Office Christmas Party

Office Christmas Party

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Die ultimative Firmen-Weihnachtsfeier

Früher waren die Zeiten wilder. Die Leute debattierten noch mit Herzblut, sie soffen und rauchten. Sie ließen auf der Weihnachtsfeier im Büro die Sau raus. Am Tag danach herrschte dort dann eine peinliche Verlegenheit, die nicht mehr aus der Welt zu schaffen war. Es hatte mit einiger Wahrscheinlichkeit sexuelle Belästigungen, Gesichtsverluste, Respektlosigkeiten dem Chef gegenüber gegeben. Heutzutage geht es indes auf Betriebsfeiern gesittet und besinnlich zu, wenn sie überhaupt noch stattfinden.
"Die Weihnachtsfeier heutzutage ist wie ein stubenreiner Mops. Der tut keinem weh und ist kindertauglich, aber irgendwo hinter dieser knuddeligen Oberfläche ist noch die DNA einer wilden Bestie", meint Produzent Scott Stuber. Also hat er das Regieduo Josh Gordon und Will Speck (Die Eisprinzen) losgeschickt, um die Bestie zu wecken. Bald wogt dann in Chicago bei der Firma Zenotek die Party auf zwei Etagen, die Leute tanzen, jubeln, sitzen nackt auf dem Kopierer. Und trotzdem beschwört die Komödie solchen Spaß nur herauf, ohne ihn sich wirklich zu eigen zu machen. Paare finden sich, Probleme lösen sich genrekonform. Es darf ein wenig chaotisch und vulgär zugehen, solange die Gemüter nur ihre Naivität und Konsensfähigkeit behalten.

Am Anfang zerbricht sich der lustige, kumpelhafte Filialleiter Clay Vanstone (T.J. Miller) den Kopf darüber, wie die Weihnachtsfeier aussehen sollte, damit die Mitarbeiter sich an ihr tatsächlich erfreuen. Gerade kommt er mit seiner rechten Hand, dem technischen Leiter Josh (Jason Bateman), vom Geschenkekauf zurück, da erwartet ihn eine böse Überraschung: Seine Schwester Carol (Jennifer Aniston), Geschäftsführerin der Gesamtfirma, ist erschienen, eine Art Reinkarnation des strafenden Knechts Ruprecht. Völlig spaßfrei verkündet sie Clay und seinen Abteilungsleitern, dass es keine Weihnachtsfeier geben wird, sondern im Gegenteil, die Kündigung für zahlreiche Mitarbeiter. Die Firma hat die Wachstumsvorgabe nicht erfüllt. Im Grunde steht auch schon die Schließung der ganzen Zweigstelle bevor.

Clay, Josh und die IT-Managerin Tracey (Olivia Munn) bringen einen potenziellen Klienten ins Gespräch, der die Firma retten könnte. Aber um ihn an Bord zu holen, bekommen sie nicht einmal zwei Tage Zeit. Weil Walter (Courtney B. Vance), der umworbene Geschäftskunde, aber nicht so recht will, lädt ihn Clay zu einer rauschenden betrieblichen Weihnachtsfeier ein, die ihn umstimmen soll. Clay fährt alles auf, was chic und teuer ist: einen Eierlikörspender mit einem Mundstück in Penisform, einen jungen DJ mit unkorrekter Sprache, Krippenspiel-Statisten, einen berühmten Sportler als Ehrengast. Clay selbst begrüßt Walter im Weihnachtsmann-Outfit. Aber der missmutige Mensch wird erst durch einen Zwischenfall mit der Dekoschnee-Maschine bekehrt, die ihm etwas Koks ins Gesicht bläst. Nun kommt die Party allmählich in Schwung, aber dann kehrt Carol überraschend vom Flughafen zurück.

Jennifer Aniston spielt Carol mit herrlich biestigem Elan. Dass sie von ihrem Groll auf den lebenslustigen, vom Vater gehätschelten Bruder angetrieben wird, lässt sie nur menschlicher erscheinen. T.J. Miller verleiht ihrem komödiantischen Antagonisten Clay eine sympathische Lockerheit und Herzensgüte. Und Jason Bateman spielt Josh als den vernünftigen Angestellten, der Clay gewissermaßen erdet. Hinzu gesellt sich eine bunte Riege von Nebenfiguren, die nicht alle überzeugen. Vielmehr zerfasert die Handlung an allen Ecken und Enden und es kommt sogar zu einer albernen Mutprobe im Straßenverkehr, bei der ein Auto durch die Luft fliegt. Die Leute erweisen sich als fast so unkaputtbar wie Tom & Jerry. Die Firma gehört natürlich auch zurück ins System katapultiert, notfalls durch eine Art Weihnachtswunder. Aber am Prinzip des Wirtschaftswachstums zu rütteln, das kommt für die Komödie trotz anfänglicher Anspielungen in diese Richtung dann doch nicht infrage.

Office Christmas Party

Früher waren die Zeiten wilder. Die Leute debattierten noch mit Herzblut, sie soffen und rauchten. Sie ließen auf der Weihnachtsfeier im Büro die Sau raus. Am Tag danach herrschte dort dann eine peinliche Verlegenheit, die nicht mehr aus der Welt zu schaffen war. Es hatte mit einiger Wahrscheinlichkeit sexuelle Belästigungen, Gesichtsverluste, Respektlosigkeiten dem Chef gegenüber gegeben.
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