Obsession

Obsession

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Schicksalshafte Begegnungen leidenschaftlicher Persönlichkeiten

Wird der Begriff der Obsession in der Psychopathologie für die Beschreibung einer Störung verwandt, so bezeichnet er gemeinhin das nicht zwingend negative, starke und intensive Engagement für eine Sache oder auch eine Person. Derartig fokussierte Passionen, die nicht selten eine Portion Wahnsinn oder einen Leidensaspekt enthalten, bevölkern in unterschiedlichen Ausprägungen den Film Obsession von Peter Sehr (Kaspar Hauser, Atemlos in New York / Love the Hard Way), sei es Filme, ein altes Familienfoto, medizinische Forschungen oder letztlich die Liebe betreffend.
An einem schicksalshaften Tag treffen in Berlin ein paar Leute aufeinander, deren Wege von nun an durch die Ereignisse sowie ihre ganz persönlichen Leidenschaften und Geschichten eng miteinander verbunden sein werden. Der betagte Jacob Frischmuth (Seymour Cassel), der mit seinem Bruder Simon eine Schneiderwerkstatt betreibt, in der überwiegend Puppen hergestellt werden, kann es wieder nicht lassen, doch dieses Mal wird er beim Ladendiebstahl beobachtet und flüchtet dicht verfolgt vom Sicherheitspersonal in einen U-Bahn-Schacht. Dort begegnet er John McHale (Daniel Craig), der gerade aus Simbabwe in Berlin eingetroffen ist, um einem Geheimnis im Zusammenhang mit seiner verstorbenen Großmutter nachzuspüren und sich sogleich tatkräftig mit dem Flüchtigen solidarisiert. Die Szenerie wird von Miriam (Heike Makatsch), einer jungen und vielseitigen Musikerin beobachtet, deren Freund Pierre (Charles Berling), ein Arzt, der in der Forschung tätig ist, schließlich lebensrettend eingreift, als der alte Jacob bedrängt von seinen Verfolgern kollabiert. Für John haben diese Ereignisse ganz üble Folgen, da er den Wachmann außer Gefecht setzt, um an dessen Telefon für den dringenden Notruf zu gelangen, und obwohl Miriam bei Gericht deutlich für ihn aussagt, wird er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und muss als Ausländer das Land verlassen. Doch John hat bereits eine Arbeit als Steinmetz angenommen und ist fest entschlossen, in Berlin zu bleiben, zumal er sich heftig in Miriam verliebt hat, die trotz ihrer glücklichen Beziehung und tiefen Zuneigung zu Pierre beginnt, starkes Gefallen an dem nunmehr Flüchtigen zu entwickeln, der bei jeder Gelegenheit ihre Nähe sucht und sie mit kreativen Aufmerksamkeiten verwöhnt. Aus Dankbarkeit und wachsender Symphatie wird John unter die Fittiche von Jacob und Simon Frischmuth genommen, über die er schließlich die Witwe Ella Beckmann (Marie-Christine Barrault) kennen lernt, deren verstorbener Mann ein obsessiver Sammler von Filmen war, die beinahe die gesamte Wohnung belegen und unter denen sich ein Dokument befinden könnte, das den Schlüssel zu seinem Familiengeheimnis bergen könnte. Als sich bei John und Miriam eine Liebesaffäre anbahnt, von der schließlich auch Pierre erfährt, eskalieren die Emotionen und es wird deutlich, dass Miriam beide Männer liebt und keinen von ihnen aufgeben will, und dann beginnt sich auch noch Johns familiäre Angelegenheit zu lüften …

Obsession ist ein lebhafter, spannender Film um Menschen, die in dem, was sie umtreibt und was sie tun, unermüdlich, hartnäckig, professionell und leidenschaftlich sind, und die Verknüpfungen der einzelnen komplexen Geschichten und Handlungsstränge gestalten sich ebenso schlüssig wie gekonnt inszeniert. Aus scheinbar zufälligen Wendungen ergeben sich entscheidende Veränderungen für die Lebensgeschichte der drei Hauptfiguren, und die Ausstattung mit liebevollen Details wie den thematisch wechselnden Puppen der Frischmuths oder die Sequenzen der alten Schwarzweißfilme der Witwe Beckmann sowie charmante kleine Nebenstränge tragen das Übrige dazu bei, Obsession zu einem interessanten, sehenswerten Film werden zu lassen, dessen Darsteller ganz hervorragende Leistungen zeigen, was auch durch kleine Schwächen in der Dramaturgie kaum geschmälert wird.

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Wird der Begriff der Obsession in der Psychopathologie für die Beschreibung einer Störung verwandt, so bezeichnet er gemeinhin das nicht zwingend negative, starke und intensive Engagement für eine Sache oder auch eine Person.
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