Papillon (2017)

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Michael Noer wagt sich mit "Papillon" an das Remake eines Klassikers des Gefängnisfilms, der auf einem autobiografisch gefärbten Roman basiert. Ob der dänische Regisseur dem Stoff neue Facetten abgewinnen kann?

Papillon (2017)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Alles für die Freiheit

Im Jahr 1973 kämpfte der charismatische Actionheld Steve McQueen in Franklin J. Schaffners Romanadaption "Papillon" als Häftling verzweifelt um ein Leben in Freiheit und sicherte sich mit diesem Werk einen festen Platz in den Annalen des Gefängnisfilms. Dass der Däne Michael Noer ("Nordvest – Der Nordwesten") ausgerechnet das Remake eines Klassikers für sein Hollywood-Debüt ausgewählt hat, kann man positiv gesprochen mutig finden, negativ betrachtet naiv und unbedacht. Wer einen Meilenstein des Knastdramas modernisieren will, sollte, möchte er gegen das Original halbwegs bestehen können, schon einige neue Perspektiven in petto haben, die man hier trotz einiger kleiner Abwandlungen leider vermisst. Gewartet hat die Welt auf eine solche Frischzellenkur eher nicht.

Im Paris der 1930er Jahre kommt der Safeknacker Henri Charrière (Charlie Hunnam), aufgrund eines markanten Schmetterling-Tattoos nur Papillon genannt, recht gut über die Runden, sieht sich eines Tages jedoch mit einem Mordvorwurf konfrontiert. Obwohl der junge Mann unschuldig ist, wird er verurteilt und in die berüchtigte Strafkolonie St. Laurent in Französisch-Guayana verbannt. Bereits auf der gefährlichen Überfahrt befasst er sich mit Fluchtgedanken und freundet sich mit dem gerissenen, aber schwächlichen Fälscher Louis Dega (Rami Malek) an, dessen mitgeführtes Bargeld Papillon den Weg in die Freiheit ermöglichen soll. In Südamerika angekommen, wird der Wunsch nach einem schnellen Ausbruch immer größer, da im Gefangenenlager grausame Bedingungen herrschen. 

Charlie Hunnam ist gewiss nicht zu beneiden, hat sich allerdings auch selbst dazu entschlossen, in die Fußstapfen von Leinwandikone Steve McQueen zu treten. Gerade zu Anfang darf der 38-jährige Brite seinen muskelbepackten Körper demonstrativ zur Schau stellen und schindet damit durchaus Eindruck. In puncto Ausstrahlungskraft zieht er gegenüber dem US-amerikanischen Kinostar, der 1980 an Krebs verstarb, jedoch klar den Kürzeren. In einigen Momenten müht sich Hunnam redlich, dem Publikum die Qualen seiner Figur eindringlich zu vermitteln, liefert letztlich aber „nur“ eine routinierte Leidensperformance ab.

Dass die Neuadaption mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in die filmischen Geschichtsbücher eingehen wird, kann man freilich am wenigsten dem Hauptdarsteller anlasten. Schwerer ins Gewicht fällt die besonders in der zweiten Hälfte etwas zu fahrige und skizzenhafte Konzeption des Drehbuchs aus der Feder von Prisoners-Autor Aaron Guzikowski, dessen Vorlage auf Henri Charrières angeblich autobiografisch gefärbten Romanen Papillon und Banco sowie dem Skript der Schaffner-Version basiert. Tiefen Einblick in das Innenleben des Titelhelden gewährt das Remake bedauerlicherweise nicht und verpasst dadurch die Chance, genauer darzulegen, weshalb der gebeutelte Protagonist nicht verzweifelt. Warum er ungeachtet aller Rückschläge immer weiter an die Freiheit glaubt und einen schier unbändigen Überlebenswillen an den Tag legt. Als Charakterdrama taugt Papillon folglich bloß in Ansätzen, wobei auch die Zeichnung mancher Nebenfigur allzu flüchtig bleibt. Der von Roland Møller gespielte Celier etwa wird übertrieben deutlich als selbstsüchtiger Finsterling inszeniert, sodass sich sein weiteres Verhalten leicht erahnen lässt, während Jungspund Maturette (Joel Basman) in der Rolle eines plumpen Drehbuchgehilfen verharrt. Einige Holprigkeiten im Handlungsablauf und ein gehetzt wirkender Abschluss untergraben die emotionale Wucht, die zweifellos in Charrières Survival-Story steckt. 

Passabel unterhalten fühlen dürften sich Freunde rauer Abenteuerfilme, da Michael Noer größere Leerlaufphasen umschifft, gelegentlich stimmungsvolle Landschaftsbilder einstreut und immer mal wieder dichte, intensive Szenen in den Kasten bringt. Exemplarisch ist die Überfahrt nach Südamerika, bei der sich im finsteren Bauch des Schiffes die Anspannung auf engstem Raum direkt auf den Zuschauer überträgt. Ohne Scheu vor drastischen Gewaltaufnahmen fängt der Regisseur das Gefängnisleben in all seiner Härte ein und erzeugt vor allem in den dynamisch arrangierten, nah bei den Figuren bleibenden Actionmomenten eine starke Unmittelbarkeit. Ins Gedächtnis brennt sich unter anderem ein rabiater Nacktkampf, der ein wenig an die berüchtigte Duschsequenz aus David Cronenbergs Gangsterthriller Tödliche Versprechen – Eastern Promises erinnert. Gelungene Abschnitte wie dieser machen jedoch nicht vergessen, dass es dem modernisierten Papillon an faszinierenden neuen Facetten mangelt. Interessant wäre es, zu wissen, wo Noer selbst den Reiz seines Remakes sieht.

Papillon (2017)

Henri „Papillon“ Charrière wird im Frankreich der 30er Jahre zu Unrecht wegen Mordes verurteilt und muss seine lebenslange Haftstrafe in der berüchtigten Strafkolonie St. Laurent in Französisch-Guayana verbüßen. Auf dem Weg dorthin begegnet Papillon dem seltsamen Louis Dega, einem verurteilten Fälscher. Nachdem er ihn vor einem Angriff anderer Häftlinge verteidigen konnte, treffen sie eine Vereinbarung: Dega steht fortan unter Papillons Schutz, im Gegenzug finanziert Dega Papillons Fluchtversuche. Im Laufe der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden Männern eine tiefe Freundschaft, die ihnen hilft, den schweren Arbeitsdienst und die sadistische Behandlung der Wärter zu überleben und die ihnen immer wieder die Kraft gibt, nicht aufzugeben…

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