Neil Young: Heart of Gold

Neil Young: Heart of Gold

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Wenn Legenden aufeinander treffen..

Der Musikfilm ist einfach nicht tot zu kriegen. Trotz oder gerade wegen der allgegenwärtigen Beschallung hat das Genre in den letzten Jahren eine regelrechte Renaissance erlebt, deren Ende bislang nicht abzusehen ist. Nach der leider etwas untergegangenen Reihe über den Blues, die unter der Gesamtleitung von Martin Scorsese stand, einigen herausragenden Biopics berühmter Musiker (Walk the Line, Ray) und etliche kleineren Dokumentationen kündigt sich nun ein neues cineastisches Event für Musikliebhaber an, das sich sehen und vor allem hören lassen kann. Denn mit Jonathan Demme (Das Schweigen der Lämmer, Philadelphia) hat sich abermals ein Großer Hollywoods daran gewagt, einer Musikerlegende mit der Kamera auf den Leib zu rücken – was umso spannender ist, da der Portraitierte – Neil Young himself – eine der großen Ausnahmeerscheinungen des Musikgeschäfts und darüber hinaus ein anerkannter Querkopf vor dem Herrn ist.
Wer nun allerdings glaubt, Neil Young: Heart of Gold beziehe seine Spannung vor allem aus der Frage, wie diese zwei Super-Egos miteinander auskommen, sieht sich (aufs Angenehmste) enttäuscht und überrascht. In jeder Minute meint man den gegenseitigen Respekt förmlich zu spüren, und es mutet beinahe etwas seltsam an, wenn ein gestandener Hollywood-Recke wie Demme eingesteht, ständig mit der Angst gekämpft zu haben, dass Young ihn mitsamt seinen acht Kameras hochkant wieder hinauswerfe. Dabei ist Demme nicht nur ein renommierter Regisseur, sondern vor allem im Bereich Musikfilm durchaus erfahren und mit einem ausgezeichneten Ruf versehen – verantwortete Demme doch das Bahn brechende Werk Stop Making Sense über die Talking Heads, das heute noch als stilbildend gelten darf.

Der persönliche Hintergrund Neil Youngs zum Zeitpunkt des Entstehens des Films ist durchaus ernst, denn Anfang 2005 hatten Ärzte bei dem Musiker ein lebensbedrohliches Aneurysma im Gehirn diagnostiziert, das eine umgehende und gefährliche Operation nötig machte. Anscheinend war sich Neil Young selbst nicht sicher, ob er diese Operation unbeschadet überstehen würde, denn er spielte in Rekordzeit sein neues Album Prairie Wind ein, gerade so, als gelte es eine Art musikalisches Vermächtnis zu hinterlassen. Glücklicherweise verlief die Operation gut, so dass nun der Plan reifte, das Album in einer Live Session im legendären Ryman Audtorium in Nashville, der Heimat der Country-Radiosendung \\\\\\\"Grand Ole Opry\\\\\\\" einem begeisterten Publikum vorzustellen. Demme und Young kannten sich bereits durch verschiedenen Zusammenarbeiten (unter anderem am Soundtrack zu Philadelphia), und so war es nahe liegend, dass Demme auch die Regie an diesem Musikfilm übernehmen sollte.

Neil Young: Heart of Gold lebt unbestritten von der einzigartigen Atmosphäre, die der Musiker zu erzeugen versteht. Mit Begleitmusikern und Gospel-Chor, aber auch allein mit der Gitarre, mit Songs von der neuen Platte oder auch Klassikern wie The Needle and the Damage done, dem Titel gebenden Heart of Gold oder Old Man im Gepäck – Neil Young wirkt in jeder Minute dieses Konzerts, das an zwei Abenden aufgezeichnet wurde, gelöst und nachdenklich, souverän und verletzlich, zärtlich und voller Weisheit. Und so ist es denn auch logisch, dass Demme auf jeglichen rockistischen visuellen Firlefanz verzichtet hat und stattdessen die stillen Momente, die kleinen Gesten und die menschlichen Regungen dieses Konzerts zeigt. Er zeigt die menschliche Seite einer Musikerlegende, und vielleicht ist es gerade das, was uns den Menschen und Musiker Neil Young noch näher bringt. Denn dieser Mann, so wissen wir nach diesem begeisternden Musikfilm hat nicht nur Gold in den Fingern und in der Stimme, sondern er hat auch ein „Heart of Gold“. Und es ist gut zu wissen, dass er noch unter uns Lebenden ist.

Neil Young: Heart of Gold

Der Musikfilm ist einfach nicht tot zu kriegen. Trotz oder gerade wegen der allgegenwärtigen Beschallung hat das Genre in den letzten Jahren eine regelrechte Renaissance erlebt, deren Ende bislang nicht abzusehen ist.
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Meinungen
Joix · 13.03.2007

auch wenn man ihn vorher nicht gekannt hat - jetzt wird man ihn lieben

Caro · 27.11.2006

Die Musik ist einfach klasse!

· 04.11.2006

schade, das diese durchgeknallte medienwelt
nicht allen städten diesen film zugänglich machen.
musiker wie neil young, eddy vedder mit pearl jam werden ausnahmemusiker bleiben, die so schnell nicht erreicht werden....

· 22.08.2006

film war für mich eine Enttäuschung. J. Demme's Dokumentarfilm-Verständ-nis scheint sich im bloßen Abbilden zu erschöpfen. Dies ist nicht 'mal ein Musikfilm, sondern ein distanzloser Konzertfilm, der allen-falls für altgediegene Neil-Young-Fans interessant sein dürfte. ich musste ihn mir deshalb auch nicht bis zum Ende antun.
gianpi

· 18.08.2006

Neil Young ist grossartig, ein fantastischer Künstler!!!

Kommentare

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