Old Men in New Cars

Old Men in New Cars

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Tarantino auf dänisch?

Kaum ist Harald (Kim Bodnia) aus dem Knast entlassen, geht der Ärger schon wieder los. Denn der schwere Junge wird bereits von der Balkan-Mafia sehnlichst erwartet, der er noch die Kleinigkeit von 3,5 Millionen dänische Kronen schuldet. Doch damit nicht genug: Zu allem Unglück, das unter anderem darin besteht, dass ihn niemand vom Knast abholt, liegt auch noch sein Ziehvater Munken (Jens Okking) im Sterben — die Leber hat ihren Dienst versagt. Der alte Mann hat nur noch einen letzten Wunsch: Er will unbedingt seinen unehelichen Sohn Sohn Ludvig (Torkel Petersson) kennen lernen, der gerade im wahrsten Sinne des Wortes hinter schwedischen Gardinen einsitzt. Zusammen mit seinen Kumpels Martin (Tomas Villum Jensen) und Peter (Nikolaj Lie Kaas) macht sich Harald daran, den verlorenen Sohn in einer spektakulären Aktion aus dem schwedischen Knast zu befreien. Dass der liebe Sohn allerdings kein Unschuldslämmlein ist, das wegen irgendwelcher Bagatelldelikte einsitzt, sondern ein fünfacher Frauenmörder, erfahren die Banditen erst, als sie Ludvig nach einer Pinkelpause mit Leichnam Nr. 6 antreffen.

Wieder zurück in Dänemark geht es Munken zunehmend schlechter, nur noch eine Lebertransplantation kann den Alten retten, doch die kostet die Kleinigkeit von 280.000 Dollar. Selbst ein dilettantischer Banküberfall bringt nur ein Bruchteil der benötigten Summe, doch dann unterbreitet Ratko, der Boss der Balkan-Mafia Harald und seinen Freunden ein lukratives Angebot, das alle finanziellen Engpässe mit einem Schlag beseitigen würde — den Überfall auf eine Transportmaschine mitsamt Geldtransporter. Eigentlich ein Job für echte Vollprofis, doch in der Not sagen die Kleingangster zu. Wenn sie allerdings gewusst hätten, was dabei alles schief und zu Bruch gehen würde, hätten sie es sich wahrscheinlich anders überlegt.

Klingt krude? Ist krude! Doch für Freunde des skurrilen Humors und schräger kleiner Gangstergeschichten bietet Lasse Spang Olsens Prequel seines Films In China essen sie Hunde (I kina spiser de hunde, 1999) allerhand Augen- und Ohrenschmaus der Dampfhammersorte, der manchen Kritiker an die Blues Brothers erinnert. Über den Wert solcher Vergleiche lässt sich streiten. Allzu ernst sollte man Old Men in New Cars nicht nehmen, denn das wäre wohl auch die denkbar schlechteste Herangehensweise an einen Film, der einfach nur Spaß machen will und mehr nicht. Die Leistungsschau der dänischen Stuntman-Innung glänzt nicht durch eine ausgeklügelte Story, tiefgründige Dialoge oder psychologisch fundierte Figuren, sondern durch mitunter brachialen Humor und einen ähnlich gearteten Umgang mit Autos — den dänischen Schrotthandel dürfte es gefreut haben. Das Etikett „Die dänische Antwort auf Tarantino“ wird dabei aber beiden Seiten nicht gerecht, von der Meisterschaft des großen Quentin ist Lasse Spang Olsen ungefähr so weit entfernt wie Kopenhagen von L.A. Trotzdem: Wer die eher actionbetonte Gangart bei Filmen und nicht allzu viel Wert auf eine tiefgründige Story legt, der kann hier lernen, dass man es auch in Dänemark beherrscht, Polizeiwagen und andere Gefährte in Pirouetten durch die Lüfte zu schicken. Ich habe mich auf jeden Fall 90 Minuten lang mittelprächtig amüsiert, den Film aber am nächsten Tag vergessen. Kann passieren, wenn man älter wird…
 

Old Men in New Cars

Kaum ist Harald (Kim Bodnia) aus dem Knast entlassen, geht der Ärger schon wieder los. Denn der schwere Junge wird bereits von der Balkan-Mafia sehnlichst erwartet, der er noch die Kleinigkeit von 3,5 Millionen dänische Kronen schuldet.

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Meinungen
Murderer · 18.09.2005

genau so geil wie teil 1

der münchner · 25.03.2005

dänemark ist sooooo geil und alles was die dänen machen ist soooooooooooo geil ich liebe dänemark und alles was die machen alles was die haben alles was die sind alles was die wollen bin jedes jahr in dänemark und es ist sooooooo geil

@Dave · 24.03.2005

Ein Klassiker? Meinst Du das wirklich, viele Stunts, ganz witzige Handlung, schrullige Typen, ok ein guter, unterhaltender Film, aber zum Klassiker fehlt dem doch noch ziemlich viel.

Davepapzt · 23.03.2005

ich denke das das nen knüller wie bang boom bang wird! total cool und eindeutig nen klassiker!

· 16.03.2005

Eine wirklich actiongeladene Komödie mit herrlich skurrilen Charakteren. Unglaublich das so was aus Dänemark kommt.

Filmfan · 24.02.2005

Den habe ich letztes jahr in Heidelberg auf dem Filmfestival gesehen. Ein bißchen wie Oceans 11 auf dänisch, die Kritik triffts schon sehr genau. Komische Charaktere, wilde Verfolgungsjagden, einfach ein guter Spass.

Kommentare

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