Prélude (2019)

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Der junge Pianist David Berger ist ein aufstrebendes Talent und neu am Konservatorium. Doch der Weg nach oben ist gepflastert von Selbstzweifeln und ungeheurem Druck, dem David kaum standhalten kann.

Prélude (2019)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Genius und Wahnsinn

Der junge Pianist David (Louis Hoffmann) ist neu am Musikkonservatorium in einer namenlosen Stadt. Gerade 19 Jahre jung ist es für ihn das erste Mal, dass er von zu Hause weg ist. Die Unterkunft, die er für sein Studium bezieht, ist kärglich eingerichtet und strahlt nichts Persönliches aus. Doch ihm, so scheint es, macht das nichts aus. Seine eigentliche neue Heimat ist vielmehr das Konservatorium, wo er von der Klavierprofessorin Matussek (Ursina Lardi) unter ihre Fittiche genommen wird. Ihre präzisen und knappen Anweisungen, ihr unbestechliches Gehör, ihre allerhöchsten Ansprüche an Disziplin und Sensibilität führen das Talent zu neuen Höhen, doch es gibt auch immer wieder Rückschläge und kleine Demütigungen, die dem jungen Musiker schwer zusetzen.

Auch privat markiert die Zeit eine emotionale Achterbahnfahrt: David verliebt sich in die Gesangsstudentin Marie (Liv Lisa Fries), die eigentlich mit dem Piano-Studenten Walter (Johannes Nussbaum) zusammen ist. Zwar finden die beiden kurz zueinander, doch die Liebe ist nicht von Dauer. Und als Davids Hoffnungen auf ein Stipendium an der renommierten Juilliard School schwinden, gerät er immer tiefer in einen Strudel aus Selbstzweifeln und Depressionen, der erst in besessener Arbeit an der eigenen Vervollkommnung, dann in Aggressionen und schließlich in Selbstdestruktion mündet …

Wie die Triller, die David in atemberaubend geschnittenen Sequenzen in der Mitte des Films stoisch übt und die sich zu einem Score voller treibender Rhythmik und enervierender Monotonie ausbreiten, ist Sabrina Sarabis Spielfilmdebüt Prélude ein Werk voller Musikalität und extrem rhythmisch komponiert. Die Musikstücke, das stakkatohafte Klacken des Tischtennisballs, der vor Davids Wohnung von Walter mit besessener Inbrunst gespielt wird (natürlich gegen die hochgestellte Hälfte einer Tischtennisplatte, denn der ärgste Feind eines angehenden Musikers ist natürlich er selbst) — all das erzeugt einen nicht nur musikalischen Sog, sondern gibt dem ruhigen Drama, das bisweilen eher an einen Psychothriller der bedächtigen Art erinnert, auch dramaturgisch Drive und Tempo.

Entfernt erinnert Prélude ein wenig an Damien Chazelles Whiplash, auch wenn der Film viel behutsamer und leiser angelegt ist und die Emotionen David wie in einem Dampfkessel langsam vor sich hin brodeln lassen. Doch das ist nicht der einzige Unterschied zu dem Jazz-Drama: Während Chazelle den Gegenspieler des jungen Schlagzeugers deutlich erkennbar als Sadisten kennzeichnet, ist Ursina Lardis Part ungleich vielschichtiger und ambivalenter angelegt. Mal ist sie fast mütterlicher und freundlich zu ihrem Zögling, dann wieder hart und abweisend und stets überaus kritisch — schließlich geht es am Konservatorium nicht nur um das Weiterkommen der Schüler, sondern auch um die Reputation der Lehrenden. 

Der gnadenlose Leistungsdruck, dem hier alle unterliegen, drückt sich auch in den Beziehungen und Handlungen der Menschen untereinander aus. Walter und Marie gehen teilweise rüde miteinander um, er küsst sie vor den Augen Davids mit handfestem Nachdruck, sie zieht ihn an den Haaren und weist ihn wie einen kleinen Jungen zurecht, als Walter dem Konkurrenten nicht schnell genug den Übungsraum überlässt.

Fast durchgängig als Kammerspiel angelegt, dessen Farbpalette kaum je Farbtupfer und Aufhellungen zulässt, wird Prélude zu einer Studie über Vereinsamung und nicht nur musikalische Obsessionen, unterdrückte Wut und offensichtliche Versagensangst, über Abhängigkeitsverhältnisse und deren Folgen.

Prélude (2019)

Der 19-jährige David träumt von einem Leben als Konzertpianist auf den großen Bühnen der Welt. Während er in seinem Heimatort mit seiner Begabung etwas Besonderes war, merkt er als Student am Musikkonservatorium hingegen schnell, dass er nur ein Talent unter vielen ist. Sein Kommilitone Walter ist sein größter Konkurrent, und das auch nicht nur musikalisch. Nur die Affäre mit der selbstbewussten Gesangsstudentin Marie gibt ihm die Kraft, für ein hoch begehrtes Stipendium in New York zu kämpfen.

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Hamburg Cineast · 05.07.2019

Unlogische Dramaturgie

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