Nomaden des Himmels

Nomaden des Himmels

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Ein Familiendrama in der Jurte

Spielfilme über die letzten Nomaden der asiatischen Steppe erfreuen sich hierzulande großer Beliebtheit. Zeigen sie doch eine exotisch anmutende Lebensweise, deren Familienzusammenhalt und Naturverbundenheit gerade auch den urbanen Westeuropäer ansprechen. Oft spielen diese Filme entweder in der Mongolei, wie Die Geschichte vom weinenden Kamel und Die Höhle des gelben Hundes, oder im mongolisch-kasachischen Grenzgebiet wie Die Stimme des Adlers, oder in der kasachischen Steppe wie Tulpan. Die Jurte der fünfköpfigen Familie in Nomaden des Himmels steht in der bergigen Landschaft Kirgistans. Immer klingt in diesen Geschichten Wehmut an, denn die Kultur, die sie praktisch in letzter Minute entdecken und filmisch festhalten, ist vom Einbruch der Moderne bedroht. Die Kinder werden wohl in die Stadt ziehen, wo es all das gibt, wovon die heimkehrenden Besucher oder das Fernsehen berichten.
Der kirgisische Regisseur Mirlan Abdykalykov, der mit Nomaden des Himmels sein Langfilmdebüt gibt, wurde von seinen Großeltern aufgezogen. Sie machten ihn mit den alten Bräuchen und Werten vertraut, die für die kulturelle Identität des Landes so wichtig sind. Im Film teilt sich ein Großelternpaar (Tabyldy Aktanov, Anar Nazarkulova) die Jurte mit der Schwiegertochter Shaiyr (Taalaikan Abazova) und deren siebenjähriger Tochter Umsunai. Shaiyrs Sohn Ulan studiert Architektur und kommt in den Ferien nach Hause. Die Familie besitzt eine Pferdeherde und lagert in einem einsamen Tal in der Nähe des Flusses, der einst Shaiyrs Mann in den Tod riss. Die Trauer um den Sohn, Ehemann und Vater ist auch nach Jahren noch sehr präsent. Der Großvater erzählt der Enkelin von einem Jäger, der im Augenblick des Todes in einen Adler verwandelt wurde. Fortan winkt die Kleine dem Adler, der häufig über dem Tal kreist, jubelnd zu, weil sie glaubt, er sei ihr Vater.

Mehrere Konflikte überschatten das Leben der Familie: Shayir wird von einem Meteorologen aus der Stadt umworben, der für eine Weile auf einer Wetterstation hier in der Natur arbeitet. Shayirs Schwiegermutter entgehen die Blicke, die zaghafte Annäherung nicht, die sie für einen Verrat an ihrem Sohn hält. Überhaupt ist die alte Frau sehr kritisch und scharfzüngig. Ihr Mann hat seine liebe Not damit, ein Gegengewicht zu ihrer Schwarzmalerei herzustellen. Der alte Tabyldy ist das Herz der ganzen Geschichte, ein würdevoller Familienvater, der sich sehr um ein gedeihliches Miteinander bemüht, in dem jeder auch als Individuum respektiert wird. Anders als seine Frau ist er der Meinung, dass der Enkel unbedingt sein Studium zu Ende bringen und dann selbst entscheiden soll, ob er zurückkehrt. Natürlich möchte er den Stab an ihn weiterreichen, also schenkt er ihm den jungen Hengst, der die Herde künftig leiten wird. Gleichzeitig aber sieht der Alte, dass in der Gegend Bagger aufkreuzen, die die Landschaft verändern.

Der Regisseur setzt mit dieser liebevoll und bewegend gezeichneten Großvaterfigur der alten nomadischen Kultur und ihrem Familienverband ein schönes Denkmal. Er schildert keine heile Welt, aber eine, die ihren Menschen Trost und Halt bietet. Die Familienmitglieder wahren auf engem Raum eine gewisse verbale Distanz zueinander. Wenn sie in Konflikten Brücken schlagen und das Herz sprechen lassen, greifen sie zum Beispiel gerne auf Geschichten und Gleichnisse zurück. Immer sind die Dinge im Fluss, nichts wird lückenlos durchleuchtet und selbst Shaiyrs Entscheidung wird nur verständlich, wenn der Zuschauer ihr seine Interpretation hinzufügt. Eingebettet in die unberührte, dem Wind ausgesetzte Landschaft, bedient sich die einfache, naive Erzählung einer universal verständlichen Sprache. Denn mit diesem fiktiven Familienporträt bedankt sich ein Filmemacher voller Zärtlichkeit für das Erbe der Großelterngeneration.

Nomaden des Himmels

Spielfilme über die letzten Nomaden der asiatischen Steppe erfreuen sich hierzulande großer Beliebtheit. Zeigen sie doch eine exotisch anmutende Lebensweise, deren Familienzusammenhalt und Naturverbundenheit gerade auch den urbanen Westeuropäer ansprechen. Oft spielen diese Filme entweder in der Mongolei, wie "Die Geschichte vom weinenden Kamel" und "Die Höhle des gelben Hundes", oder im mongolisch-kasachischen Grenzgebiet wie "Die Stimme des Adlers", oder in der kasachischen Steppe wie "Tulpan".
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