Plein Sud - Auf dem Weg nach Süden

Plein Sud - Auf dem Weg nach Süden

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Ein Racheengel auf Reisen

Es ist so eine Sache mit Genremixen: Wenn sich die verschiedenen Elemente zu einem neuen Ganzen fügen, dann eröffnen sie neue Horizonte. Wenn sich das eine jedoch wie ein Fremdkörper neben dem anderen anfühlt, zerfällt der Film in verschiedene Teile. In Sebastien Lifshitz’ Plein Sud geschieht beides. In den ersten zwei Dritteln funktioniert der Mix, gegen Ende löst er sich in seine Bestandteile auf.
Der Film ist in erster Linie eine Kombination von Roadmovie und Familiendrama, es spielen aber Elemente des Western, des Thrillers und sogar der Seifenoper mit hinein. Seine Stärken hat Plein Sud in seiner vitalen Kraft, in seiner expressiven Emotionalität und darin, dass er lange Zeit eine Spannung hält, die daraus entspringt, dass man wissen will, wohin die Reise eigentlich geht.

Die Hauptfigur ist Sam, ein 27-jähriger Franzose, der mit seinem Auto unterwegs nach Süden ist. Unterwegs hat er das deutlich jüngere Geschwisterpaar Lea und Mathieu aufgegabelt. Die wollen offensichtlich mehr von Sam als nur eine Mitfahrgelegenheit. Obwohl sich der mürrische, wortkarge Sam gegen jeglichen zwischenmenschlichen Kontakt zu sträuben scheint, machen ihm Lea und ihr homosexueller Bruder eindeutige sexuelle Avancen. Doch Sam hat eine Pistole im Auto, ihm steht der Sinn nach etwas anderem: Rache. In Rückblenden erfahren wir, dass er seine Mutter hasst. Und das Ziel seiner Reise liegt in Spanien. Ebenda, wo sich die aus der Psychiatrie entlassene Mutter eine Wohnung genommen hat.

Die Geschwister und Sam haben also ganz unterschiedliche Ziele, aber für die Zeit ihres Trips verschmelzen ihre Lebensstile. Lea und Mathieu sind Protagonisten der Spaß-Generation, sie machen aus der Reise eine einzige Party, mit wilden Festen am Strand. Sam lässt sich für eine Weile ablenken. Aus den Beziehungen erwachsen Spannungen, die sich in kleineren und größeren Ausbrüchen entladen. Das alles wird temporeich erzählt, mit fiebrigen Schnittfolgen und energiegeladenen Bildern.

Irgendwann aber haut Sam ab, lässt die Geschwister sitzen. Von nun an ändern sich Tonlage und Rhythmus des Films. Entsprechend der düsteren Stimmung des Protagonisten werden die Einstellungen länger, die Kamera übernimmt eine neutrale, beobachtende Position. Jetzt geht es eigentlich nur noch um das Familiendrama, trotzdem lässt Regisseur Sébastien Lifshitz das Roadmovie weiterlaufen, hakt die weiteren Stationen irgendwie pflichtgemäß ab. Erst als Sam schließlich auf die Mutter trifft, spitzt sich die Situation wieder zu. Doch die Entscheidung, die Sam dann am Ende trifft, scheint bloß aus einer spontanen Eingebung zu kommen. Nichts deutet auf eine persönliche Entwicklung und Reifung hin. Dafür blieb dem Drama einfach zu wenig Raum zur Entfaltung. Und plötzlich passt es nicht mehr zu dem Roadmovie.

Plein Sud - Auf dem Weg nach Süden

Es ist so eine Sache mit Genremixen: Wenn sich die verschiedenen Elemente zu einem neuen Ganzen fügen, dann eröffnen sie neue Horizonte. Wenn sich das eine jedoch wie ein Fremdkörper neben dem anderen anfühlt, zerfällt der Film in verschiedene Teile.
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