Peppermint: Angel of Vengeance (2018)

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In seiner neuen Regiearbeit inszeniert 96 Hours-Schöpfer Pierre Morel Hollywood-Aktrice Jennifer Garner als erbarmungslose Rächerin. Ist der Actionthriller bloß eine platte „Ein Mann sieht rot“-Kopie oder doch ein packendes Adrenalinspektakel?

Peppermint: Angel of Vengeance (2018)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Killer-Riley räumt auf

Dass man eine simpel gestrickte Rachegeschichte durchaus auf eine höhere Stufe heben kann, bewies Coralie Fargeat erst kürzlich mit ihrem wilden, Grenzen sprengenden Thriller Revenge, der geschickt die Konventionen und Geschlechterrollen des Spannungskinos durcheinanderwirbelte. Während die französische Regisseurin ihre Handlung mit interessanten Brüchen ausstattete und ironisch einfärbte, geht ihr Landsmann Pierre Morel, seines Zeichens Schöpfer des Actionkrachers 96 Hours, in seinem neuen Vergeltungsreißer deutlich weniger reflektiert zu Werke. "Peppermint – Angel of Vengeance" ist platte, stumpfsinnige und ärgerlich unglaubwürdige Adrenalinkost, die auch eine beherzt aufspielende Hauptdarstellerin nicht retten kann.

Ausgerechnet am Geburtstag ihrer Tochter Carly (Cailey Fleming) wird die Bankangestellte Riley North (Jennifer Garner) von einem schweren Schicksalsschlag heimgesucht. Da ihr beruflich strauchelnder Gatte Chris (Jeff Hephner) über einen Freund eher ungewollt in die Vorbereitungen für einen Raubzug bei Drogenboss Garcia (Juan Pablo Raba) hineingezogen wird, gerät die Familie plötzlich ins Visier des skrupellosen Gangsters, der von den Plänen Wind bekommen hat. Gerade als sie über einen Jahrmarkt schlendern, werden Chris und Carly von Garcias Handlangern erschossen, während Riley schwer verletzt im Koma landet. Obwohl sie nach dem Aufwachen die Täter identifizieren kann, gerät der Prozess zu einer Farce. Ein korrupter Richter spricht die Angeklagten frei und ordnet zu allem Überfluss auch noch Rileys Einweisung in die Psychiatrie an. Auf dem Weg dorthin gelingt ihr allerdings die Flucht, die sie schließlich außer Landes führt. Erst fünf Jahre später kehrt die nun in Kampf- und Waffentechniken versierte Ex-Bankerin nach Los Angeles zurück, wo die Polizisten Stan Carmichael (John Gallagher Jr.) und Moises Beltran (John Ortiz) gemeinsam mit der FBI-Agentin Lisa Inman (Annie Ilonzeh) ihren blutigen Spuren folgen. 

Ein Mann sieht rot – nur dieses Mal mit einer Frau im Zentrum. Peppermint – Angel of Vengeance schwimmt unverkennbar im Fahrwasser des 1974 veröffentlichten, viel diskutierten Selbstjustizstreifens von Michael Winner, wobei man konstatieren muss, dass sich Morels Actionreißer noch weniger darum schert, das Handeln seiner Protagonistin kritisch zu hinterfragen. Schienen im Charles-Bronson-Klassiker zumindest vereinzelte Momente des Haderns auf, präsentiert das Garner-Vehikel nach der recht unglaubwürdigen Wandlung von der friedfertigen Ehefrau und Mutter zur erbarmungslosen Kampfmaschine eine geradlinig abgespulte Baller-Orgie ohne reizvolle Ambivalenzen.

Denkbar plump – das Rechtssystem wird als lächerlich ineffizient beschrieben – versuchen Pierre Morel und Drehbuchautor Chad St. John (London Has Fallen), den Rundumschlag ihrer Hauptfigur zu legitimieren, und übergehen dabei bereitwillig Rileys durch und durch psychopathisches Gebaren. Nicht ein einziges Mal wird ihr Trauma ernsthaft untersucht. Stattdessen schicken sich die Macher – auf wenig überzeugende Weise – an, die unerbittliche Rachegöttin als Schutzengel der Armen aufzubauen. Empathie für ihre tiefe Trauer weckt Peppermint – Angel of Vengeance dank der ärgerlich abgedroschenen Konstruktion zu keinem Zeitpunkt.

Wenngleich die Actionszenen solide arrangiert sind und Jennifer Garner eine schwungvolle Performance abliefert, wartet man vergeblich auf echte Spannungsausschläge, was nicht zuletzt mit einigen erzählerischen Ungereimtheiten zusammenhängt. Dass sich logische Nachlässigkeiten nicht zwingend negativ auswirken müssen, zeigt der eingangs erwähnte Rachethriller Revenge, dessen fiebrig-packende Inszenierung und ambitionierte Optik Glaubwürdigkeitsdefizite in den Hintergrund drängen. In Morels bierernster und klischeegetränkter Regiearbeit – wie so oft im Genre fehlen auch ethnische Stereotype nicht – stolpert man hingegen mehrfach über Drehbuchwidersprüche. Etwa die Frage, warum der sonst überhaupt nicht zimperliche Garcia der unliebsamen Zeugin Riley vor Prozessbeginn ein Bestechungsgeld anbietet, wo es doch viel leichter wäre, sie einfach aus dem Weg zu räumen. Derartige Ungenauigkeiten unterstreichen einmal mehr, dass Peppermint – Angel of Vengeance – ähnlich wie das im Frühjahr 2018 angelaufene Ein Mann sieht rot-Remake namens Death Wish – eine Vergeltungsstory von der Stange ist, deren dümmliche Selbstjustizagenda gerade in unseren stark aufgeheizten Zeiten erschreckend verantwortungslos erscheint.

Peppermint: Angel of Vengeance (2018)

Die junge Mutter Riley North erwacht aus dem Koma und erfährt, dass ihr  Ehemann und ihre Tochter bei einem brutalen Überfall getötet wurden. Als sich das Justizsystem als unfähig erweist, den Täter dingfest zu machen, durchläuft Riley einen Transformationsprozess, die sie in eine gnadenlose Guerillakämpferin verwandelt. Und ihr Ziel ist nur eines - Rache!

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Meinungen
Christophe Filmbewerter · 14.12.2018

Der Film "Peppemint: Angel of Vengeance" hat leider keine Spannung und wenig Aktion. Die Filmbeschreibung lässt anderes vermuten. Wie sich die Protagonistin auf einmal von der klassischen Familienmutter zur Rächerin gegen die Unterwelt entwickelt bleibt bis zum Schluss offen.

Kommentare

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