Ostia

Ostia

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Das Leben imitiert die Kunst

Der beste Pasolini-Film, den Pasolini nie gemacht hat – das ist Ostia für viele. Frei von Pasolinis Einfluss ist er aber natürlich nicht. Er hat am Drehbuch mitgewirkt und Regie-Debütant Sergio Citti hat zuvor mit Pasolini zusammengearbeitet. Der Meister wollte den Film zuerst selbst inszenieren, händigte ihn dann jedoch seinem Schüler aus.
Bandiera und Rabbino haben in ihrer Jugend unter der katholischen Erziehung und dem ständig betrunkenen Vater gelitten. Endlich erwachsen, leben sie vom Stehlen und nehmen bei sich eine missbrauchte Hure auf. Es entspinnt sich eine komplexe Dreierbeziehung, die ohne Eifersucht auskommt – wenn auch nicht lange, steht doch schon bald die schöne Monica zwischen den Brüdern.

Es ist nicht der Sex, der zwischen ihnen steht, es ist die Liebe der Brüder füreinander, die zu ihrer aller Sturz führt. Bandiera und Rabbino stehen sich so nahe, dass beinahe eine perverse sexuelle Komponente ins Spiel kommt. Sie wird nur angedeutet, ist aber vorhanden, zusammen mit der offensichtlichen Homosexualität der Brüder, die mit der schönen Monica nichts anzufangen wissen. Obwohl Citti eine alles andere als schöne Geschichte von gebrochenen Menschen erzählt, findet er unglaublich eindringliche Bilder, die sich nicht leicht abschütteln lassen.

Nicht minder faszinierend ist die Korrelation mit der echten Welt. Beinahe mutet es an, als hätte Pasolini sein eigenes Ende vorhergesehen, nimmt das Ende des Films doch das Ableben des Künstlers vorweg – im Film wie im echten Leben wird in Ostia gestorben, die Gründe mögen unterschiedlicher Natur gewesen sein, das Ergebnis ist dasselbe.

Wie bei der Reihe „Masterpieces of Cinema“ üblich, gibt es auch hier eine ansprechende Bonusausstattung. Neben Trailer und Booklet ist es vor allem die Dokumentation Ein Film für Poeten, in dem wechselseitig Filippo De Masi und dessen Vater, Komponist Francesco De Masi, zu Wort kommen. Das Bild ist passabel, allerdings etwas weich und farblich schwach ausgeprägt. Der Ton ist klar zu verstehen, akustische Unreinheiten fallen bisweilen auf, aber nicht ins Gewicht.

Ostia

Der beste Pasolini-Film, den Pasolini nie gemacht hat – das ist „Ostia“ für viele. Frei von Pasolinis Einfluss ist er aber natürlich nicht. Er hat am Drehbuch mitgewirkt und Regie-Debütant Sergio Citti hat zuvor mit Pasolini zusammengearbeitet. Der Meister wollte den Film zuerst selbst inszenieren, händigte ihn dann jedoch seinem Schüler aus.
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