Parade

Parade

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Tokioter WG-Leben

Ryosuke wacht auf. Sein Bett steht in einem kleinen, engen, voll gestopften Zimmer. Wir sind irgendwo in Tokio, in einem kleinen Appartement, das sich vier junge Leute Mitte Zwanzig teilen. Ryosuke ist eigentlich Student, hängt aber am liebsten mit seiner Mitbewohnerin Kotomi (Shihori Kanjiya) ab, die gerade arbeitslos ist und auf den Anruf ihres Freundes wartet. Dann gibt es noch Mirai (Karina), eine Grafikerin, die sich zur Beruhigung Videos mit Vergewaltigungen ansieht und ständig jemand anderes in ihrem Zimmer übernachten lässt. So kommt auch eines Tages Satoru in die 4-er WG – und zwar genau zu der Zeit als in der Stadt sexuelle Übergriffe auf junge Frauen verübt werden. Steckt etwa Satoru (Kento Hayashi), der sich sein Geld als Callboy verdient, dahinter? Am wenigsten traut ihm Naoki (Tatsuya Fujiwara), der vierte Mitbewohner, über den Weg und nimmt den neuen Untermieter genauer unter die Lupe.
Es sind die kleinen und größeren Probleme junger Menschen in Tokio, die in Isao Yukisadas Film Parade, der auf einem Roman von Shuichi Yoshida basiert, anhand der verschiedenen Figuren durchbuchstabiert werden. Da ist der Liebeskummer Kotomis, die ihren Freund mehr im Fernsehen als im richtigen Leben sieht. Oder der plötzliche Todesfall im Umfeld von Ryosuke, der ihm schwer zu schaffen macht. Es sind sicherlich sehr universelle Themen, die hier zur Sprache kommen und auch woanders gespielt werden können. Dennoch ist Parade eine schöne Milieustudie, in der Probleme und Lebenssituationen auf spezifisch japanische Weise angegangen werden.

Parade endet nach knapp zwei Stunden völlig unerwartet – mit einem Schock, der nur zu gut widerspiegelt, wie wenig sich diese jungen Menschen eigentlich kennen, obwohl sie so eng aufeinander wohnen und sich täglich sehen. Ein Schock, der einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt und zweifelsohne zum Nachdenken anregt.

Isao Yukisada ist bereits zum dritten Mal Gast im Panorama der Berlinale. 2002 zeigte der 41-jährige Regisseur den Film Go und 2004 A Day On The Planet.

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Ryosuke wacht auf. Sein Bett steht in einem kleinen, engen, voll gestopften Zimmer. Wir sind irgendwo in Tokio, in einem kleinen Appartement, das sich vier junge Leute Mitte Zwanzig teilen.
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