Nur ein Tag in Berlin (2018)

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„Nur ein Tag in Berlin“ heißt Malte Wirtz' jüngstes Drama, und der Titel ist Programm. Wirtz folgt zwei Freundinnen durch die deutsche Hauptstadt und wagt damit ein filmisches Experiment.

Nur ein Tag in Berlin (2018)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Behäbig durch die Hauptstadt

Zwei Frauen, eine Kamera und ein improvisiertes Skript – mehr braucht Regisseur Malte Wirtz nicht für einen Streifzug durch die deutsche Hauptstadt und mitten hinein an die Konfliktlinien einer Freundschaft.

Als Mia (Bea Brocks) ihre alte Freundin Linda (Sophie Reichert) an einer Berliner Straßenecke abholt, währt die Wiedersehensfreude nur kurz. Die Begrüßung der beiden fällt herzlich aus und wird ein paar Schritte weiter an der Spree mit Sekt begossen. Unübersehbar und -hörbar sind jedoch die Störgeräusche, die dieses Treffen begleiten. Sebastian Starkes Elektrobeats stimmen in das Grundrauschen des Straßenlärms ein. An den schwarzen Rändern des schmalen Bildausschnitts poppen Kurznachrichten auf. Links schreibt Mias Affäre Jo, rechts Lindas Verlobter Thomas. Mias Blicke am Wasser sprechen Bände. Linda bohrt und stößt auf Unerhörtes. Wegen Geldsorgen plant Mia, Jo zu erpressen. Doch dann nimmt das Drama eine ganz andere Richtung.

Wirtz erzählt von zwei Frauen am Scheideweg, die, von Beziehungsnöten mit ihren Partnern geplagt, ihre Beziehung zueinander überdenken und ganz neue Aspekte daran entdecken. André Groths Kamera schafft eine dokumentarische Nähe. Gepaart mit den Textnachrichten erweckt das ungewöhnliche Format den Eindruck, als filmten wir Zuschauer das Geschehen heimlich mit unseren Smartphones. Und doch bleiben wir auf Distanz, egal wie natürlich Bea Brocks und Sophie Reichert auch agieren, egal wie glaubwürdig sie ihr Spiel mit der Handlung eskalieren lassen. Die Ursache dafür wurzelt im Konzept.

Wie der Titel vermuten lässt, spielt Malte Wirtz' Film an einem einzigen Tag in Berlin. Das Besondere daran: Der Regisseur hatte ihn in weniger als 24 Stunden im Kasten. Das Problem dabei: Der experimentelle Ansatz, bei dem Wirtz seine Darstellerinnen lediglich mit Rollenprofilen und ein paar Vorgaben ausstattete und während des Drehs Regieanweisungen an ihre Mobiltelefone schickte, ist aufregender als das Ergebnis. Schon die Grundidee der Erpressung wirkt konstruiert und krude. Anstatt diese konsequent zu verfolgen, verläuft sich die Handlung zwischen Bootsfahrt, Balkongesprächen und Barbesuchen schnell in Belanglosigkeiten und Behauptungen. Wo vergleichbare kinematografische Experimente der jüngeren Vergangenheit einen unglaublichen Drive entwickeln, Sebastian Schippers Victoria (2015) oder Sean Bakers Tangerine L. A. (2015) kommen in den Sinn, schleppt sich Nur ein Tag in Berlin behäbig voran.

Einem Dokumentarfilm nicht unähnlich musste Wirtz gemeinsam mit seinem Cutter Assaf Reiter die Dramaturgie erst im Schneideraum herstellen. Unzähliges Material fiel der Schere zum Opfer. Und doch hat das in Kapitel eingeteilte, nur 74 Minuten kurze Drama erstaunlich viele Redundanzen. Ein Großteil der Dialoge bleibt einfallsloses Geplauder, und der Alltag der Protagonistinnen ist schlicht zu gewöhnlich, um das Interesse daran bis zum Filmende aufrechtzuerhalten. So anstrengend der Dreh, so langwierig die mehrmonatige Montage auch gewesen sein mögen, das Resultat wirkt wie schnell hingeworfenes Kino. Von diesem ereignisarmen Tag in Berlin prägt sich kein Ereignis ein. Nach dem Kinobesuch haben wir ihn ebenso schnell wieder vergessen.

Nur ein Tag in Berlin (2018)

Mia und Linda treffen sich nach Jahren in Berlin wieder. Beide wohnen nicht mehr dort. Mia hat große Schulden und plant den reichen Mann, mit dem sie seit Jahren eine Affäre hat, zu erpressen. Lindas Hochzeit mit Thomas steht vor der Tür, doch ihre Zweifel häufen sich. Ist ihre Zuneigung zu Mia rein freundschaftlich? Ist es möglich einen Mann, den man Jahre lang geliebt hat, zu erpressen? Oder gibt es eine ganz andere Lösung?

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