News from Home

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Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Wenn Wände reden könnten

Mit News From Home präsentiert der renommierte israelische Regisseur Amos Gitai, der zu den profiliertesten Filmemachern seines Landes gehört, den Abschluss seiner House-Trilogie, die 1980 mit House begann und 1998 mit A House in Jerusalem ihre Fortsetzung fand. Gitais Interesse für Häuser kommt nicht von ungefähr, immerhin ist der Mann gelernter Architekt, doch viel wichtiger als der umbaute Raum sind für ihn die Menschen, die das Haus beleben. Und er besucht die Menschen, denen das Haus einstmals bis zum Jahr 1948 gehörte, die palästinensische Familie Dajani und die ihre Enteignung bis zum heutigen Tage nicht verstehen können. Genauso wenig übrigens wie Claire Cesari, die heutige Besitzerin des Hauses, die auch heute noch als ungerecht empfindet, dass das Haus nicht mehr den Dajanis gehört. Vielleicht ist das ja nur eine kleine Impression, doch man bekommt gerade in diesen Momenten das deutliche Gefühl, dass der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern längst zu einer friedlichen Lösung gekommen wäre, wenn einfach die ganz normalen Menschen miteinander reden würden. Eine friedliche Koexistenz ist möglich, trotz allen Unrechts, das geschehen ist.
Doch es gibt auch die Menschen, die nicht vergessen wollen, nicht vergessen können, wie etwa einen Bewohner des Hauses, der befürchtet, dass die Palästinenser irgendwann die Rückgabe des Hauses beanspruchen könnten. Gitai zeigt diese Menschen in langen, ruhigen Einstellungen, nimmt sich selbst als Filmemacher sehr zurück und unterlässt hektische oder abrupte Kamerabewegungen, die Dynamik simulieren soll. Auf diese Weise entfaltet sich ein steter Strom der Geschichten in der Geschichte, die „oral history“ eines Gebäudes irgendwo in West-Jerusalem, das mehr über die zerrissene Stadt und ihre Bewohner erzählt als die meisten politischen oder historischen Dokumentationen. Auf der Tonebene allerdings legt Gitai nicht die gleiche wohltuende Zurückhaltung an den Tag, seine Off-Kommentare wirken teilweise etwas prätentiös und des Öfteren würde man sich wünschen, mehr von den Menschen zu erfahren, die mit dem Haus persönlich verbunden sind, und sich den Rest selbst zu denken.

Und so ist News from Home ein Film, der manchmal ein wenig geschwätzig wirkt, dann wieder stumm und nahezu wortlos und der in jedem Fall in jeder Minute eines ist – ein Stück beredte Geschichte.

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Mit News From Home präsentiert der renommierte israelische Regisseur Amos Gitai, der zu den profiliertesten Filmemachern seines Landes gehört, den Abschluss seiner House-Trilogie, die 1980 mit House begann.
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