Nicht mein Tag

Nicht mein Tag

Eine Filmkritik von Martin Beck

Anklopfen im Himmel

Eine Buddy-Komödie, eine es-wird-immer-schlimmer-Spirale und der Ausbruch eines in einem Spießer gefangenen Rock’n’Rollers. Nicht mein Tag ist der neue Film von Peter Thorwarth, der nach satten acht Jahren Pause genau da weitermacht, wo vor allem Bang Boom Bang aufgehört hat. Launiger Krach inmitten von prall-breiten Klischees. Und einem Produzenten-Credit für Til Schweiger, der hier wahrscheinlich eine Art Fortsetzung zu Knockin’ On Heaven’s Door gewittert hat.
Denn natürlich, Nicht mein Tag ist auch ein skurriles Roadmovie um zwei gegensätzliche Typen, die entgegen vieler Widerstände in allerlei Abenteuer schliddern. Der eine, Till (Axel Stein), ist ein braver Bankangestellter, der dank seiner Alltagsroutine kaum noch lebt, und der andere, Nappo (Moritz Bleibtreu), ein prolliger Gelegenheitsganove, der eigentlich nur seiner Freundin (Jasmin Gerat) eine spontane Urlaubsreise schenken will und deswegen Tills Bank überfällt. Wo genau jener Till dann als Geisel genommen wird.

Und danach so einiges erleben/erdulden muss, was all denjenigen bekannt vorkommen dürfte, die entweder schon mal einen Peter-Thorwarth-Film oder einen Quentin-Tarantino-Film oder ein Buddy-Roadmovie gesehen haben. Also letztendlich allen - die dann auch eine gar kuriose Schere zwischen dem Krach da auf der Leinwand und der dezenten déjà-vu-Trägheit da im Kinosessel feststellen. Eine es-wird-immer-schlimmer-Klamotte zwischen albanischen Gangstern, holländischen Nutten und kantigen Schrottplatz-Prolos. So würde Falling Down aussehen, wenn sein Drehbuch durch einen bunt angemalten Windkanal geschoben worden wäre.

Was an sich gar nichts Schlimmes ist, wenn es halt nicht gar so bekannt wäre, und letztendlich auf das hinausläuft, wovon Til Schweiger tagtäglich träumt: eine Beziehungskomödie, mit einer aufkeimenden Männerfreundschaft, einem Bonnie & Clyde-Paar und einer vermeintlich auf der Kippe stehenden Spießer-Ehe, deren Frau (Anna Maria Mühe) sich unbedingt als Designerin verwirklichen möchte. Ganz am Anfang, bei einer gruseligen Bankfeier, merkt man noch die Handschrift des zugrunde liegenden Buches (von Stromberg-Autor Ralf Husmann), doch ansonsten ist das hier die leidlich unterhaltsame Schnittmenge aus Peter Thorwarths lautem Ruhrpott-Humor (inklusive Ralf Richter, natürlich) und einem weiteren kontrolliert "ausrastenden" Beziehungs-hach-heute-machen-wir-mal-was-richtig-Schräges-Süppchen von Herrn Schweiger.

Nicht mein Tag fehlt tatsächlich das wirklich Wilde, das wirklich Unerwartete – was aufgrund der reichhaltigen Geschichte des/der gewählten Genre(s) natürlich nicht ganz einfach ist, aber trotzdem die wohlwollendste Bewertung bei "nett und unterhaltsam" verortet. Am besten gelungen sind der Anfang, wo noch traute Bank-Spießigkeit gezeigt wird, und der Ausflug nach Amsterdam, wo die erwartungsgemäßen Klischees immerhin schön laut dröhnen dürfen. Ansonsten müht man sich zwischen Realität und klamottigem Comic-Alarm, findet zum Glück immer wieder kernige Sprüche (Stichwort: "Zivilist") und träumt von einer Welt ohne viel zu brave und bequeme Mainstream-Schubladen.

Axel Stein macht seine Sache sehr gut, aus dem ist glatt ein richtiger Schauspieler geworden, die beiden Mädels erfüllen jedes Klischee und Moritz Bleibtreu kann Nappo wahrscheinlich auch durchs Telefon spielen – so oft und so ähnlich hat er diese eher dünn bleibende Figur bereits verkörpert. Nicht mein Tag ist eine Art Remix, getarnt als Klassentreffen und erzeugt eigentlich nur bei zwei Personengruppen wirkliches Interesse: beinharten Thorwarth-Fans, die ganz ähnlich den Brösel-Jüngern schon glücklich sind, wenn irgendwo ein Auspuff knattert, und absoluten Thorwarth-Neulingen, die jeden Til-Schweiger-Film in der ersten Woche goutieren. Nicht so ganz mein Film, leider.

Nicht mein Tag

Eine Buddy-Komödie, eine es-wird-immer-schlimmer-Spirale und der Ausbruch eines in einem Spießer gefangenen Rock’n’Rollers. "Nicht mein Tag" ist der neue Film von Peter Thorwarth, der nach satten acht Jahren Pause genau da weitermacht, wo vor allem "Bang Boom Bang" aufgehört hat. Launiger Krach inmitten von prall-breiten Klischees.
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