Papst Johanna

Papst Johanna

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Die Legende von einer Frau auf dem Heiligen Stuhl

Bereits seit dem Mittelalter ranken sich Legenden um eine tief religiöse, kluge Frauenfigur, die unentdeckt ein Leben als Mann führt, als Mönch in der kirchlichen Hierarchie aufsteigt und schließlich zum Papst gewählt wird. Dass das auch ein Stoff für einen Spielfilm ist, liegt auf der Hand, und nach dem Drehbuch von John Briley (Enigma, Gandhi, Schrei nach Freiheit / Cry Freedom) unter der Regie des Briten Michael Anderson (1984, In 80 Tagen um die Welt / Around The World In Eighty Days, In den Schuhen des Fischers / The Shoes Of The Fisherman) entstand der Historienfilm Papst Johanna / Pope Joan aus dem Jahre 1972 mit der norwegischen Schauspielerin Liv Ullmann (Szenen einer Ehe / Scener ur ett äktenskap) in der Rolle der charismatischen Johanna.
Die kleine Johanna (Sharon Winter) ist ein ganz besonders frommes Kind, das bereits in frühem Alter lesen kann – ein absolutes Kuriosum innerhalb der mittelalterlichen Welt, in der diese Fähigkeit nur wenigen Privilegierten vorbehalten ist. Gemeinsam mit ihren Eltern zieht das Mädchen über das Land, um für Unterkunft, Verpflegung und manchmal auch kleinere Geldgaben aus der Heiligen Schrift eindrucksvoll vorzutragen, in dem Bemühen, den Menschen die Bibel und das Christentum nahe zu bringen. Früh verstirbt ihre Mutter, und Johanna führt ihre immer einträglichere Mission mit ihrem Vater und ein paar Gefährten weiter, die sie allerdings nach dessen Tod brutal missbrauchen. Die junge Frau (Liv Ullmann) findet zunächst Schutz und Erfüllung in einem Kloster, wo sie eines Abends zum ersten Mal dem anziehenden Ludwig (Franco Nero), dem Enkel des Kaisers begegnet, dem sie später noch schicksalshaft verbunden sein wird und für den sie insgeheim entflammt ist. Bald muss sie jedoch mit dem Mönch Adrian (Maximilian Schell), der ihr Geliebter geworden ist, in letzer Sekunde vor den wütenden Soldaten fliehen, die im Zuge eines Erbfolgekriegs die Festungen der Kirche verwüsten und ihre Bewohner grausam töten. Auf der Flucht verwandelt sich die zu auffällige Nonne notgedrungen in den Mönch Johannes, der bald durch seine bewegenden, klugen und doch scharfzüngigen Predigten von sich reden macht. Johannes und Adrian gelangen schließlich nach Rom, wo der mittlerweile zu Berühmtheit aufgestiegene Bruder Johannes in päpstliche Dienste genommen wird und der unaufhaltsame Aufstieg zum Heiligen Stuhl selbst seinen Lauf nimmt.

Papst Johanna / Pope Joan ist ein Film – ganz im Stil der dramatischen Historienfilme seiner Zeit –, der die Akzente eindeutig auf die Herz-Schmerz-Geschichte einer ungewöhnlichen, leidenschaftlichen Frau setzt, die unbeirrbar den Weg ihrer Überzeugung geht und damit zu gewaltiger Macht gelangt, eingebettet in die politischen Konflikte zwischen Krone und Kirche der mittelalterlichen Welt. Eindrucksvoll besetzt und mit kräftigen Bildern entsteht eine reichlich emotionale Version über das Leben der legendären Frau, der es einst gelungen sein soll, die noch heute strikt Männern vorbehaltene Position eines Papstes zu erreichen.

Papst Johanna

Bereits seit dem Mittelalter ranken sich Legenden um eine tief religiöse, kluge Frauenfigur, die unentdeckt ein Leben als Mann führt, als Mönch in der kirchlichen Hierarchie aufsteigt und schließlich zum Papst gewählt wird.
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