Open Hearts – Für immer und ewig

Open Hearts – Für immer und ewig

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Dienstag, 25. November 2008, WDR, 22:10 Uhr

„Doch alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!“, so tönt Friedrich Wilhelm Nietzsche bereits im Nachtwandler-Lied seiner berühmten Schrift Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen aus den 1880er Jahren. So romantisch diese Sehnsucht nach ewiger Lust und auch Liebe auch anmuten mag, steht sie doch zunehmend in erheblichem Gegensatz zur realen Lebenswelt moderner Beziehungen, denen nach anfänglichen Unendlichkeitsbeteuerungen doch eher die Tendenz zur mehr oder weniger raschen Vergänglichkeit anhaftet. Open Hearts – Für immer und ewig / Elsker dig for evigt von 2002 thematisiert die schmerzliche Zerrissenheit zweier schicksalhaft miteinander verbundener Paare, bei denen das „Für immer und ewig“ zu einem schwer heilbaren Bruch mutiert, der das Leben aller Beteiligten drastisch verändert. Ein unverkennbares, heftiges und schwermütiges dänisches Dogma-Werk unter der Regie von Susanne Bier und nach dem Drehbuch von Anders Thomas Jensen stellt dieser Liebesfilm dar, der international auf einigen Festivals prämiert wurde und in Dänemark als einer der erfolgreichsten Filme überhaupt in den Kinos lief.
Cecilie (Sonja Richter) und Joachim (Nikolaj Lie Kaas) sind ein junges Paar mit Heiratsplänen, dessen gesamtes Leben unvermittelt aus der Bahn gerät, als Joachim von einem Auto angefahren wird und schwerstverletzt im Krankenhaus landet. Trotz zahlreicher Notoperationen bleibt der geschädigte Körper des Studenten beinahe völlig gelähmt – ein traumatischer Zustand, den auch oder gerade die engagierte Fürsorge von Cecilie nicht lindern kann, deren liebevolle Bemühungen Joachim immer stärker als unerträglich empfindet. Auch Marie (Paprika Steen), die unaufmerksame, doch offiziell schuldlose Fahrerin des Unfallwagens, kämpft mit den erschütternden Folgen dieses Verhängnisses, und es ist ausgerechnet ihr Mann Niels (Mads Mikkelsen), der als Arzt in der Klinik arbeitet, in der Joachim behandelt wird. Auf die Bitte seiner Frau hin, die sich heftige Vorwürfe macht, bietet Niels der verzweifelten Cecilie seine Unterstützung an, die mittlerweile von Joachim rigoros aus dem Krankenzimmer verbannt wird. Doch aus der anfänglichen Krisenhilfe entwickelt sich ein Liebesverhältnis, mit der Konsequenz, dass der Arzt seine Frau und seine Kinder verlässt…

Karg inszeniert konzentriert sich Open Hearts – Für immer und ewig / Elsker dig for evigt ganz auf die inneren Befindlichkeiten und Bewegungen seiner vielschichtigen Charaktere, die von einer hervorragenden Darsteller-Truppe verkörpert werden, deren intensives Spiel den Zuschauer unweigerlich in seinen Bann zieht. Trotz mitunter aufflackernden Galgenhumors überwiegt die ungemütliche, bedrückende Atmosphäre der strengen Dramaturgie, die allerdings bei aller Tragik und Verstörung dennoch insgesamt nicht in die stumpfe, rettungslose Ausweglosigkeit abgleitet. Gerade darin besteht eine gewaltige Stärke des Films, die auf der Wandelbarkeit seiner Protagonisten beruht, die sich von konventionellen Verhaltensmustern und Moralvorstellungen zumindest ein wenig zu emanzipieren vermögen, so leidvoll sich dies auch gestaltet – ein faszinierendes Stück über menschliche Emotionen und Haltungen angesichts existentieller Katastrophen, das dem Zuschauer ein leises Memento Mori ins Bewusstsein haucht.

Open Hearts – Für immer und ewig

„Doch alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!“, so tönt Friedrich Wilhelm Nietzsche bereits im Nachtwandler-Lied seiner berühmten Schrift Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen aus den 1880er Jahren.
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Meinungen
Yeah!! · 26.06.2009

Super intensiver Liebesfilm der echt unter die Haut geht.
Total sexy: Mads Mikkelsen!!!

Kommentare

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