Prey for Rock & Roll

Prey for Rock & Roll

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

It's a long way to the top

Auf dem Cover prangt groß das Presse-Zitat „grandios…“. Das ist zwar etwas übertrieben, doch dieser kleine, dreckige Film verdient zumindest das Prädikat „Respekt“.
Jacki (Gina Gershon) ist Sängerin und Gitarristin der Spelunken-Band Clam Dandy. Mit ihren drei Mitstreiterinnen Tracy, Faith und Sally tingelt sie durch kleinste Clubs und verdient dabei kaum mehr als das Spritgeld. Mit 39 steht Jacki vor der Entscheidung weiter zu machen, oder alles hinzuschmeißen. „Eine frustrierte Musikern mit ner Band, oder ne frustrierte Musikerin ohne Band. Egal wie es endet, es endet mit Frust.“, so ihr zynisches Fazit. Doch da scheint sich doch noch ein Silberstreif am Horizont abzuzeichnen. Möchtegern-Manager Chuck prophezeit, in den nächsten Wochen den so sehr erhofften Plattenvertrag an Land gezogen zu haben. Es scheint bergauf zu gehen, doch da kommt der nächste Dämpfer: Lead-Gitarristin Tracys Drogen- und Alkoholprobleme nehmen exorbitante Ausmaße an und gefährden nicht nur den Plattenvertrag, sondern stellen auch die Freundschaft der vier Frauen auf eine harte Probe. Außerdem ist Sallys Bruder Animal aus dem Knast gekommen und sorgt für zusätzlichen Stress…

Prey for Rock & Roll ist die kleine, ungewaschene Schwester des viel gelobten und vom Rezensenten für „sehr gut“ befundenen Almost Famous. Nichts wird geschönt, der Schweiß ist riechbar, der Schmerz fühlbar, die Musik spürbar. Selten wurde das Musikbusiness so ungeschönt und von seiner härtesten Seite gezeigt. Natürlich bietet Prey for Rock & Roll laute Musik, sexy Frauen in engen, verschwitzten Klamotten, die Sätze sagen wie „ich bin Musikerin geworden, um flachgelegt zu werden“. Aber es wäre unfair, dieses ungeschliffene Juwel auf solche Äußerlichkeiten zu reduzieren. Spätestens in den ruhigen Momenten, in denen die Freundinnen nicht mehr Musikerinnen sind, sondern einfach nur Freundinnen wird klar, dass es hier um mehr geht als Musik und Titten. Und wenn sich Tracy an ihrem absoluten Tiefpunkt eingesteht, dass es nicht tiefer geht, ist das einfach nur rührend ehrlich.

Es sei noch erwähnt, dass an dem Drehbuch, das auf den Erinnerungen der ehemaligen Sängerin Cheri Lovedog basiert, diese auch mitgeschrieben hat. Die Songs wurden tatsächlich von Hauptdarstellerin Gina Gershon gesungen. Sie ist es auch, die mit ihrem großartigen Spiel den Film über die ersten, klischeehaften Minuten trägt und ihre Co-Stars zu wahrer Größe motiviert.

Die DVD kommt im schicken Schuber, bietet jedoch keinerlei Extras, bis auf einen Audiokommentar des Regisseurs Alex Steyermark; Bild und Ton sind sehr gut. Ferner gibt es begleitend (nur in den USA) mit Hollywood Trash & Tinsel eine Dokumentation, die Cheri über die Dreharbeiten zu Prey for Rock & Roll machte, sowie die DVD-Serie Rocked with Gina Gershon. Hier werden Gina und Band auf einer kleinen Tour begleitet, die sie zur Vorbereitung von Prey for Rock & Roll absolvierten.

Prey for Rock & Roll

Auf dem Cover prangt groß das Presse-Zitat „grandios…“. Das ist zwar etwas übertrieben, doch dieser kleine, dreckige Film verdient zumindest das Prädikat „Respekt“.
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