Paraíso - Was wiegt die Liebe?

Paraíso - Was wiegt die Liebe?

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Liebe ist überall

Eigentlich stolpert Carmen eher über den Diät-Kurs, als dass sie tatsächlich etwas an ihrer Figur verändern möchte. Aber die Bemerkung der Sekretärin, dass sie doch so hübsch sei, und das Angebot, im gemeinsamen Training zur Traumfigur zu gelangen, treffen in diesem Moment genau ihren Nerv. Und so nimmt Carmen an der kostenlosen Probestunde teil, sortiert den Kühlschrank neu und stellt den Ernährungsplan für sich und ihren Mann radikal um.
Carmen (Daniela Rincón) und Alfredo (Andrés Almeida) sind erst seit kurzem aus einem gemütlichen Vorort in die Hauptstadt gezogen. Alfredo hat dort ein gutes Jobangebot bei einer Bank erhalten, also haben sie sich eine Wohnung gesucht und Freunde und Familie zurückgelassen, um ihr Glück in der Stadt zu versuchen. Schnell wird Carmen aber in ihren Zweifeln bestätigt: Die Wohnung hat bei der Besichtigung besser ausgesehen als beim Einzug, sie kennt niemanden und lernt niemanden kennen, und auf der Party der Bank werden sie und Alfredo von dessen Arbeitskolleginnen ob ihrer Körperfülle verlacht. Plötzlich bemerkt Carmen: Während sie im Vorwort nicht aufgefallen sind, scheinen sie und Alfredo die einzig dicken Menschen weit und breit zu sein; in der Stadt sind alle rank und schlank, treiben Sport und sehen gut aus.

Umso motivierter ist Carmen, als sie mit ihrer Diät startet. Alfredo dagegen ist skeptisch und will nicht so recht mitziehen, isst heimlich Donuts und kauft sich am Arbeitsplatz Süßigkeiten. Doch letztendlich ist er es, der Kilo um Kilo verliert und schließlich seinen Kleiderschrank ausmisten muss. Innerhalb eines Jahres ist aus Alfredo ein adretter schlanker Mann geworden, der für die Jahresparty der Bank einen neuen Anzug braucht. Carmen dagegen schafft es nicht abzunehmen. Und während Alfredo ins Fitnessstudio geht, schaut sie lieber beim galizischen Kochkurs vorbei. Dort trifft sie auch das erste Mal auf Menschen, die wirklich freundlich zu ihr sind und sie so nehmen, wie sie ist. Und so wird die Kluft zwischen Alfredo und Carmen immer größer.

Kann eine Diät die Liebe zweier Menschen zerstören? Was als massentaugliche Komödie daherkommt, entpuppt sich letztendlich als gute, weil originelle Geschichte. Paraíso von Mariana Chenillo unternimmt Entwicklungen, die man nicht vorhersieht, regt an Stellen zum Nachdenken an, an denen man das eigentlich nicht erwarten würde. Aus der Komödie über das Dicksein und Dünnerwerdenwollen wird eine Geschichte über Liebe und Eifersucht, über gegenseitige Wertschätzung und auch darüber, dass Liebe überall möglich ist. Der Film hätte auch ein Plädoyer für das Leben in der Kleinstadt werden können, wo alles besser sei, die Menschen die wahren Werte lebten. Doch dem ist nicht so, und das tut gut.

Man könnte dem Film allerdings vorwerfen, dass er ziemlich lange braucht, um in die Gänge zu kommen. Mehr vom letzten Drittel, weniger von den ersten beiden – das würde den Film bestimmt besser machen. Paraíso ist nach dem preisgekrönten Fünf Tage ohne Nora Chenillos zweiter Kinospielfilm, produziert von Canana, der Produktionsfirma von Gael García Bernal, Diego Luna und Pablo Cruz. So erfolgreich wie sein Vorgänger war er allerdings nicht, das mag am Thema, aber auch an der Umsetzung liegen. Trotzdem: Es wird bestimmt noch einiges Gutes von Chenillo auf die Leinwand kommen.

Paraíso - Was wiegt die Liebe?

Eigentlich stolpert Carmen eher über den Diät-Kurs, als dass sie tatsächlich etwas an ihrer Figur verändern möchte. Aber die Bemerkung der Sekretärin, dass sie doch so hübsch sei, und das Angebot, im gemeinsamen Training zur Traumfigur zu gelangen, treffen in diesem Moment genau ihren Nerv. Und so nimmt Carmen an der kostenlosen Probestunde teil, sortiert den Kühlschrank neu und stellt den Ernährungsplan für sich und ihren Mann radikal um.
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