Nowhere To Hide

Nowhere To Hide

Eine Filmkritik von Mike Swain

Dirty Harry in Inchon

Detektiv Woo (Park Joong-Hoon) ist ein ziemlich ungewöhnlicher Kauz. Besonders clever ist er nicht, kämpfen kann er nur schlecht, davon zeugen seine zahlreichen Beulen und blauen Flecken, und auch ein richtige Pistole will er nicht sein Eigen nennen. Lieber verwendet er eine Gaspistole, denn damit kann er wenigstens niemanden ernsthaft verletzen. Sympathisch ist er dadurch trotzdem nicht, denn in seinen Methoden zur Verbrechensbekämpfung unterscheidet er sich wenig von einem Gangster. So bleibt nach einem Verhör schon mal der Abdruck seines Stiefels im Gesicht eines Verdächtigen zurück. Doch was in Deutschland hoffentlich zu einer Suspendierung führen würde, zieht in Korea lediglich eine Gehaltskürzung nach sich. Als Woo und sein junger Partner Kim (Jang Dong-Kun) einen Mord im Drogen-Milieu aufklären müssen, kommen sie schnell darauf, wer der Mörder ist: Niemand anderes als der berüchtigte Drogenboss Chang Sung-Min (Ahn Sung-Ki), ein Meister der Verkleidung, der die koreanische Polizei schon seit Jahren foppt. Doch Woo macht sich unerschrocken auf die Jagd. Die Geliebte des Gangsters, wird ihm den Weg zur Beute weisen.
Regisseur Lee Myung-Se gilt als einer der Mitbegründer des „New Korean Cinema“. In Nowhere To Hide zeigt er, warum das südkoreanische Kino heute zu den innovativsten und aufregendsten der Welt gerechnet wird. In einem fulminanten Bilderhagel stürzen sich Woo und Kim in die Jagd auf den kaum zu ergreifenden Verbrecher. Lee zitiert ausgiebig aus der Geschichte des Films, aber auch aus anderen Kunstgenres. So entstehen immer wieder Szenen und Passsagen, wie man sie noch nie zuvor gesehen hat. Besonders einprägsam eine Prügelei, die als asiatisches Schattenspiel dargestellt und ironischerweise von klassischer Musik untermalt wird oder Aufnahmen aus einer Disco, die an japanische Mangas erinnern. Mit unglaublicher Rasanz setzt Lee eine furiose Szene an die nächste und huldigt dabei auch Vorbildern wie John Woo oder Quentin Tarantino. Untermalt von hämmernden koreanischen Metal-Beats kann einem Zuschauer bei dieser Bilderflut schier der Atem stocken.

Das einzige Manko von Lees Liebe zum Bild ist, dass die Story und die Entwicklung seiner Charaktere schwer darunter leiden. Denn von Anfang an ist klar, dass nach etlichen Prügeleien und rasanten Verfolgsjagden der finale Showdown zwischen Cop und Verbrecher anstehen wird – so will es eben das Genre des Action-Films.

Die DVD verfügt über beste Bild- und Tonqualität, und auch die zahlreichen Extras mit einer Laufzeit von 150 Minuten können sich sehen lassen. Neben der Originalfassung des Films findet sich auch ein Director’s Cut und ein Vergleich zwischen beiden Versionen. Mehrere Interviews und einige Szenen vom Set runden die durchweg gelungene DVD ab.

Nowhere To Hide

Detektiv Woo (Park Joong-Hoon) ist ein ziemlich ungewöhnlicher Kauz. Besonders clever ist er nicht, kämpfen kann er nur schlecht, davon zeugen seine zahlreichen Beulen und blauen Flecken.
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