Pünktchen und Anton

Pünktchen und Anton

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein Kinderbuchklassiker

Die berühmte Geschichte der wunderbaren Freundschaft zwischen einem eloquenten, reichen kleinen Mädchen mit dem Herz auf dem rechten Fleck und einem armen, doch aufrechten und tatkräftigen Jungen von charakterlicher Erhabenheit zählt zweifellos zu den ganz großen Erzählungen der Kinderliteratur. Der Roman Pünktchen und Anton von Erich Kästner aus dem Jahre 1931, der als Spezialität nach jedem Kapitel eine als „Nachdenkerei“ deklarierte moralische Reflexion des Autors zum Handlungsgeschehen aufweist, hat bereits Generationen von Lesern bezaubert, ohne seine Aktualität einzubüßen. Denn viel zu beschäftigte Eltern, vernachlässigter Nachwuchs und Kinderarmut sind Aspekte, die gerade im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wieder verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Trotz dieser sehr ernsthaften Thematik strahlt die Erzählung vor verschmitzter Heiterkeit und entlädt sich in einem fröhlichen Finale, dessen Lösungen sich sicherlich idealistisch, dabei jedoch nicht weniger konsequent sowie kostbar ausnehmen.
Die Verfilmung Pünktchen und Anton von Thomas Engel stellt die erste Inszenierung des grandiosen Stoffes für die Leinwand dar und stammt von 1953. Wird auch die Geschichte in ihren groben Zügen repräsentiert, setzt der Film doch im Detail völlig andere Akzente als der Roman, was sich vor allem bei der Gewichtung des Auftritts und der Intensität der einzelnen Charaktere zeigt. So nehmen beispielsweise der „Schweinehund“ Gottfried Klepperbein (Claus Kaap) und die Fabrikantengattin Frau Pogge (Hertha Feiler) hier viel mehr Raum und ein ausgeprägteres Profil ein, während Pünktchen (Sabine Eggerth) eher niedlich als verwegen daherkommt und der Pfundskerl Anton (Peter Feldt) allzu blass gerät. Neben der kaum zündenden Figurenzeichnung sind es einzelne dramaturgische Abweichungen von der literarischen Vorlage, die sich zu unstimmigen Schwächen auswachsen und so manch kluge Betrachtung Erich Kästners in oberflächlicher Geschwätzigkeit versacken lassen. Pünktchen und Anton erscheint hier allzu locker-flockig in oberflächlicher, rasanter Unterhaltungsmanier der 1950er Jahre und versteht die Pointiertheit des Romans kaum zu transportieren.

Pünktchen und Anton

Die berühmte Geschichte der wunderbaren Freundschaft zwischen einem eloquenten, reichen kleinen Mädchen mit dem Herz auf dem rechten Fleck und einem armen, doch aufrechten und tatkräftigen Jungen von charakterlicher Erhabenheit zählt zweifellos zu den ganz großen Erzählungen der Kinderliteratur.
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