Pi – Arthaus Collection

Pi – Arthaus Collection

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Der schmale Grat zwischen Genie und Wahnsinn

Ein Film über ein Mathematikgenie an der Grenze zum Wahnsinn – wer denkt da nicht sofort an A Beautiful Mind von Ron Howard mit Russell Crowe in der Rolle des ebenso verschrobenen wie brillanten Mathematikers John Forbes Nash aus dem Jahre 2001? Weniger bekannt, aber nicht minder interessant und visuell sogar um Längen besser ist ein Film, der einige Jahre zuvor unter der Regie des kühnen Kinovisionärs Darren Aronofsky entstand – die Rede ist von Pi, seinem ersten Spielfilm, mit dem der junge Regisseur prompt beim renommierten Sundance Film Festival mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde.
Pi erzählt die Geschichte des verschrobenen Mathematikers Max Cohen (Sean Gullette), der fest davon überzeugt ist, dass sich alles auf der Welt in Zahlen ausdrücken lässt und dass es demzufolge auch eine Art Weltformel geben muss, in der sich die Binnenstruktur des gesamten Universums verbirgt. Doch die Suche nach dem Code wird erschwert von rasenden Kopfschmerzen und zunehmenden paranoiden Schüben. Per Zufall stößt Max auf eine Zahl mit 216 Stellen, die er für eines der zentralen Elemente seiner Berechnungen hält, eine Einschätzung, die sein Go-Partner und Förderer Sol Robeson (Mark Margolis) teilt, der einstmals auf genau die gleiche Zahl traf. Bald schon zeigt sich, dass Anteile von Max’ Paranoia keineswegs nur Ausdruck eines überspannten Geistes sind, sondern durchaus ihre Entsprechung in der Realität haben. Denn selbstverständlich ist die Weltformel von größtem Interesse und lockt Gauner ebenso an wie Börsenspekulanten und eine obskure religiöse Sekte. Zunehmend in die Enge getrieben sieht Max nur noch einen einzigen Ausweg aus dem Chaos um sich herum und in seinem Kopf…

Gerade einmal $60.000 hat Pi gekostet – eine Summe, die Darren Aronofsky ganz alleine ohne Hilfe von außen aufbrachte. Angesichts der $3 Mio., die der Film einspielte, ein gutes Investment. Vor allem aber stellt der Film die erste Talentprobe eines außerordentlichen Regisseurs dar, der sich im Laufe der kommenden Jahre als einer der großen Visionäre des amerikanischen Independent-Films und Nachfolger von David Lynch oder David Fincher entpuppen könnte. Trotz des begrenzten Budgets und der Beschränkung auf Schwarzweiß-Bilder zeigt Aronofsky in Pi bislang nicht Gesehenes und erzeugt einen düsteren Sog, eine Art Bewusstseinsstrom der Bilder, dem man sich nicht entziehen kann. Und mehr als einmal erinnert der Film in seinen Bildern und durch seine düster-aufregende Atmosphäre an David Lynchs bahnbrechendes Werk Eraserhead.

Bereits Aronofskys nächster Film Requiem for a Dream nach einem Roman von Hubert Selby brachte den endgültigen Durchbruch und wurde unter anderem für einen Oscar nominiert. 2006 folgte schließlich The Fountain mit Hugh Jackman und Aronofskys Ehefrau Rachel Weisz in den Hauptrollen, der esoterisch angehauchte Film wurde allerdings sehr zwiespältig aufgenommen. Gespannt darf man auch sein auf die angekündigten nächsten Werke des 1969 geborenen Filmemachers, vor allem die Verfilmung des Kultromans Flicker von Theodore Roszak über eine Sekte, die die Welt mittels Film zu beherrschen versucht, klingt wie ein ideales Betätigungsfeld für Aronofskys visuelle Ideen, die er hier in seinem ersten Film bereits zu einer frühen Meisterschaft gebracht hat. Ein atemberaubendes Werk.

Pi – Arthaus Collection

Ein Film über ein Mathematikgenie an der Grenze zum Wahnsinn – wer denkt da nicht sofort an A Beautiful Mind von Ron Howard mit Russell Crowe in der Rolle des ebenso verschrobenen wie brillanten Mathematikers John Forbes Nash aus dem Jahre 2001?
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