Öffne meine Augen – Te Doy Mis Ojos

Öffne meine Augen – Te Doy Mis Ojos

Szenen einer ganz normalen Ehe?

Für Pilar (Laia Marull) gibt es keinen Grund, an ihrer Liebe zu ihrem Mann Antonio (Luis Tosar) zu zweifeln. Doch die zehn Jahre ihrer Beziehung waren die Hölle, immer wieder musste sie die Gewalttätigkeiten und Zornesausbrüche ihres Mannes hinnehmen und mehr als einmal führten diese dazu, dass sie unter fadenscheinigen Ausreden das Krankenhaus aufsuchen musste. Eines Nachts aber schafft sie endlich den längst überfälligen Schritt: Total verängstigt rafft sie ihre Sachen zusammen, weckt den kleinen Sohn Juan (Nicolas Fernandez Luna) auf und verlässt die gemeinsame Wohnung. Überhastet und noch mit ihren Hauspantoffeln an den Füßen flüchtet sie sich zu ihrer jüngeren Schwester Ana (Candela Peña).

Wie schlecht es um die Ehe von Pilar wirklich steht und welches Martyrium diese bereits hinter sich hat, das geht Ana erst auf, als sie am nächsten Tag in deren Wohnung ist und dort Krankenhausrechnungen vorfindet. Als Antonio schließlich überraschend in die Wohnung zurückkehrt, schmeißt er seine Schwägerin kurzerhand hinaus. Von nun steht es für Ana fest, dass an einer Scheidung kein Weg mehr vorbeiführt. Doch Pilar wird immer wieder schwankend, denn ein ums andere Mal gelobt Antonio Besserung, verspricht, eine Therapie zu machen und beginnt diese auch tatsächlich. Es besteht kein Zweifel, dass bei Pilars Mann der Wille vorhanden ist, doch kann er seine Beteuerungen auch wirklich in die Realität umsetzen?

In der Zwischenzeit gelingt es Pilar Schritt für Schritt und sehr behutsam, sich so etwas wie ein eigenes Leben aufbauen, dank ihrer Schwester findet sie einen Job. Und schließlich bietet sich ihr sogar die Chance, sich beruflich zu verbessern und zu etablieren. Doch der angebotene Job würde bedeuten, dass Pilar engültig von Toledo weg und nach Madrid ziehen muss. Nun spätestens muss sich zeigen, ob sich Antonio wirklich verändert hat, oder ob Pilar in Zukunft ihren Weg alleine gehen wird.

Gewalt in der Ehe ist ein weite verbreitetes gesellschaftliches Problem, Schätzungen gehen von rund 25 Prozent aller Beziehungen aus, die davon betroffen sind. Doch so breit der gesellschaftliche und politische Konsens auch ist, dass häusliche Übergriffe unter keinen Umständen toleriert werden dürfen, noch immer umgibt die Mehrzahl der Fälle eine Mauer des Schweigens. Und insbesondere in Ländern, die stark durch konservative Wertvorstellungen und eine christliche Auffassung der Institution Ehe geprägt sind, tun sich schwer damit, das Übel offensiv anzugehen. Spanien gehört mit Sicherheit zu den Nationen, in denen manchmal stillschweigend hingenommen wird, was nicht toleriert werden darf. Natürlich erinnert Iciar Bollains Film an Ingmar Bergmanns Szenen einer Ehe, doch die spanische Regisseurin geht das Thema sehr direkt und weniger verklausuliert an als ihr großer schwedischer Kollege. Obwohl es einfach wäre, Antonio zu verurteilen, macht sie seine Raserei zwar nicht akzeptabel, aber doch zumindest ansatzweise nachvollziehbar und zeichnet so das differenzierte Bild eines Mannes, der seine Affekte nicht im Griff hat. Zudem wirken seine Versuche, sich der Spirale der Gewalt zu entziehen, durchaus glaubwürdig. Auch Pilar wirkt durch die facettenreiche und schnörkellose Art der Inszenierung wie ein Mensch aus Fleisch und Blut, erschreckend real mit ihrem Wankelmut und dem erst sehr zögerlich einsetzenden Willen zur Veränderung. Das alles macht Öffne meine Augen zu einem erschreckenden und äußerst sehenswerten Film, der deutlich vor Augen führt, wie wenig entfernt manche Beziehung davon ist, zur Hölle zu werden.

In Spanien war der Film einer der großen Erfolge der letzten Jahre, mehr als eine Million Besucher sahen Öffne meine Augen – Te Doy Mis Ojos. Vielleicht ist dies ein Zeichen, dass auch dort langsam ein Umdenkprozess stattfindet.

Öffne meine Augen – Te Doy Mis Ojos

Für Pilar (Laia Marull) gibt es keinen Grund, an ihrer Liebe zu ihrem Mann Antonio (Luis Tosar) zu zweifeln.

  • Trailer
  • Bilder
Meinungen
· 10.07.2005

Ein sehr ergreifendes Drama mit einer grandiosen und äußerst ausdrucksstarken Laia Marull in der Hauptrolle.

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.