichen, für seine Filme charakteristischen Ausdrucksformen noch einmal auf ganz spezielle Weise.
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