Raining Stones

Raining Stones

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Prasselndes Elend

Auch wer arm ist und hart um ein erträgliches Überleben kämpft hat einen wunden Punkt, bei dem er alle notwendige Sparsamkeit sausen lässt: Bei den einen ist es der Friseurbesuch, bei den anderen ein Paar edle Schuhe und bei dem erwerbslosen Bob (Bruce Jones) die Ausstattung seiner Tochter Coleen (Gemma Phoenix) für ihre Erstkommunion. Neu muss das weiße Kleid gekauft werden, und zwar samt aller üblichen Accessoires wie Schleier und Schuhe, das ist eine unumgängliche Ehrensache für den gläubigen Katholiken. Aus diesem Grunde legt sich Bob gemeinsam mit seinem Kumpel Tommy (Ricky Tomlinson) noch härter als üblich ins Zeug, um mit möglichen und unmöglichen Ideen ein paar Pfund zu verdienen. Das gestaltet sich umso schwieriger, als auch noch Bobs alter Lieferwagen gestohlen wird, mit dem die beiden schon den einen oder anderen Job an Land gezogen hatten. Letztendlich sieht sich der zermürbte Vater widerstrebend gezwungen, beim brutalen Geldverleiher Tansey (Jonathan James) Schulden zu machen, was fatale Folgen für die Familie haben wird ...
Inszeniert Regisseur Ken Loach seine Geschichte nach dem Drehbuch von Jim Allen auch anfangs mit an Galgenhumor grenzendem Witz, entwickelt sich Raining Stones aus dem Jahre 1993, der innerhalb der Edition Ken Loach – Arthaus Close-Up erscheint, unaufhaltsam zu einem bedrückenden Drama um Armut, Schulden und Schuld. Der britische Filmemacher fokussiert hier als Repräsentant gesellschaftskritischer Ausprägungen in Großbritannien die sozialen Aspekte eines sinkenden Lebensstandards, der in letzter Konsequenz mit der bitteren Isolation verarmter Familien einhergeht. Mit enormer Eindringlichkeit berührt auch die religiöse Komponente der feinfühlig entwickelten Geschichte, die vor allem durch die Figur des alten Priesters (Tom Hickey) zu einem Plädoyer für einen pragmatischen Humanismus gerät.

Ken Loach bleibt bis zum gelungen installierten, überraschenden Ende ganz dicht bei seinen tragischen Helden, die es sich bei aller Tapferkeit auch schon mal erlauben, der Welt vor Wut und Ohnmacht ihren nackten Hintern zu präsentieren, was ein signifikantes Beispiel für den bitter-sanften Humor darstellt, mit dem der Regisseur seine Protagonisten und Szenarien ausstattet. Raining Stones gewann neben anderen Nominierungen und Auszeichnungen den Sonderpreis der Jury bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes des Jahres 1993 und wurde vom London Critics Circle mit dem Titel "Film of the Year" prämiert. Die politischen Aussagen, die Ken Loach in seinen engagierten Filmen mitschwingen lässt, kommen auch in diesem Stück über die Verelendung der britischen Arbeiterschaft deutlich zum Ausdruck, dessen schwelende Stimmung sich über den Schluss hinaus fortsetzt.

Raining Stones

Auch wer arm ist und hart um ein erträgliches Überleben kämpft hat einen wunden Punkt, bei dem er alle notwendige Sparsamkeit sausen lässt: Bei den einen ist es der Friseurbesuch, bei den anderen ein Paar edle Schuhe und bei dem erwerbslosen Bob (Bruce Jones) die Ausstattung seiner Tochter Coleen (Gemma Phoenix) für ihre Erstkommunion.
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