Ossi's Eleven

Ossi's Eleven

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Ein Hoch auf das Deppenapostroph

Ironische oder bestenfalls witzig gemeinte Remakes von Erfolgsfilmen sind nicht jedermanns Sache. Und obwohl solche Filme bereits seit langem am Start sind (der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an die britische Carry on…-Filmreihe unter der Regie von Gerald Thomas, die zwischen 1958 und 1992 so ziemlich jeden erfolgreichen Film durch den Kakao zogen) und manch kleine Perle – etwa von Mel Brooks – hervorgebracht haben, haftet dieser Art von Filmen immer noch häufig etwas bemüht Witziges oder schlimmstenfalls sogar Peinliches an. Daran konnte bislang auch der hoch komische Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis nichts ändern, zumal es anscheinend zu den ungeschriebenen Gesetzen gehört, selbst hart gesottene Zuschauer durch die Wahl möglichst dämlicher Titel vom Kinobesuch abzuhalten. Auch Ossi’s Eleven ließ in diesem Zusammenhang das Schlimmste vermuten – der Dreiklang Ossi, Deppenapostroph und die offensichtliche Bezugnahme auf eine Kultgröße wie Ocean’s Eleven klingt geradezu nach einem Film, der das Scheitern schon fast provoziert. Umso größer die Überraschung, dass Ossi’s Eleven dies gerade nicht tut. Zwar erfindet Oliver Mielke, bislang vor allem als Produzent von Fernsehformaten wie Switch oder Bullyparade in Erscheinung getreten, die deutsche Humorlandschaft nicht neu, doch er zeigt, dass nachdenkliche Untertöne in einer Komödie durchaus nicht fehl am Platze sind.
Im Mittelpunkt des Gaunerstücks steht der Trucker Oswald „Ossi“ Schneider (Tim Wilde), der gerade aus dem Knast kommt (er hatte einen LKW seines Arbeitgebers gestohlen) und nun versucht, wieder im Leben zurechtzukommen. Doch das ist gar nicht so einfach, rings um ihn herum herrschen Depression und Resignation. In dem kleinen Städtchen im Osten der Republik ist von den einstmals versprochenen „blühenden Landschaften“ nicht das Geringste zu spüren. Bis Ossi auf die Idee verfällt, eine Eisenschmelze um einige Tonnen alter D-Mark-Münzen zu erleichtern und diese in Euros einzutauschen. Klar, dass so ein Coup nicht alleine bewerkstelligt werden kann, doch durch verschiedene Indiskretionen spricht sich der Beutezeug immer weiter herum, bis Ossi schließlich eine komplette Fußball-Mannschaft am Bein hat, die sich – im Gegensatz zu George Clooney, Brad Pitt und Konsorten – nicht gerade geschickt anstellt.

Ein wenig gleichen die Probleme Ossis jenen des Zuschauers: Nicht nur der sympathische Schlawiner hat zu viele Kumpane am Bein, auch die Geschichte schleppt eine Masse an Figuren mit sich herum, denen sie nicht gerecht werden kann. Da bleibt manches nur holzschnittartig angedeutet – ein Problem, mit dem zugegebenermaßen auch schon Steven Soderbergh zu kämpfen hatte – und ist dem Umstand geschuldet, dass man in Anlehnung an das zitierte Vorbild elf Ganoven auf die Leinwand bringen muss. Abgesehen von diesem verzeihlichen Lapsus macht Oliver Mielke aber vieles richtig, was genauso gut hätte entsetzlich ins Auge gehen können: Mit schrägem Personal wie dem Bond-Schurken Götz Otto als gedoptem Ex-Leistungssportler und Würstchenbuden-Brater, dem Pop-Chorknaben Sasha („If you believe“) als schmalzlockigem Elvis-Imitator und Kantinenhilfe, Manfred Möck als früherem Stasi-Spitzel, der darauf besteht, nicht IM, sondern OM (=offizieller Mitarbeiter) gewesen zu sein und anderen Losern zeichnet er einen zugespitzten Querschnitt durch die ostdeutsche Gesellschaft, über den hoffentlich nicht nur Wessis lachen können. Erfreulich ist dabei die Ferne der Dialoge zum Kalauer und zum Schenkelklopper; statt Brachialhumor überwiegen zum Teil sehr treffende Beobachtungen ostdeutscher Befindlichkeiten, die die Marotten der Figuren niemals mit Häme, sondern meist mit Mitleid, oft sanftem Spott und manchmal sogar mit einer gewissen Bitternis kommentieren.

Es ist erstaunlich, wie entlarvend gerade die Anlehnung an das Hochglanz-Mainstreamprodukt Ocean’s Eleven geraten ist und wie gut sich damit etwas über die kleinen Träume und krummen Lebenswege vermeintlicher Loser erzählen lässt. Und als es am Schluss zu einer einzigartigen Solidaritätsbekundung mit den Gaunern kommt, hat man fast für einen Moment das Gefühl, dass vielleicht doch noch alles gut werden könnte – im kleinen Umfeld des Films ebenso wie im großen gesellschaftlichen Zusammenhang des Miteinander von Ost und West.

Schon komisch: Kaum glaubt man, die Ostalgie-Welle in den deutschen Kinos sei abgeebbt, da zeigt Ossi’s Eleven, dass man dem Thema mit Witz und Charme doch noch ganz neue Seiten abgewinnen kann.

Ossi's Eleven

Ironische oder bestenfalls witzig gemeinte Remakes von Erfolgsfilmen sind nicht jedermanns Sache.
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Meinungen
Johannes Hahn · 27.02.2008

Spannende Kritik, gut geschrieben.
Habe den Film in der Sneak Preview gesehen. Der Titel schreckt erstmal ab, der Film aber ist toll. Gute Schauspieler, schöne Bilder. Was zum Lachen und was zum nachdenken, unaufdringlich, einfach gelungen!

Kommentare

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